Corona, Urlaub

Großbritannien lockert Quarantäne-Pflicht und führt Ampelsystem ein

27.06.2020 - 14:13:06

Küstenregionen erwarten Besucheransturm +++31 Milliarden Euro für die Bekämpfung von Corona gefordert +++Türkei pocht auf Aufhebung der Reisewarnung

Großbritannien will die 2-wöchige Quarantänepflicht für Einreisende lockern. Zuvor gab es viele Proteste, vor allem aus der Tourismusbranche. Die Pflicht gelte jedoch auch für Briten, die sich zuvor im Ausland aufhielten. Nun will die Regierung ein Ampel-System einführen, bei dem andere Länder einen grünen, gelben oder roten Status zugewiesen bekommen. Einreisende aus Ländern mit rotem Status müssen sich demnach 2 Wochen in Quarantäne begeben. Andere aus grünen Zonen dürfen direkt einreisen. Deutschland dürfte den grünen Status erhalten, da das Infektionsgeschehen relativ niedrig ist.

Küstenregionen erwarten Besucheransturm

In mehreren Bundesländern haben die Sommerferien begonnen. Gerade die Küstenregionen bereiten sich auf einen Ansturm deutscher Touristen vor. Auch der ADAC erwartet ein großes Stau-Aufkommen am Wochenende. Anders als in den sonstigen Jahren, werden dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie mehr Menschen ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. Viele Ferienhäuser und Wohnungen an Nord- und Ostsee seien bereits längerfristig ausgebucht. Um sich vor überfüllten Strandabschnitten zu schützen und dadurch die Ansteckungsgefahr zu senken, setzen einige Orte auf sogenannte „Strand-Ampeln“, die anzeigen sollen, wann ein Strand als voll gilt. Gemessen werden soll die Anzahl der Besucher durch Sensoren die sich an den Eingängen zu den Stränden befinden. Zusätzlich können Urlauber sich per App informieren wie voll die Strände sind. Das Einsetzen der Technik sehen viele jedoch auch skeptisch, da nicht jeder Besucher über ein Smartphone verfügt und Strände auch ohne den offiziellen Zugängen betretbar sind.

WHO fordert 31 Milliarden Euro für die Bekämpfung von Corona

Die WHO rechnet mit einem Budgetaufkommen von rund 31 Milliarden Euro, um die Kosten für den Kampf gegen die Corona-Pandemie zu finanzieren. Zu der Entwicklung von Impfstoffen kommen auch Kosten für Medikamente, Corona-Tests und Warnsysteme. Um das Virus großflächig bekämpfen zu können, müssten die Kosten größtenteils von reicheren Ländern gedeckt werden, um auch ärmeren Staaten genügend Impfstoffe bereitstellen zu können, sobald dieser entwickelt wurde.

Türkei pocht auf Aufhebung der Reisewarnung

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavu?o?lu will kommende Woche nach Deutschland fliegen um den Druck für die Aufhebung der Reisewarnung in die Türkei zu erhöhen. Das Auswärtige Amt hält jedoch weiterhin an der Reisewarnung fest, da das Robert Koch-Institut die Türkei weiterhin als Risikogebiet deklariert. Außerdem werden mit COVID-19 infizierte Menschen in türkischen Krankenhäusern mit Hydroxychloroquin behandelt. Dieses Medikament ist hierzulande nicht zugelassen und wurde als gefährlich eingestuft. Um eine Reisewarnung aufzuheben, müsse laut dem Auswärtigen Amt das Mittel ebenso in der Türkei verboten werden oder zumindest Zwangsbehandlungen mit dem Medikament eingestellt werden.

EU-Arzneimittelbehörde spricht sich für den Einsatz von Remdesivir aus

Das US-amerikanische Medikament Remdesivir wurde von der EU-Arzneimittelbehörde als Medikament zur Behandlung von COVID-19 empfohlen. Das eigentlich für an Ebola Erkrankte Patienten entwickelte Medikament soll nächste Woche von der EU-Kommission zur Freigabe zugelassen werden. In Japan und den USA wird das Mittel bereits eingesetzt. Laut einer Studie soll es die Genesungszeit bei Corona-Patienten im Schnitt um 4 Tage verringern. Allerdings helfe das Medikament weniger bei Patienten, bei denen die Lunge schon so sehr angegriffen ist, dass sie bereits künstlich beatmet werden müssen.

Einreise für US-Bürger in die EU soll verboten bleiben

Die USA könnten auch über den 1. Juli hinaus vom Einreiseverbot in die EU betroffen sein. In Brüssel werde momentan darüber beraten, für welche Länder das Verbot aufgehoben werden soll. Dass China, Kuba und Vietnam unter den Ländern sind, die USA aber nicht, könnte US-Präsidenten Trump verärgern. In der amerikanischen Presse wird jedoch diese mögliche Entscheidung auch als sein eigenes Versagen gedeutet, die Pandemie nicht unter Kontrolle zu haben und die Grenzen auch für Europäer noch nicht geöffnet zu haben, obwohl er dies bereits in Erwägung zog. Denn ob Bürger aus Drittländern in die EU einreisen dürfen, hängt auch davon ab, ob diese Länder im Gegenzug auch die Grenzen zur EU öffnen. Zudem ist die USA das am stärksten vom Corona-Virus betroffene Land der Welt, was zusätzlich gegen eine Aufhebung des Einreiseverbots spricht.

Klöckner plant neue Konzepte für Fleischindustrie

Seit den jüngsten Corona-Ausbrüchen in Fleischbetrieben, die auf mangelhafte Wohn- und Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind, ist auch die Frage nach der Haltung der Nutztiere im Fokus der Politik. Landwirtschaftsministerin Klöckner will daher zusammen mit Vertretern aus der Industrie, Tierschützern und Veterinärmedizinern neue Konzepte erarbeiten um das Tierwohl zu steigern. Außerdem sei Fleisch zu billig, was niedrige Löhne und eine Missachtung von artgerechter Haltung begünstigt.

Infektionsrate in den USA steigt stark an

In den USA hat die Zahl der wegen einer COVID-19 Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesenen Personen ein Rekordhoch erreicht. Besonders in Texas, Arizona und Florida steigen die Fälle von Infektionen stark an. Der texanische Gouverneur Greg Abbott bat alle Bürger des Bundesstaates darum, nicht die Wohnung zu verlassen. Im Bundesstaat Washington ist das Tragen von Masken bereits in der Öffentlichkeit Pflicht. Trotzdem ist Präsident Trump weiterhin davon überzeugt, dass der Virus auf dem Rückzug und die Lage unter Kontrolle sei. Während seinen Wahlkampf-Veranstaltungen sprach er von der „Kung Flu“ und richtet damit sich damit wieder gegen China, als Sündenbock und Ursache für die Pandemie.

Laschet verhängt Lockdown für Kreis Gütersloh

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat im gesamten Kreis Gütersloh einen Lockdown verhängt. Es dürfen nur noch maximal 2 Personen aus verschiedenen Haushalten treffen. Die bereits wieder geöffneten Bars, Restaurants, Schwimmbäder oder Museen müssen wieder schließen. Laschet reagiert damit auf den jüngsten Ausbruch im Tonnies-Schlachtbetrieb bei Rheda-Wiedenbrück, bei dem mittlerweile mehr als 1500 Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt sind. Die Landesregierung schickte zudem Hundertschaften der Polizei in die Region um die verhängten Maßnahmen im Notfall auch durch Zwang durchzusetzen. Alle Mitarbeiter von Tönnies müssen sich zusätzlich in häusliche Quarantäne begeben.

Die rund 7000 Mitarbeiter des Tönnies Fleischbetriebs in Rheda-Wiedenbrück wurden von den Behörden aufgefordert, sich bis zum 2. Juli in Quarantäne zu begeben. Einiger aus dem Ausland stammende Arbeiter wollen nun in ihre Heimatländer zurückreisen. Ladchet bat dagegen darum, von einer Abreise abzusehen, da dies dazu führen könnte, die Infektion noch weiter zu verbreiten. 1331 Mitarbeiter wurden indessen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert nun, dass der Konzern auch für die Schäden die für die Region entstanden sind, haften soll. Zudem sollen die Kontrollen in den Schlachtbetrieben nun verstärkt werden. Schwerpunktrazzien des Zolls werden dazu bereits durchgeführt. Heil appelliert zusätzlich an die Koalition, sich nicht weiterhin von der Fleischlobby beeinflussen zu lassen. „Es ist insgesamt etwas in dieser Branche etwas umzukrempeln und aufzuräumen“, so der Arbeitsminister.

Berlin schafft Kontaktbeschränkungen ab

In Berlin werden nach Brandenburg und Thüringen die Kontaktbeschränkungen aufgehoben. Demnach dürfen sich nun wieder mehr als 5 Personen und auch Personen aus mehr als 2 Haushalten treffen. Zudem dürfen sich auch wieder mehr Menschen innerhalb von Geschäften aufhalten. Jedoch verschärfte der Senat die Strafen für das Nichttragen eines Mund- und Nasenschutzes in öffentlichen Verkehrsmitteln. Demnach sollen Fahrgäste die sich nicht an die Maskenpflicht halten mit einem Bußgeld von 50 bis 500 Euro bestraft werden. Wie lange diese Regelung gelten soll ist noch ungewiss.

Reproduktionswert steigt auf 2,88

Das Robert Koch-Institut vermeldete einen Anstieg des Reproduktionswertes auf 2,88. Dieser lag in vorherigen Wochen bereits unter 1. Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk im Kreis Gütersloh und in einem Wohnblock in Berlin-Neukölln haben durch einen regionalen Anstieg an Neuinfektionen zu einer Erhöhung des Wertes geführt.  Eine Aussage über das Infektionsverhalten für die gesamte Bundesrepublik könnte daher über den R-Wert nicht getroffen werden, da es sich lediglich um einen Parameter handelt. Allerdings schätzt das RKI die Gefahr durch das Virus nach wie vor als "hoch" ein.

Bundesbank rechnet mit weiterem Wirtschaftseinbruch

Die Bundesbank rechnet am Ende des zweiten Jahresquartals mit noch einem größeren Wirtschaftseinbruch als im ersten Quartal. Demnach könnte die Wirtschaftsleistung um ein weiteres Zehntel schrumpfen. Schon im ersten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent, was den größten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 darstellte. Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket würde zwar die Konjunktur leicht ankurbeln, einen wirklichen Aufschwung erwartet die Bundesbank aber erst Mitte des kommenden Jahres.

 

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