Erleben bei Shan Rahinkhan - Casa Coiffeur Cafe
13.10.2011 - 11:40:58 | ad-hoc-news.de
Friseure haben für Bernd Philipp nie eine große Rolle gespielt. Mit 15 hat er einmal einen Friseur aufgesucht und um einen Haarschnitt „wie Caesar“ gebeten. Aber der Friseurmeister war etwas ratlos. Jahrzehnte später wurde die Frisur von der Journalistin Gabriele Krone-Schmalz und von Comedian Ingo Appelt kopiert.
Das letzte Mal war er vor 15 Jahren beim Friseur. Der Friseur wollte damals über Autos reden, wovon Bernd P. nach eigenen Angaben keine Ahnung hatte oder habe. Außerdem kamen nach getaner Arbeit stets Kommentare, wie er sähe aus wie sein jüngerer Bruder, was genervt habe, da er keinen Bruder hat. Fazit: Es habe genug Anlässe gegeben, einen elektrischen Haarschneider zu kaufen.
Inzwischen stelle sich die Frage nach der richtigen Frisur nicht mehr. Umso erfreulicher für ihn, mal einen Spaziergang mit einem Vertreter dieser Zunft machen zu können.
Nicht mit irgendeinem, sondern mit Star-Friseur Shan Rahimkhan, dem Stern am Schnibbel-Himmel. Er besitzt zwei Geschäfte in Charlottenburg und eines am Gendarmenmarkt; ein Ensemble aus Salon, Boutique, Café und Treffpunkt. Er sei der „In-Friseur“ namhafter Menschen, die „hin und wieder einfach mal wieder zu Shan müssen“. Dann ginge es ihnen besser – nicht nur wegen der neuen Frisur, sondern weil der Meister ein Gute-Laune-Bär sei. Oder anders: Shan sei nicht nur für den Kopf da, sondern massiere ganz nebenbei auch die Seele und das ohne Aufschlag.
Sie sind am Karl-August-Platz in Charlottenburg; an der Trinitatskirche.
Der „strenggläubige Atheist“ (Shan) liebe diesen Kiez, da er an jeder Ecke einen Bekannten treffen und beim Gang über den Wochenmarkt für eine kurze Zeit seinen Terminkalender vergessen könne.
Shan sei es ein Rätsel, wie man so früh morgens schon Rostbratwurst essen könne. Dies kommentiert Philipp mit dem Einwurf, dass manche um diese Uhrzeit schon zwei Bier intus hätten. Das liege sicherlich am Nachdurst, so Shan, aber kein Mensch äße abends so viele Rostbratwürste, dass er morgens gleich wieder welche bräuchte; was stimmt.
Shan Rahimkhan ist Perser; österreichischer Perser genauer gesagt. Seit zehn Jahren ein Berliner Perser aus Österreich, um ganz genau zu sein. Er ist österreichischer Staatsbürger, aber genauer sei er ein „Wiener Perser in Berlin“.
Möglicherweise, ist seine Vita nicht auf Anhieb nachzuvollziehen:
In Teheran geboren, entschließen sich seine Eltern, ihn nach Wien zu einem Onkel zu schicken. Damals ist er 13 Jahre alt. Die ersten Jahre seiner Kindheit sei er wohlbehütet aufgewachsen; es sei ihnen gut gegangen. Wie in jeder besser gestellten persischen Familie üblich, sei es auch der Herzenswunsch seiner Eltern gewesen, dass zumindest einer der Söhne Arzt werde. Die Familie war schlecht angesehen, wenn man keinen Arzt vorzuweisen hatte. Aber durch den Krieg sei alles anders gekommen. Statt Arzt in Teheran ist er Friseur in Wien geworden. Somit auch im Dienst am Menschen, nur eben ganz anders.
Schon während der Lehre habe man sein Talent zum Haarstyling bemerkt, so dass er bald in führenden Salons wie „Jacques Dessange“ im 1. Wiener Bezirk arbeitete.
Shan Rahimkhan ist auch an den Hochburgen der Haarkunst in Beverly Hills, Paris und London tätig gewesen. Als er vor gut zehn Jahren nach Berlin kam, sei er über den Kurfürstendamm gelaufen und habe Passanten gefragt, wer der beste Friseur in der Stadt sei. Alle hätten prompt Udo Walz genannt, der damals noch seine Filiale am Boulevard (neben Kempinski) hatte. Shan habe sich vorgestellt und zwei Jahre für ihn gearbeitet.
Er habe Udo Walz viel zu verdanken, und habe viel bei ihm gelernt, erklärt Shan. Sie treffen sich hin und wieder, um etwas zu trinken.
Von einem Konkurrenzkampf zwischen den beiden wolle Shan nichts wissen. Ebenso wenig von einer sog. Wachablösung als Berlins Nummer eins unter den Top-Friseuren. Das sei alles Mediengeschnatter. Jeder von beiden mache „sein Eigenes, jeweils Anderes“. Es sei albern, wenn Zeitungen von einem „Zickenkrieg“ sprächen.
Den Status „Promi-Friseur“ habe er, seitdem Jodie Foster ich ans Haar ließ und die Presse darüber berichtete. Inzwischen hätten auch Eva Padberg, Nina Hoss, Katja Flint, Nadja Uhl und Franziska van Almsick den Scherenkünstler ins Herz geschlossen.
Vor zwei Jahren heiratete er Claudia Borrmann, die frühere PR-Managerin vom Palace und Stieftochter des Europa-Center-Erbauers Karlheinz Pepper. Er habe ihr einen Antrag im klassischen Stil gemacht: nach einem Opernbesuch in der Arena di Verona habe er den Verlobungsring aus der Hosentasche geholt und um ihre Hand angehalten.
Seinen eigenen Stil beschreibt er mit lässige Eleganz, Bewegung und Wandel. Sein Team sei hochqualifiziert und werde durch regelmäßige Seminare in exzellentem Service geschult. Sie schenken sich das woanders übliche VIP-Getue; es werde jeder Kunde gleich behandelt. Viele Künstler und Prominente würden es regelrecht genießen, dass man mit ihnen normal umgeht.
Inzwischen habe ihn die Stadt im Griff. Berlin sei ein Geschenk für ihn. Hier sei alles in Bewegung und es herrsche eine ständige Herausforderung. Berlin sei für ihn wie ein Speer, mit dem man einen Stier sticht, um ihn wild zu machen. Da die Stadt immer in Entwicklung sei, hoffe er, dass sie sich nicht schneller entwickelt als er.
Nochmal zu dem Wiener mit der Neigung zur Morbidität. Auf seinem Grabstein solle möglichst etwas Positives stehen, so Shan, sinngemäß: „Er hat geliebt und er wurde geliebt“. Er glaube, jeder Mensch will geliebt sein. Wer das Gegenteil behauptete, sei ein Lügner.
Nachdem sie durch viele Seitenstraßen zum Markt zurückgeschlendert sind, und es mittlerweile Mittag ist, lädt Philipp Shan zur Rostbratwurst ein.
de | kommentar | 22505832 |
