Deswegen lebt sie in einer Demenz-Wohngemeinschaft mit sieben weiteren Bewohnern in Mainz.
Immer mehr Menschen entscheiden sich im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit für alternative Wohnformen. «Sie wollen am alltäglichen Leben teilnehmen und ihren Tag selbst strukturieren», sagt die Vorsitzende des Mainzer Vereins «Activ für Senioren», Katja Wentz. Der Verein hat die Mainzer «Demenz-WG» 2005 gegründet. Die Bewohner können dort ihren Alltag so weit es geht selbst gestalten. Für die Rundum-Betreuung sorgt ein Pflegedienst, den die Bewohner selbst wählen. Mittlerweile hat der Verein noch zwei weitere Wohngemeinschaften ins Leben gerufen - und die Nachfrage steigt.
Ein Projekt mit Modellcharakter, findet Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Mit einem neuen Gesetz, dessen Entwurf am Mittwoch (9. November) in den Landtag eingebracht werden soll, will die rheinland-pfälzische Landesregierung diese neuen Wohnformen unterstützen.
«Das alte Heimgesetz des Bundes ist eine ewige Bremse für innovative Wohnformen», sagt Dreyer. Deshalb soll es in Rheinland-Pfalz durch das neue «Wohnformen- und Teilhabegesetz» ersetzt werden, um neue Wohnformen zu fördern und die Selbstbestimmung von älteren, behinderten und pflegebedürftigen Menschen zu stärken. Im Jahr 2010 soll das Gesetz in Kraft treten.
«Mit dem Entwurf haben wir versucht, eine Balance zwischen Sicherheit und Schutz der Verbraucher auf der einen und Freiheit und Teilhabemöglichkeit auf der anderen Seite zu finden», sagt Dreyer. So seien etwa die Prüfmodalitäten neu geregelt worden. «Heime, in denen Bewohner alle Leistungen wie Wohnen, Pflege und Verpflegung erhalten, sollen regelmäßig einmal im Jahr unangemeldet überprüft werden», erläutert die Ministerin. In Einrichtungen wie der Mainzer «Demenz-WG», in denen Bewohner eine höhere Selbstbestimmung hätten, sollten Überprüfungen anlassbezogen stattfinden - beispielsweise bei Beschwerden.
Außerdem sieht der neue Entwurf nach Angaben von Dreyer vor, dass eine Prüfbehörde Qualitätsberichte der Einrichtungen erstellt. Diese würden dann ab 2011 in einem Internetportal veröffentlicht und seien für Verbraucher einsehbar.
Daneben will die Landesregierung eine Informations- und Beschwerde-Hotline als Weiterentwicklung des Beschwerdetelefons der Verbraucherzentrale einführen. «Es ist wichtig, ein System aufzubauen, in dem Verbraucher, Verwandte und Nachbarn Beschwerde über eine Pflegeeinrichtung einlegen können», betont die Ministerin. Ein Fall wie das vor rund zwei Jahren wegen gravierender Mängel in die Kritik geratene Mainzer Seniorenheim «Casa Reha» solle es in Zukunft nicht mehr geben.
Das neue Heimgesetz bewertet Wentz vom Mainzer Verein «Activ für Senioren» als «Riesenschritt in die richtige Richtung»: «Pflegebedürftige und Ältere wollen heutzutage anders leben, denn sie möchten ihr Leben so weit wie möglich selbst bestimmen - diesem Trend wird Gesetz gerecht», sagt sie.
Als schwierig schätzt Wentz jedoch die geplante Qualitätskontrolle ein. «Prinzipiell ist eine öffentliche Kontrolle gut, denn es gibt einige schwarze Schafe unter den Anbietern», betont sie. Jedoch finde sie es schwierig, Maßstäbe zu finden, an denen die Qualität eines Betriebs gemessen werden könne. «Verbraucher müssen sich selbst ein Bild von der Einrichtung machen», sagt Wentz. In den Mainzer WGs wurde sogar eine doppelte Kontrolle eingeführt: «Der Medizinische Dienst der Krankenkassen überprüft die Wohngemeinschaften, zudem führen wir eigene Kontrollen durch Vereinsmitglieder durch.»
Mainz (ddp-rps)


























