Zu ihren Forderungen gehören die Abschaffung von Studiengebühren, Nachbesserungen bei Bachelor- und Masterprogrammen, die Beseitigung des mehrgliedrigen Schulsystems und generell eine Mitbestimmung bei Bildungsprozessen.
Der Sprecher der Landesastenkonferenz Bayern, Malte Pennekamp, sagte bei der Auftaktkundgebung vor der Ludwig-Maximilians-Universität in München, das Bildungssystem weise «viele Baustellen auf, gegen die man gemeinsam ankämpfen muss». Rund 6000 Demonstranten zogen durch die Straßen der Landeshauptstadt. In Passau endete die Protestaktion der Studenten mit der spontanen Besetzung des größten Hörsaals der Universität.
Harriet Boos von der Schülerinitiative München und Gymnasiastin in der 11. Klasse beklagte, die hohe Belastung in der Schule lasse ihr «keine Zeit für Sport, Musikinstrumente oder einen Nebenjob». Azubi Christian beschwerte sich über seine «Schmalspurausbildung», die ihm kein «Einkommen zum Auskommen» ermögliche.
Ulrike Köllner vom bayerischen Elternverband kritisierte, die Kinder würden «zu Lernmaschinen getrimmt», um mit den schulischen Anforderungen zurechtzukommen. Sie verlangte ein Mitbestimmungsrecht von Schülern und Studenten bei Bildungsprozessen. Deshalb müsse man jetzt auf die Straße gehen, um seiner Stimme Ausdruck zu verleihen.
Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wies derweil die Kritik der demonstrierenden Studenten in Teilen zurück. So sprach er sich bei einer Kabinettssitzung in München dagegen aus, die Hochschulreform von 2006 rückgängig zu machen und die Studiengebühren abzuschaffen. Zudem verwies er darauf, dass die Hochschulen in Eigenverantwortung die Umsetzung des Bachelor-Systems nachbessern müssten. Wichtig seien dabei eine großzügigere gegenseitige Anerkennungspraxis von Leistungen sowie eine Überprüfung der Stofffülle.
Unterdessen stellten sich andere Politiker und Institutionen auf die Seite der Streikenden. Die bayerischen Grünen beklagten, dass an den Schulen und Hochschulen im Freistaat vieles im Argen liege. Landesparteichefin Theresa Schopper sagte: «Wo gute Bildung immer mehr zu einer Frage des Geldbeutels der Eltern wird, bleibt die Chancengerechtigkeit auf der Strecke.»
Ähnlich äußerte sich der SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann, der an der Protestkundgebung in München teilnahm. Bildung müsse ein öffentliches Gut bleiben, sagte er. Pfaffmann kritisierte zudem den Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, Peter Meidinger, auf das Schärfste, der die Demonstranten als »linksextreme und politikunfähige Organisationen« bezeichnet hatte. Der oberste Gymnasiallehrer gebe hier ein schlechtes Beispiel für das Demokratieverständnis und das Recht auf freie Meinungsäußerung ab, sagte der SPD-Politiker.
Auch die Gewerkschaft ver.di und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) solidarisierten sich mit den Forderungen der streikenden Schüler und Studenten. Münchens ver.di-Geschäftsführer Heinrich Birner plädierte für einen kostenfreien Zugang zum Bildungswesen und ein drittes Konjunkturprogramm. Zur Finanzierung setzt die Gewerkschaft unter anderem auf die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.
BLLV-Präsident Klaus Wenzel appellierte an die Staatsregierung, «den Unmut der Heranwachsenden ernst zu nehmen und sie nicht mit Lippenbekenntnissen abzuspeisen». Der erneut aufflammende Protest zeige, »wie groß der Leidensdruck an Universitäten und Schulen ist'.
München (ddp-bay)


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