Börsengeschehen, DAX

DAX-Analyse - man kann es sich auch einfach machen

Der DAX zeigt mal wieder, wie perfekt die Target-Trend-Methode funktioniert: Nach dem Fehlsignal an der 12.277er Marke, das wir bereits früh, nämlich mit dem Rückfall unter die 12.277er Marke, als eben solches identifiziert hatten, ist der DAX zunächst zur blaugestrichelten Mittellinie des Rechtecks bei 11.794 Punkten gelaufen. Hier fluktuierte er zunächst um diese Linie.  Wenn Sie den Steffens Daily bereits länger lesen, wissen Sie, dass das typisch für die Mittellinien ist. Anschließend rutschte er dann idealtypisch zur unteren Rechteckbegrenzung bei 11.311 Punkten.  Und genau dort erholte sich der Kurs und versuchte gestern sogar, die Mittellinie von unten zu testen. Sie sehen, wie genau die Target-Trend-Methode funktioniert und wie man sich von Linie zu Linie orientieren kann und zum Teil nahezu perfekte Signale erhält. Das Interessante daran ist, dass alle diese Linien in dem Chart Widerstands- und Unterstützungslinien sind, die in der klassischen Charttechnik überhaupt nicht existieren. Schließlich befinden wir uns auf Allzeithochniveau und dort gibt es eben keine Widerstände und Unterstützungen, da keine historischen Vergleichspunkte existieren. Hier kann tatsächlich nur die Target-Trend-Methode weiterhelfen. Und wie genau sie das tut, zeigt sich einmal mehr in der aktuellen Entwicklung.

Wie geht es nun weiter?

Auch die Antwort fällt leicht: Eigentlich müssen Sie sich um NICHTS anderes kümmern, keine Nachrichten oder Konjunkturdaten. Sie konzentrieren sich einfach auf das, was geschieht: Sollte der DAX nun die Mittellinie wieder nach oben überwinden, wäre das ein erstes, aber noch kleines bullishes Signal. Denn erst, wenn er die 12.277er Marke nachhaltig überwinden kann, wären das Fehlsignal vom Anfang April und das damit verbundene Warnsignal aufgehoben. Fällt er hingegen nach diesem Anstieg an die Mittellinie doch wieder unter die 11.311er Marke wird es bearisher. Dann ist das nächste Kursziel die Mittellinie des unteren Rechtecks, doch eigentlich sogar die untere Begrenzung dieses Rechtecks bei 10.345 Punkten. Daran hat sich nichts geändert. Und wenn der DAX in die eine oder andere Richtung ausbricht, muss man lediglich darauf achten, wie er sich an den weiteren Linien verhält und kann daran die aktuelle Stärke ablesen. Im Moment fällt er nach dem Test der Mittellinie wieder, kein gutes Zeichen. Börse - eigentlich ist sie ganz einfach.

Der Euro im Unterstützungsbereich

Und auch im Euro halten die Linien. In diesem Fall sind es aber die Widerstände und Unterstützungen der klassischen Charttechnik, die funktionieren. Sie sehen, der Euro ist an die Linie bei 1,1211 Dollar gelaufen. Er konnte diesen Widerstand im Intradayverlauf kurz brechen, aber eben nicht nachhaltig. Jetzt kommt es darauf an, ob er diese Marke in einem zweiten Anlauf überwinden kann. Ein Leser schrieb übrigens, dass er eine W-Formation als Bodenformation erkannt hat und fragte, ob ich diese übersehen hätte. Er hat nicht ganz Unrecht. Diese Formation sieht wie eine W-Formation aus, wie Sie in dieser Vergrößerung oben erkennen können. Und man kann sicherlich lange darüber diskutieren und streiten, ob es nicht wirklich eine ist. Aber mir sind Ungereimtheiten bei dieser Formation aufgefallen, weswegen ich sie als sehr schwach einstufen würde. Das ist auch der Grund, warum ich nicht darauf eingegangen bin.

Die Tiefen der Charttechnik

Mit der Erläuterung dazu dringe ich für die interessierten Chartisten unter Ihnen in die Tiefen der Charttechnik ein. Normalerweise tue ich das nicht, da es den Rahmen eines Newsletters sprengen würde. Aber gestern machen wir einmal eine Ausnahme, weil es wirklich ein Grenzfall ist: Zunächst wurde der rechte Boden auf höherem Niveau ausgebildet (roter Pfeil). Das kann natürlich ein bullishes Zeichen sein. Und zwar dann, wenn die Bullen sehr früh, also auf deutlich höherem Niveau, schon wieder zugegriffen haben. Meistens geschieht das, weil es einen Grund für einen Richtungswechsel gibt. Aber es ist kein eindeutiges Signal. Oft ist die rechte Seite eines W's sogar schwächer (tiefer), eben weil gerne noch einmal ein Fehlsignal (Intradaybruch des vorherigen Tiefs) ausgebildet wird.

Das Problem bei einem höheren Boden auf der rechten Seite

Es kann aber auch ein bearishes Zeichen sein, das angesichts des starken Abverkaufs zuvor Sinn macht. Eigentlich handelt es sich bei den aktuellen Kursbewegungen lediglich um eine Flagge, also eine Konsolidierung an einer Unterstützung. Damit ist die 1,0462-Dollar-Marke gemeint. Normalerweise verläuft diese in Form einer zweiwelligen Aufwärtsbewegung. Da aber der Verkaufsdruck nach dem massiven Kurseinbruch noch so hoch war, kam es nicht zu der zweiten Aufwärtswelle, stattdessen brach die Flaggenformation in sich zusammen und die Unterstützungslinie wurde erneut angelaufen. Das ist die viel wahrscheinlicherer Interpretation.

Die kleinen, bearishen Hinweise

Für diese Interpretation spricht auch noch ein anderer Hinweis: Bei einer W-Formation sollte nach dem zweiten Tief eine hoch dynamische Aufwärtsbewegung starten. Diese sollte quasi die vorherige Abwärtsbewegung spiegeln. Sowohl von der Länge, als auch von der Dynamik her. Diese Symmetrie ist eine wichtige Voraussetzung für eine W-Formation. Doch in diesem Fall kam es nach dem zweiten Tief vergleichsweise schnell zu einer kleinen Konsolidierung (siehe blauer Pfeil). Und damit ist ein wichtiges Kriterium der W-Formation nicht wirklich erfüllt. Diese zu frühe Konsolidierung belegt nämlich, dass hier keineswegs hoch motivierte Bullen am Werke sind, sondern dass hier einfach der Kaufdruck nachgelassen hat und das eben sehr früh - zu früh. Auch aktuell setzen sich diese eher bearishen Hinweise fort: Wäre es eine echte W-Formation, hätten die Kurse ebenso dynamisch bis in den Bereich der 1,15 Dollar laufen müssen. Sprich, sie hätten das Niveau der Konsolidierung vor dem ersten Tief wieder erreichen müssen (siehe grüner Pfeil). Zwar kam es nach der ersten Konsolidierung zu einem sehr dynamischen Anstieg, doch bereits an der 1,1211er Widerstandslinie kam es zu der nächsten Konsolidierung, wieder viel zu früh. Auch das ist ein weiteres Signal der Schwäche.

Chance/Risiko-Verhältnis

Und das war eben auch der Grund, warum ich nicht von einer Bodenformation geredet habe. Es fehlen wichtige Kriterien, die auf eine überzeugende Stärke der Bullen hinweisen. Mir scheint, dass es sich eher um eine Art verunglückte Flagge in einem sehr starken Abwärtstrend handelt. Und natürlich können die Kurse auch noch etwas weiter steigen, aber insgesamt überzeugt diese Formation zurzeit noch nicht. Da wir immer die Trades mit einem guten Chance/Risiko-Verhältnis suchen, wäre ich demnach nach wie vor auf der Euro-Long-Seite vorsichtig. Viele Grüße Ihr Jochen Steffens (Quelle: www.stockstreet.de)
@ ad-hoc-news.de | 06.05.15 09:26 Uhr