Jakob - Als Missionspilot für humanitäre Organisation: Zwölf Jahre lang hatte Jakob Adolf in Madagaskar gelebt, doch nun kehrte er mitsamt Frau und Tochter nach Deutschland zurück. Eine politische Krise auf dem Inselstaat im Indischen Ozean ihn Ende 2009 war der Grund. Zuvor hatte er auf Madagaskar als Pilot der weltweit humanitär agierenden, christlich motivierten «Mission Aviation Fellowship» (MAF) Deutschland gearbeitet.
Vergrößern Jakob - Als Missionspilot für humanitäre Organisation | Bild: ©

«Die politischen Verhältnisse haben mir die Rückkehr schon erleichtert, dennoch war es schwer, das gesamte Team zurückzulassen», erzählt Adolf, der sich in Deutschland erst wieder einleben und an vieles gewöhnen muss.

Der in Kasachstan geborene 39-Jährige hatte zuvor gut 20 Jahre nahezu ununterbrochen im Ausland gelebt und auch in Mosambik, Uganda, Kenia und den USA gearbeitet. Nun wohnt er in Herten (Kreis Recklinghausen) und hat seinen Arbeitsplatz auf dem Flugplatz Marl-Loemühle.

Doch schon bald fliegt er wieder im ausländischen Luftraum: Ab April dieses Jahres heißen seine Einsatzorte Kenia und Sudan - Krisengebiete, aus denen viele Organisationen ihre Leute abziehen. Allerdings wird Jakob Adolf nicht ununterbrochen dort sein, sondern zwischen Afrika und Deutschland pendeln - sechs Wochen wird er humanitäre Hilfe in Kenia oder Sudan leisten, dann sechs Wochen lang für Öffentlichkeitsarbeit, Spendenakquise und Organisation von Veranstaltungen für MAF in Herten und Marl verantwortlich sein.

Dass dieser Rhythmus zu einer Belastungsprobe für die Familie wird, erwartet er nicht. «Es gibt so viele, die pendeln, auf Montage sind, da klappt es ja auch», sagt er. Seine Frau Martina stehe hinter ihm, «sonst könnte ich den Beruf auch gar nicht ausüben.» Sie lernte ihn kurz vor seinem ersten Auslandseinsatz kennen, mit damals 24 Jahren war er einer der jüngsten Missionspiloten. Nach seiner Ausbildung in den USA flog er erstmals nach Mosambik. Als er zurückkam, heiratete er seine Frau, die ihn fortan stets begleitete, zuletzt nach Madagaskar, wo auch die zehnjährige Tochter des Paares aufwuchs.

«Ich habe dort das MAF-Programm geleitet und mit 23 nationalen Angestellten und vier Piloten zusammengearbeitet», berichtet Jakob Adolf. Vor Ort transportierte er Menschen und Güter in Regionen, die auf anderem Wege nicht zu erreichen waren. Adolf flog für verschiedene Partnerorganisationen - für christliche Verbände, NGOs oder die Regierung. «Meine Lieblingsflüge waren eine Zeitlang die, auf denen ich Wale zählen musste.»

Zumeist aber ging es um humanitäre Hilfe, wofür er mit seinen Mitarbeitern beispielsweise mitten im Busch eine Landepiste bauen musste, damit die Hilfe die Menschen auch tatsächlich erreichte. «In Kenia fliegt MAF Grundnahrungsmittel, in Papua Neuguinea fliegen wir die Ernte der Bauern zum Markt, damit sie diese verkaufen können, in Madagaskar habe ich Abiturarbeiten zur Schule geflogen, gewartet, bis diese geschrieben waren und sie wieder zurückgebracht», erzählt Adolf.

Jakob Adolf sieht seine Tätigkeit als einen Beruf, der den Horizont erweitert und den Blick auf das Wesentliche lenkt. «Ich mache das, weil das mein Auftrag ist», konstatiert er. Es sei Berufung. «Ich mache das nicht, weil ich den Kick brauche.»

14 Deutsche seien weltweit als Missionspilot unterwegs, erklärt Claudia Hintzen, Office Manager von MAF Deutschland mit Sitz im niedersächsischen Edemissen. «Insgesamt sind es etwa 240 internationale Piloten, wir haben etwa 140 Maschinen und sind in 30 Ländern unterwegs», betont Adolf.

Seit 1946 gibt es nun MAF international. Und die deutsche Schwester werde nächstes Jahr 20, so Hintzen. Neue Aufgaben gibt es immer - erst jüngst war die Organisation mit der Spendensammlung für Haiti beschäftigt.

Herten (ddp-nrw)