Jelinski sagt den Gastgebern, dass rund 32 000 Menschen mit ihrer Unterschrift ihren Unwillen gegen das von Dong geplante Steinkohlekraftwerk in der Urlaubsregion bekundet haben. Die Parlamentarier sind sichtlich erstaunt. Dass das Zwei-Milliarden-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern derart in der Kritik stehe, sei in der dänischen Öffentlichkeit kaum bekannt, gesteht Ida Auken, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Linken (SF). Ihr Kollege Ole Haekkerup von den Sozialdemokraten findet die Pläne nicht gut für das Image von Dong Energy und auch nicht gut für Dänemark. Immerhin halte der Staat 73 Prozent Anteile am Konzern, sagt er.
Haekkerup verspricht eine Anfrage beim Finanzminister. «Wir werden nachfragen, wie dieses Kraftwerk in die neue Umweltstrategie von Dong passt und warum unser Unternehmen in Deutschland offenbar mit anderen technischen Standards bauen will als in Dänemark üblich.»
Während die Vertreter von Bürgerinitiativen und Umweltgruppen aus Mecklenburg-Vorpommern mit der Opposition debattieren, führen Aktivisten eine fünf Meter große Saurierfigur über den Platz vor dem Parlamentsgebäude. Der «Kohlosaurus» stehe für die steinzeitliche Firmenstrategie von Dong Energy in Deutschland, erklärt Georg Michel von der Bürgerinitiative «Zukunft Lubminer Heide».
«Mit unserer Aktion wollen wir die Bürger in der Stadt, in der in wenigen Wochen der Weltklimagipfel stattfindet, auf die klimaschädigenden Pläne von Dong Energy aufmerksam machen», sagt Michel, während 2000 schwarze Luftballons wie eine dunkle Wolke in den Kopenhagener Himmel aufsteigen. Derweil übergibt eine Abordnung im Finanzministerium eine Petition an Ministeriumssprecher Soren Gregersen. Der sagt, dass man nicht in die Konzernstrategie eingreifen wolle. Auch das Interesse der Passanten hält sich in Grenzen. Sie könne das Ganze hier gar nicht verstehen, sagt eine Frau. Dong sei doch eigentlich ein recht fortschrittlicher und umweltbewusster Konzern.
Darauf hat am Morgen auch Dong-Vize-Präsident Thomas Dalsgaard verwiesen, der er sich nach fast zweijährigen Verhandlungen zum ersten Mal mit den Kraftwerksgegnern getroffen hat. Bis 2040 wolle Dong seinen weltweiten Nutzungsanteil regenerativer Energien von derzeit 15 auf 85 Prozent erhöhen. Auf den Bau von Kohlekraftwerken in Emden und in Schottland habe man verzichtet, zwei dänische Anlagen würden auf Biomasse umgerüstet. Nur am Vorhaben des Steinkohlekraftwerks Lubmin will Dalsgaard nicht rütteln. Voraussichtlich Mitte 2010 werde die Bauentscheidung fallen.
Nach Ansicht des Anwalts der Bürgerinitiativen, Peter Kremer, passen die Lubminer Pläne nicht in die neue Konzernstrategie von Dong. Während der Unterredung warnt er die dänischen Manager vor den Risiken. Für den Fall, dass der Konzern an seinem Projekt festhalte, werde man vor dem Verwaltungsgericht klagen. In einem Prozess werde es dem Investor kaum gelingen, ein öffentliches Interesse für das Kraftwerk nachzuweisen. Umgekehrt sei offensichtlich, dass ein Kohlekraftwerk in Lubmin gegen eine Vielzahl umwelt- und baurechtlicher Grundsätze verstoße.
Kremer sagt, er habe den Eindruck, dass die Konzernspitze zu wenig wisse, was in Deutschland auf Dong Energy zukommen könne. Womöglich habe das Treffen dazu beigetragen, dass man in der Kopenhagener Zentrale die Pläne noch einmal gründlich prüft.
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