München (ddp). Im Schmiergeldskandal bei Siemens soll als erster Ex-Manager aus dem engeren Führungskreis nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe) in den kommenden Monaten Michael Kutschenreuter vor Gericht kommen. Der frühere Finanzvorstand der Konzernsparte Telekommunikation (Com) habe schon frühzeitig gestanden, in das Schmiergeldsystem bei Siemens eingebunden gewesen zu sein. Bei seinen Vernehmungen habe der Com-Manager ehemalige Zentralvorstände wie den früheren Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger schwer belastet. Das könne vor Gericht zur Sprache kommen. Neubürgers Anwalt äußerte sich dazu nicht.

Kutschenreuter solle zusammen mit zwei weiteren ehemaligen Com-Angestellten angeklagt werden. Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen diese drei Beschuldigten sind inzwischen weitgehend abgeschlossen. Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte der Zeitung, man konzentriere sich derzeit «unter anderem auf diese drei Personen». Weitere Angaben zu diesen Beschuldigten machte Winkler nicht. Die Anwälte des ehemaligen Com-Finanzvorstands äußerten sich nicht zu den Vorwürfen und zum Stand der Dinge.

Insgesamt sind nach Angaben von Siemens allein in den Jahren 2000 bis 2006 rund 1,4 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen. Bei Siemens war quer durch den größten Teil der damaligen zehn Unternehmensbereiche Schmiergeld gezahlt worden.

ddp/arh