ROUNDUP, Fahrradindustrie

Das verregnete Frühjahr und die angespannte wirtschaftliche Lage hat im vergangenen Jahr vielen Verbraucherinnen und Verbraucher die Lust auf ein neues Fahrrad verdorben.

13.03.2024 - 16:07:17

Fahrradindustrie verzeichnet deutlichen Absatzrückgang

Vier Millionen Fahrräder und E-Bikes verkaufte die Fahrradbranche 2023, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) am Mittwoch mitteilte. Das waren rund 600 000 weniger als im Jahr davor und so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr.

"Das Jahr 2023 war für den Fahrradfachhandel besonders im dritten Quartal ein eher schwieriges Jahr", teilte der Verband des deutschen Zweiradhandels (VDZ) bereits am Vortag mit. Wegen der schlechten Witterung im Frühling habe die Saison im vergangenen Jahr verhalten begonnen. Im Sommer hätten sich die Umsätze zwar stabilisiert, jedoch seien sie aufgrund der verregneten Herbst- und Wintermonate wieder eingebrochen. Die Umsätze der Branche gingen zwischen 2022 und 2023 von 7,36 Milliarden auf 7,06 Milliarden Euro zurück. Der Fahrradboom der Corona-Jahre ist damit erst einmal vorbei.

Trotz der Zurückhaltung der Kunden gab sich der ZIV am Mittwoch optimistisch. "Von einer Katastrophe kann keine Rede sein, die Fahrradbranche ist leistungsfähig", sagte der Geschäftsführer des ZIV, Burkhard Stork. Insbesondere E-Fahrräder blieben ein wichtiger Treiber der Industrie. Zwar gingen auch hier die Absatzzahlen im vergangenen Jahr zurück. Doch erstmals wurden mehr E-Fahrräder verkauft als herkömmliche. E-Bikes seien das "absolut dominierende Elektrofahrzeug", sagte Stork.

"Fahrradbranche ist leistungsfähig"

Nach dem Boom der Corona-Jahre hatten sich die Fahrradverkäufe bereits 2022 etwas verlangsamt. Wegen der hohen Nachfrage legte die Produktion damals erheblich zu, es kam zu Lieferproblemen. Dann kühlte sich der Markt wieder ab.

Die nachlassende Nachfrage macht sich auch bei den Preisen bemerkbar, zumindest bei Fahrrädern ohne Elektroantrieb. Im Schnitt 470 Euro mussten Kunden im vergangenen Jahr für ein solches Zweirad ausgeben, 30 Euro weniger als im Jahr 2022. Mit durchschnittlich 2950 Euro wurden E-Bikes in dem Zeitraum hingegen um 150 Euro teurer.

Beim Kauf verlassen sich die Kundinnen und Kunden dem Verband zufolge nach wie vor auf fachliche Beratung. Rund drei Viertel aller Räder wurden 2023 demnach im stationären Fachhandel verkauft. Ein knappes Viertel wurde bei reinen Online-Händlern gekauft. In Deutschland gebe es eine hohe Dichte an Fachhändlern, denen eine besondere Rolle zukomme, sagte die Leiterin für Politik und Interessenvertretung des ZIV, Anke Schäffner. Warenhäuser, Baumärkte oder Discounter verlören an Bedeutung. Dies zeige, dass Kunden Wert auf eine gute Beratung legten.

Die Lieferschwierigkeiten vergangener Jahre hätten die Branche 2023 nur noch an wenigen Stellen beschäftigt, betonte Stork. Zeitweise seien die Lager voll gewesen, sodass die Hersteller weniger produziert hätten. Das erkläre auch den Rückgang der Produktionszahlen. Im vergangenen Jahr wurden demnach 2,3 Millionen Fahrräder und E-Bikes produziert. Bei den Fahrrädern ist das ein Rückgang von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bei den E-Bikes sind es knapp sechs Prozent weniger.

Forderung nach besserer Infrastruktur

Um das Fahrradfahren im Verkehr weiter anzukurbeln, brauche es eine bessere Infrastruktur und attraktive, sichere Radwege, hieß es. In vielen Kommunen und Städten habe sich die Lage verbessert, es müsse jedoch deutlich mehr passieren. "Wir sind der Schlüssel für eine nachhaltige Mobilität", betonte Schäffner.

Die steigende Zahl der E-Bikes ruft jedoch auch Kritik hervor. Nach Angaben des Verbands der Waldeigentümer verleiten E-Bikes dazu, in Wäldern abseits fester Wege zu fahren. Dies sei "sehr schädlich für die Natur und mit der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und der Jagd unvereinbar", teilte der Verband mit.

Der ZIV vertritt derzeit 117 Hersteller und Importeure von Fahrrädern, Fahrradkomponenten und Zubehör. Nach Angaben des Verbands stammen etwa 90 Prozent der 2023 in Deutschland produzierten Fahrräder und E-Bikes von Mitgliedsunternehmen des ZIV.

@ dpa.de