Die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) will bis Anfang April dieses Jahres ihren geplanten Reporterpool für ihre Zeitungen einrichten. Die DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH soll alle vier MDS-Abotitel «Berliner Zeitung», «Frankfurter Rundschau», «Kölner Stadt-Anzeiger» und «Mitteldeutsche Zeitung» mit Inhalten zu den Themen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versorgen, teilte das Verlagshaus am Freitagabend mit. Der Betriebsrat des zu MDS gehörenden Berliner Verlages und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierten die Pläne.
In dem Reporterpool werden etwa 25 Journalisten arbeiten. Sitz der neuen Gesellschaft ist Berlin. Ein zweiter Standort für die Wirtschaftsberichterstattung ist in Frankfurt am Main vorgesehen. Chefredakteurin wird Brigitte Fehrle, bisher stellvertretende Chefredakteurin der «Berliner Zeitung». Ihr Stellvertreter wird Robert von Heusinger, bisher Leiter der Wirtschaftsredaktion der «Frankfurter Rundschau».
Eine Chefredakteurskonferenz der vier Titel soll sicherstellen, dass die neue Gesellschaft den an sie gestellten journalistischen Anforderungen gerecht wird, erklärte der Verlag. Ihr Sprecher ist Uwe Vorkötter, Chefredakteur der «Berliner Zeitung» und bisher schon Beauftragter für die redaktionelle Zusammenarbeit zwischen Berlin und Frankfurt.
Die Stellen werden ab 1. Februar ausgeschrieben. Bewerber aus den Redaktionen der DuMont-Titel werden bei gleicher Qualifikation gegenüber externen Bewerbern bevorzugt. Franz Sommerfeld, im MDS-Vorstand für Redaktionen zuständig, sagte auf ddp-Anfrage, Ziel der Redaktionsgemeinschaft sei es, die journalistischen Kompetenzen der Gruppe zu bündeln und die Berichterstattung qualitativ zu stärken. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant. Möglich sei aber, dass freiwerdende Stellen in den Redaktionen später nicht wieder besetzt werden.
Nach Angaben Sommerfelds werden Redakteure der Gruppe in der neuen Gesellschaft zu ihren bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt. Auch gebe es ein unbefristetes Rückkehrrecht in die bisherigen Redaktionen.
DuMont hatte im März 2009 für rund 150 Millionen Euro den Berliner Verlag mit der «Berliner Zeitung» von der britischen Mecom-Gruppe um Investor David Montgomery übernommen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Verlagshaus Pläne angekündigt, einen Reporterpool einzurichten, über den die verschiedenen Titel verfügen und Texte austauschen können.
Die Betriebsratsvorsitzende des Berliner Verlages, Renate Gensch, sagte, die Poollösung sei keine Stärkung, sondern eine Schwächung der Titel. Es gehe nur um Kostenersparnis. «Wir wollen die journalistische Qualität unserer Zeitung auf dem stark umkämpften Berliner Markt erhalten», sagte sie.
Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken appellierte an die Verlagsleitung, die Pläne nicht umzusetzen. Eine Ausgliederung von Teilen der Redaktion hätte fatale Folgen für die Meinungsvielfalt in Deutschland. Zudem sei mit dem Verlust von redaktionellen Arbeitsplätzen und Aufträgen von Freien zu rechnen. «Dann kriegen wir nur noch grauenhaften journalistischen Einheitsbrei», sagte Konken.
Die Redaktion der «Berliner Zeitung» hatte Mitte Januar dieses Jahres angesichts des Austauschs von Artikeln mit der «FR» erneut vor Qualitätseinbußen gewarnt. Qualität, Kompetenz und Konkurrenzfähigkeit der Hauptstadt-Zeitung seien der «gut eingespielten Vollredaktion» und Autoren zu verdanken, die ihre Fachgebiete ebenso wie die Lesegewohnheiten der Abonnenten kennen würden, hieß es in einem offenen Brief. Die geplanten Pools «widersprächen den Anforderungen der Tageszeitungsarbeit wie auch den Lesererwartungen und dem Redaktionsstatut».
Berlin (ddp)


























