Essen (ddp-nrw). Josephine arbeitet seit März 2007 am Uniklinikum Essen. Einen regulären Job als Angestellte des öffentlichen Dienstes hat die Pförtnerin, die aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ihren richtigen Namen nicht nennen will, dort allerdings nicht.
Die 45-Jährige gehört zu den rund 300 der insgesamt 3000 Techniker, Transportarbeiter, Reinigungs-, Labor-, Röntgen- und Verwaltungsbeschäftigten im nichtärztlichen Bereich, die nach Angaben der Klinik als Leiharbeitnehmer im Essener Klinikum arbeiten.
Die Angestellten der 2005 eigens vom Klinikum gegründeten Servicegesellschaft verrichten dieselbe Arbeit zu schlechteren Bedingungen wie ihre Kollegen mit Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes. Ein Sprecher des NRW-Wissenschaftsministeriums sagt, in die Tarifautonomie einer rechtlich selbstständigen Einrichtung könne sein Haus sich nicht einmischen. Weitere Fälle von Unikliniken mit eigenen Leiharbeitsfirmen seien derzeit nicht bekannt, sagt der Sprecher.
Josephine bekommt etwa 30 Prozent weniger Nettolohn als ihre Pförtnerkollegen, die noch einen unbefristeten Vertrag des öffentlichen Dienstes haben. «Ich fühle mich als Arbeitnehmerin zweiter Klasse», sagt die gelernte Verkäuferin. Mit einem Stundenlohn von 7,51 Euro macht sie pro Monat 30 Überstunden zusätzlich zum üblichen 160-Stunden-Pensum, um über die Runden zu kommen. Sonst könne sie auch gleich von Sozialhilfe leben, sagt sie.
Mehr noch als die finanzielle Ungerechtigkeit entgeistert sie jedoch der herablassende Umgang mancher regulär beschäftigten Kollegen sowie die fehlende gegenseitige Unterstützung unter den Leiharbeitnehmern. «Sie haben nur Rechte, wir nur Pflichten. Wir sind für manche Uni-Angestellte nur Sklaven», sagt sie zur Stimmung unter den 26 Pförtnern, von denen die Hälfte das Privileg eines alten Vertrags hat. Ihre Freizeit stehe immer zur Disposition, demgegenüber könnten sich viele Uniklinik-Beschäftigte leisten, bestimmte Aufgaben abzulehnen.
Das Klinikum Essen machte laut Personalrat auch bisherigen Angestellten mit befristeten Verträgen das «Angebot», nach Vertragsablauf ihre Tätigkeit als Leiharbeitnehmer weiterauszuüben. Wie viele es annahmen, ist unklar. «2007 und 2008 gab es auf jeden Fall viele Abwanderungen», berichtet der stellvertretende Personalratsvorsitzende Stephan Gastmeier. Seit 2007 seien Neueinstellungen, die nicht Ärzte oder Pfleger betrafen, nur noch über die Servicegesellschaft abgedeckt worden.
«Der Arbeitgeber hat uns klar gemacht, dass es dabei um das Prinzip geht, den Personalrat aus allem herauszuhalten», sagt Gastmeier. Denn der Personalrat könne durch die Servicegesellschaft für die Leiharbeitnehmer offiziell nichts tun. Er könne nur dann Einfluss nehmen, wenn auch Interessen von Uniklinik-Beschäftigten berührt seien, etwa bei Dienstplänen.
«Eine eigene Interessenvertretung in der Servicegesellschaft, mit der wir arbeiten könnten, gibt es noch nicht», bedauert er. Den Leiharbeitnehmern fehle der Mut, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren», erklärt Josephine das Verhalten ihrer Kollegen.
«Die Landesregierung sollte nicht vergessen, dass mit der Leiharbeit im öffentlichen Dienst immer weniger Rentenbeiträge in die Zusatzversorgungskassen eingezahlt werden. Irgendwann gibt es nichts mehr zum Ausbezahlen», sagt Gastmeier. Das Düsseldorfer Finanzministerium kündigte zwar an, sich bald mit den Gewerkschaften in der Angelegenheit treffen zu wollen, lehnte aber weitere Kommentare ab.
ddp/kvg/kos




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