Umfragen, CSU

Der Fall Aiwanger hat den Freien Wählern offenbar nicht geschadet - im Gegenteil.

08.09.2023 - 10:41:29

Bayern-Umfrage: CSU bei 36 und Freie Wähler bei 16 Prozent. Der Trend in den Umfragen zeigt erkennbar nach oben.

Einen Monat vor der bayerischen Landtagswahl muss die CSU im ZDF-Politbarometer mit nur 36 Prozent den niedrigsten Umfragewert seit mehr als eineinhalb Jahren hinnehmen. Die Freien Wähler können sich nach der Flugblatt-Affäre um ihren Vorsitzenden, Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger, dagegen abermals in einer Umfrage über 16 Prozent freuen - ein Rekordwert.

Wäre am kommenden Sonntag Landtagswahl, lägen die Freien Wähler nach der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen gleichauf mit den Grünen auf Platz zwei hinter der CSU. Dahinter folgen die AfD mit 12 und die SPD mit 9 Prozent. Die FDP liegt in dieser Umfrage bei 4 Prozent, muss also um den Wiedereinzug in den Landtag zittern. Auffällig aber ist: 43 Prozent der Befragten wissen dem neuen Politbarometer zufolge noch nicht sicher, ob und wen sie tatsächlich wählen wollen.

2018 hatten die Freien Wähler 11,6 Prozent geholt

Auch zwei weitere Umfragen hatten die Freien Wähler zuletzt bei 15 beziehungsweise 16 Prozent gesehen, jeweils mit einem Plus von vier Punkten im Vergleich zu vorangegangenen Umfragen der jeweiligen Institute. Ein ZDF-Politbarometer zu Bayern gab es in der jüngeren Vergangenheit dagegen nicht. Klar ist aber, dass Aiwangers Partei derzeit deutlich über ihrem Landtagswahlergebnis von 2018 liegt: Damals hatten die Freien Wähler 11,6 Prozent geholt.

Auch eine aktuelle Civey-Erhebung sah die CSU unter Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder bei 36 Prozent. Schlechtere Umfragewerte hatte die Partei zuletzt um den Jahreswechsel 2021/22. Bei der Landtagswahl 2018 hatte die CSU 37,2 Prozent geholt.

Grundsätzlich spiegeln Wahlumfragen nur ein Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Sie sind zudem immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Die Forschungsgruppe Wahlen gibt die statistische Fehlertoleranz wie folgt an: Der Fehlerbereich betrage bei einem Anteilswert von 40 Prozent gut +/- drei Prozentpunkte und bei 10 Prozent gut +/- zwei Prozentpunkte.

Mehrheit der Bayern stützt Söders Entscheidung

Eine Mehrheit von 63 Prozent der Bayern hält es der Umfrage zufolge für richtig, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen Stellvertreter Aiwanger ungeachtet der Vorwürfe rund um ein antisemitisches Flugblatt aus Schulzeiten im Amt belassen hat. 29 Prozent aller Befragten gaben an, die Entscheidung sei nicht richtig.

Bei der Frage im direkten Vergleich, wer Ministerpräsident werden soll, Söder oder Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann, liegt Söder in der Umfrage bei 54 Prozent, weit vor Hartmann mit 19 Prozent (Rest: «weder noch» oder «weiß nicht»).

Bei der Koalitionsfrage bekommt das amtierende Regierungsbündnis aus CSU und Freien Wählern die höchste Zustimmung: 48 Prozent finden das Modell gut (33 Prozent schlecht, 14 Prozent egal). Eine Regierung aus CSU und Grünen fänden demnach 32 Prozent gut, aber 58 Prozent schlecht (8 Prozent egal). Auch ein schwarz-rotes Bündnis wird klar abgelehnt: Schlecht finden es 49 Prozent, gut 30 Prozent, egal 19 Prozent.

@ dpa.de