Thema des Tages, Börsen/Aktien

Quartalsbilanzen von Unternehmen, zahlreiche Konjunkturdaten sowie wichtige politische Ereignisse dĂŒrften in der neuen Börsenwoche um die Aufmerksamkeit der Anleger wetteifern.

12.01.2024 - 16:28:06

WOCHENAUSBLICK: Wahlen und Wirtschaftszahlen weisen Dax die Richtung

Nach dem ruhigen Handel zwischen den Jahren und einem auch im neuen Jahr bislang richtungslosen Auf und Ab im Dax DE0008469008 wird es wieder spannender. Die Blicke richten sich auf die Wahlen in Taiwan am Wochenende, deren Ausgang die Spannungen zwischen China und den USA verschĂ€rften könnten. Zudem bleibt die Lage im Roten Meer im Fokus, nachdem die USA und Großbritannien, als Reaktion auf Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf Schiffe, deren Stellungen attackiert hatten.

Die Furcht vor einem FlĂ€chenbrand in Nahost wird dadurch grĂ¶ĂŸer. Erste Unternehmen in Europa bekommen bereits die Folgen zu spĂŒren, da Reedereien ihre Schiffe mit wichtigen Vorprodukten teils um Afrika herum leiten, was Lieferzeiten verlĂ€ngert. Auch die Ölpreise zogen vor dem Wochenende wieder an.

In den USA ist derweil die Berichtssaison angelaufen. Erste Zahlen aus dem Finanzsektor wurden bereits veröffentlicht. Am Dienstag stehen mit Goldman Sachs US38141G1040 und Morgan Stanley US6174464486 weitere Banken mit ihren GeschÀftsberichten zum letzten Quartal des vergangenen Jahres im Blick.

"Gerade die US-Berichtssaison fĂŒr das Schlussquartal 2023 dĂŒrfte ein bestimmendes Thema fĂŒr die MĂ€rkte sein, denn die Erwartungshaltung der Investoren ist hoch", sagt Marktexperte Andreas Lipkow. In den Fokus dĂŒrften insbesondere die Jahresausblicke und EinschĂ€tzungen der Managements zur Wirtschaftslage rĂŒcken.

Analyst Sven Streibel von der DZ Bank begrĂŒndet das erwartende, starke Interesse an der anlaufenden Berichtssaison mit Rezessionssorgen. Damit stĂŒnden mögliche negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne wieder im Raum, auch wenn es dazu weder 2022 noch 2023 gekommen sei. Er selbst sieht fĂŒr die Quartalsergebnisse der US-Unternehmen angesichts des herrschenden Konjunkturpessimismus? "positives Überraschungspotenzial und von dieser Seite her UnterstĂŒtzung fĂŒr die Aktienkurse".

Hierzulande beginnt die Berichtssaison erst etwas spĂ€ter so richtig, und zwar mit den Zahlen des Software-Konzerns SAP DE0007164600, die am 24. Januar erwartet werden. "Die wichtigen, kurstreibenden Player, die die Jahresendrally im Dax grĂ¶ĂŸtenteils ausgemacht haben, berichten voraussichtlich ab Mitte Februar und Mitte/Ende MĂ€rz", sagt Streibel und spricht von der Industrie- und die Autobranche. "Diese sind wĂ€hrend der Rally besser als der Dax gelaufen und mĂŒssen nun mit robusten Ergebnissen und gesunden Jahresausblicken die Kurs-Vorschusslorbeeren der letzten Monate rechtfertigen."

Der DZ-Bank-Experte bleibt aber auch hier zuversichtlich, "denn die Jahresendrally startete von einem extrem niedrigen Bewertungsniveau und in diesen Sektoren fanden schon deutliche Revisionen von AnalystenschĂ€tzungen bezĂŒglich der Gewinn- und Kursentwicklung statt."

Unter den kleineren Unternehmen hierzulande könnte bereits der Medizintechnikkonzern DrĂ€gerwerk DE0005550636 im Wochenverlauf vorlĂ€ufige Zahlen vorlegen. Die europĂ€ischen Essenlieferdienste Just Eat Takeaway NL0012015705 und Deliveroo GB00BNC5T391, deren Bilanzen die von Delivery Hero DE000A2E4K43 mitbewegen dĂŒrften, stehen am Mittwoch beziehungsweise Freitag mit Zahlen im Blick.

Doch nicht nur, was die Unternehmen betrifft, kommen in der neuen Woche die großen Nachrichten vor allem aus dem Ausland. Thema Nummer eins ist nach den Worten von Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners die Wahl in Taiwan am Samstag. "Und hier spielt nicht nur das Ergebnis an sich eine Rolle, sondern auch die Reaktion aus China", sagt er.

Der Wahlausgang, so sieht es auch DZ-Bank-Analystin Dorothea Huttanus, könnte weltweit richtungweisend sein, da es das ohnehin angespannte VerhĂ€ltnis zwischen den SupermĂ€chten USA und China tangiere. Peking beanspruche das Territorium des demokratischen Taiwans bereits seit etlichen Jahren fĂŒr sich, aber auch die Vereinigten Staaten hĂ€tten dort geostrategische Interessen. Selbst eine militĂ€rische Eskalation unter Beteiligung der USA könne daher nicht mehr gĂ€nzlich ausgeschlossen werden, schreibt sie. "Da Taiwan weltweit fĂŒhrend bei der Produktion und Innovation von Mikrochips ist, könnte allein die Angst vor einer Eskalation in der Formosastraße die MĂ€rkte in Unruhe versetzen."

Abgesehen von Wahlen, die im November auch in den USA anstehen und daher fĂŒr die Börsen erst spĂ€ter im Jahr an Wichtigkeit gewinnen dĂŒrften, geht der Blick in der neuen Woche noch auf Wirtschaftsdaten aus Deutschland, den Vereinigten Staaten und China.

Hierzulande stehen am Montag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 und am Dienstag die vom ZEW veröffentlichten Konjunkturerwartungen fĂŒr Januar an. In China und den USA werden am Mittwoch EinzelhandelsumsĂ€tze sowie die Industrieproduktion bekannt gegeben. ZusĂ€tzlich steht am Mittwoch mit dem BIP aus China noch die Wirtschaftsleistung der weltweit zweitgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft auf der Agenda. Auch diese Daten haben Potenzial, den MĂ€rkten - und damit auch dem Dax - die Richtung zu weisen./ck/mis/he

--- Von Claudia MĂŒller, dpa-AFX ---

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