Corona-Testzentrum

Corona-Teststrategie ist “realitätsfern”, sagt Virologe Schmidt-Chanasit

10.10.2020 - 14:48:04

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit übt heftige Kritik an den in Zukunft geltenden Regeln, die für Reisende gelten, die aus Risikogebieten im Ausland nach Deutschland zurückkehren. Diese neuen Regeln werden am kommenden Donnerstag in Kraft treten.

Schmidt-Chanasit erklärte der Tageszeitung "Die Welt", die beschlossene fünftägige Quarantäne sei "ein sehr großer, schwerer Einschnitt" und komme beinahe "einem Reiseverbot" gleich. Sie werde viele Menschen vor große Probleme stellen. Man möge zum Beispiel an "die Reisebranche mit hunderttausenden Mitarbeitern" denken, fügte der Virologe hinzu.

Nach den von den Ländern und dem Bund gemeinsam beschlossenen Vorschriften kann ein Test auf eine Covid-19-Infektion in Zukunft erst nach einer Quarantäne von fünf Tagen Dauer vorgenommen werden. Dazu sagte Schmidt-Chanasit, aus virologischer Sicht sei diese Regel zwar nachvollziehbar. Man werde hierdurch mehr Infizierte finden. Aber, so fragte er, "wie groß ist der Preis, den man dafür zu zahlen hat?" Aus seiner Sicht sei die neue Maßnahme "völlig realitätsfern und unverhältnismäßig, sagte er weiter. Schließlich sei das Reisen etwas sehr Individuelles. Einige Menschen seien zwei Wochen lang nur in ihrem Ferienhaus und am Strand. Andere gingen jeden Abend in Bars und Clubs. Die Reisenden, die im Sommer mit einer Infektion nach Deutschland zurückgekehrt seien, seien zum überwiegenden Teil keine typischen Reisenden gewesen, sondern sie hätten ihre Familien im Ausland besucht und dort Feste gefeiert.

Daher sprach sich der Virologe dafür aus, die derzeit geltenden Regelungen beizubehalten. Die Tests an den Bahnhöfen und Flughäfen hätten sich "mittlerweile gut etabliert". Den politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern warf Schmidt-Chanasit vor, sich für den einfachen Weg entschieden zu haben, Verbote auszusprechen. Dies sei immer "der einfache Weg". Diese Verbote würden sich aber in Zukunft als problematisch erweisen, "allein deswegen, weil Gerichte die Entscheidungen einkassieren werden", sah Schmidt-Chanasit voraus.

Jonas Schmidt-Chanasit wurde 1979 in Berlin geboren. Von 2000 bis 2006 studierte er Humanmedizin an der Charité in Berlin. Seit 2018 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Arbovirologie an der Universität Hamburg.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, A-1010413

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