Crivitz (ddp-nrd). Ein Kriterium stand bei der Hochzeitsplanung von Jonas und Julia Stein ganz oben auf der Prioritätenliste: «Wir wollten, dass alle unsere Gäste um uns herum und möglichst wenig Fremde in der Nähe sind», erinnert sich der 30-Jährige. Deshalb entschloss sich das Paar aus Süddeutschland gegen eine Hochzeit in seiner Wahlheimat Hamburg, sondern lud die Gäste Ende Mai dieses Jahres für ein Wochenende nach Schloss Basthorst nahe Crivitz (Landkreis Parchim) ein. «Hier waren wir unter uns», sagt Stein. Wie er und seine Frau entschließen sich laut Tourismusverband des Landes immer mehr Auswärtige, ihre Hochzeit in der Idylle Mecklenburg-Vorpommerns zu feiern.
Gut ein Drittel derer, die sich 2008 im Nordosten das Ja-Wort gaben, seien Menschen ohne ständigen Wohnsitz im Land gewesen, sagt Tourismusverband-Sprecherin Katrin Hackbarth. «Viele kommen nach Mecklenburg-Vorpommern, weil sie für die Hochzeit eine romantische Kulisse wollen. Hier gibt es ja zahlreiche Schlösser, Herrenhäuser oder Leuchttürme», erläutert sie. Außerdem liege in Mecklenburg-Vorpommern der einzige Ort Deutschlands, an dem man sich direkt am Strand trauen lassen könne: Ein Hotel auf der Insel Rügen habe das nach Jahren «durchgeboxt», sagt Hackbarth. Mittlerweile habe sich auf diesem Gebiet ein großer Markt entwickelt. Zur Jahrtausendwende habe der Anteil der auswärtigen Paare noch bei nur einem Fünftel gelegen.
Von einem regelrechten Hochzeitstourismus spricht auch Sven Maack, der die Internetseite heiraten-in-mv.de betreibt. Allerdings denkt er, dass die Zahlen vom Tourismusverband ein wenig zu hoch gegriffen sind. Viele der 3797 Paare, die 2008 in Mecklenburg-Vorpommern heirateten, ohne auch dort gemeldet zu sein, seien Abgewanderte. «Die kommen zum Heiraten nach Hause», vermutet er. Einige hätten aber tatsächlich keinen Bezug zum Land, sondern fänden einfach die Landschaft schön oder wollten an einem außergewöhnlichen Ort feiern. «Der Renner ist zum Beispiel eine Mühle in Woldegk, in der man heiraten kann», erzählt Maack. Die Standesbeamtin komme dort zur Trauung in Mecklenburger Tracht, und die Gäste säßen auf Mehlsäcken.
So ausgefallen sollte es bei Steins nicht sein, ein festlicher Rahmen war dem Paar jedoch wichtig. «Schloss Basthorst war genau richtig - nicht so kitschig wie so ein bayerisches König-Ludwig-Schloss, aber trotzdem mit festlichem Flair», sagt der geborene Münchner Stein. Außerdem sei die Gegend rund um das zu Crivitz gehörende Anwesen schön, und man habe das Schloss das ganze Wochenende für sich gehabt: Alle 90 Betten waren mit Gästen der Hochzeitsgesellschaft belegt.
Freunde und Verwandte reagierten laut Stein anfangs teilweise mit Unverständnis, dass das Paar ausgerechnet im «Osten» feiern wollte. «Die Grenze nach Osten ist bei den meisten noch fester im Kopf als nach Süden oder Westen», vermutet Stein. Freunde, die ebenfalls in Hamburg wohnen, hätten kurz vorher im schleswig-holsteinischen Eckernförde geheiratet. Da habe sich keiner gewundert, obwohl das von der Hansestadt mindestens genauso weit weg sei wie Basthorst. «Eckernförde zählt für die meisten in die Kategorie ´auf dem Land bei Hamburg´, Mecklenburg-Vorpommern ist dagegen gefühlt schon in Polen», vermutet Stein.
Für Mathias Bollow, den Geschäftsführer von Schloss Basthorst, sind Gäste wie die Steins keine Ausnahme. Von den rund 40 Hochzeitsgesellschaften, die er dieses Jahr schon in seinem Hotel beherbergt habe, stammten höchstens zwei oder drei der Paare aus der Gegend, sagt er. Die meisten der Gäste kämen aus Berlin oder Hamburg.
Für den Hochzeits-Boom in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich ist laut Heiratsmanager Maack auch das niedrigere Preisniveau. «Wenn man ein Büfett in Hamburg mit einem von hier vergleicht, merkt man natürlich schon einen Unterschied», sagt Maack. Stein hingegen glaubt nicht, dass er und seine Frau viel gespart haben. Aber das mache ihm auch nichts aus, sagt der frisch Vermählte. «Es war traumhaft. Und bei der Hochzeit schaut man ja nicht aufs Geld.»
(ddp)


























