Unsleben (ddp-bay). Er zieht und presst und rollt - und doch erinnert das, was Matthias Müller aus kubanischen Tabakblättern herzustellen versucht, nur sehr entfernt an eine Zigarre. «Dabei wirkt es so leicht», sagt der Münchner und deutet auf Lázaro Alberto Garcia Peláez. In wenigen Augenblicken fügt der Kubaner Einlage, Umblatt und Deckblatt zu einer wohlgeformten Habano - so heißen kubanische Zigarren - zusammen. Doch während der 40-Jährige auf viele Jahre Erfahrung zurückblicken kann und Chef ist von 100 Zigarrenrollern der berühmten Marke Cohiba, ist es Müllers Erstversuch.

Das Rollen von Zigarren unter Anleitung eines der besten Zigarrenrollers Kubas war eines von sieben Seminaren beim zweiten «Habanos Day» in Deutschland am Samstag auf dem Wasserschloss im unterfränkischen Unsleben. 230 Liebhaber kubanischer Zigarren hatten sich versammelt, um in Workshops, Seminaren und Tastings von Experten unter anderem Wissenswertes über die Kombination von Zigarren und Schokolade, die Lagerung von Zigarren oder zur Geschichte einzelner Marken zu erfahren.

Organisiert hatten den «Habanos Day» mit Astrid Rothaut und Tobias Schreiber zwei begeisterte Zigarrenraucher. Anfang 2007 hätten sie gehört, dass es ein solches Event rund um die Havanna-Zigarre in Italien bereits gebe, sagt Schreiber. «So etwas konnten wir uns auch in Deutschland sehr gut vorstellen.' 150 Teilnehmer hatte vor zwei Jahren der erste »Habanos Day« in Mannheim.

Ein halbes Jahr haben Schreiber und Rothaut auch in diesem Jahr ihre Freizeit neben ihren Jobs als Bilanzbuchhalter und SAP-Beraterin in die Vorbereitung des »Habanos Day« gesteckt. Zum einen habe man eine Plattform bieten wollen, auf der sich Zigarrenraucher in großer Runde mit Gleichgesinnten austauschen können, sagt Schreiber. Zum anderen sollte interessierten Genussrauchern die Möglichkeit geboten werden, ihren Horizont zu erweitern. Und schließlich habe man in Zeiten der Rauchverbote ein »Rauchzeichen« setzen wollen, betont der 29-jährige Kölner.

Das Engagement wissen neben den Zigarrenrauchern, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Unsleben gereist sind, nicht zuletzt auch die Produzenten und Importeure von Zigarren zu schätzen. »Der 'Habanos Day' ist eine wichtige Veranstaltung, die eine direkte Kommunikation mit den Zigarrenliebhabern in Deutschland ermöglicht«, sagt Christoph Puszkar, Marketingchef des deutschen Alleinimporteurs kubanischer Zigarren, der 5th Avenue Products Trading GmbH aus Waldshut-Tiengen. »In diesem Rahmen können interessante Themen behandelt werden. Dies dient nicht zuletzt auch der Kundenbindung.«

Diese Einschätzung teilt auch Bodo Mehrlein vom Bundesverband der Zigarrenindustrie. »Solche Veranstaltungen haben eine sehr hohe Bedeutung«, betont er. Sie seien eine gute Plattform, auf der sich die Aficionados, die Zigarrenliebhaber, austauschen könnten. »Außerdem trägt es sicherlich dazu bei, dass eine stärkere Bindung zwischen Konsumenten und Produkt entsteht.«

Eine Bindung, die aufgrund der zunehmenden Rauchverbote immer wichtiger wird. So ging der Absatz dem Verband zufolge in Deutschland im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf gut etwas mehr als eine Million Zigarren zurück. »Die ersten fünf Monate im Jahr 2009 geben leichten Anlass zu Hoffnung«, sagt Verbandsreferent Mehrlein. Bis Mai sei der Absatz um 0,1 Prozent gestiegen, am Ende könnte es ein »leicht positives Jahr« werden.

Bei den rein kubanischen Zigarren sah die Entwicklung im Jahr 2008 nicht anders aus. Weltweit habe sich ein Absatzminus von drei Prozent ergeben, sagt Puszkar. Der Marktanteil sei hingegen um ein Prozent gestiegen. In Deutschland seien die Absätze »relativ stabil« geblieben, dennoch habe die Einführung der Rauchverbote in der Gastronomie auch bei Habanos zu einer «kleinen Delle» geführt. Allerdings seien die Verluste nicht so deutlich ausgefallen wie bei Zigarren aus anderen Ländern. Deshalb rechnet er für 2009 mit einem leichten Absatz- und Umsatzwachstum.

Nach einer Stunde sieht es im Zigarrenroller-Workshop auf Schloss Unsleben aus, als habe eine Bombe in ein Tabakfeld eingeschlagen. Überall auf den Tischen verteilen sich zerfetzte Tabakblätter. Drei Dutzend Seminarteilnehmer halten jetzt ihre selbst gerollten Zigarren in den Händen. Wie Zigarren sehen allerdings nur die wenigsten aus. Müllers Habano hat die Form einer Kiwi. «Das rauche ich wohl besser nicht», sagt er und belohnt sich mit einer «echten» Cohiba. Vermutlich 2011, beim nächsten «Habanos Day», will er es erneut versuchen.

(habanosday.de)

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