Innerer, Markt

Innerer Markt verschiebt sich zu Gunsten der Bullen

Liebe Leserinnen und Leser, meine vorsichtig optimistische Haltung der vergangenen Wochen hier in dieser Kolumne hat sich als gewinnbringend erwiesen, war aber deswegen längst keine hellseherische Leistung, für die es einer Glaskugel bedurft hätte. Vielmehr kann man die jüngere Kursentwicklung unter dem Fazit „typisch Miss Börse" zusammenfassen.  Benötigt wird eben „nur" eine möglichst negative Presse über zurückliegende Daten, und schon schnellt der Anteil der Pessimisten in eine auskömmliche Höhe.  Ist ein Großteil der Schafe erst in einer Ecke der Koppel zusammengepfercht, genügen ein paar Nachrichten die etwas besser als ohnehin befürchtet eintreffen, und schon rennt die Herde in die andere Ecke. Diesmal übernahm der US-Arbeitsmarktbericht die Funktion der Nachricht, die weniger schlecht als befürchtet war und die überverkauften Märkte nach oben katapultierte. In der Freude über die leichte Entspannung am Arbeitsmarkt gingen andere negative Meldungen wie die Verschlechterung des US-Dienstleistungssektors völlig unter. Aber auch dies ist ja kein ungewöhnliches Verhalten der Börsianer. Entweder lässt man die positiven oder die negativen Dinge wirken, aber nur selten beide Seiten des Marktes. Konjunktur tastet sich nach oben Wenn man das ungewöhnlich positive deutsche Wirtschaftswachstum, welches das dynamischste seit über zehn Jahren ist, und die schleichende Konjunkturabkühlung in den USA beobachtet, wird deutlich, warum sich Bullen und Bären seit Monaten einen Stellungskrieg liefern. Die Bären beharren in ihrer Ansicht der unausweichlichen Doppel-Rezession, während die Bullen nur von einem vorübergehend geringerem Wirtschaftswachstum ausgehen. Beide Lager haben gute Argumente und zählen honorige Nobelpreisträger zu ihren Sympathisanten.  Mit dem heute vorhandenen Datenmaterials ist der Ausgang der Schlacht zwischen Angebot und Nachfrage ungewiss. Daher wird der Markt stark von Pressemeldungen gelenkt. In den vergangenen Wochen litt der Bankensektor z.B. stark unter den geplanten neuen Regularien und den potentiell viel höheren Eigenkapitalanforderungen. Diese könnten die Ausgabe von Krediten behindern, so die schwer gewichtige Bankenlobby. Vor allem aber wird sie das Treiben hinter den Spieltischen der Wall-Street erschweren, weshalb sich die Banken gegen diese Reform weiterhin wehren. Es ist bestimmt kein Zufall, dass der Bankensektor seit Wochen zu den schwächsten Sektoren zählt und kontinuierlich an relativer Stärke gegen die Hauptindizes verliert. Dies ist nach klassischer Denkart kein gutes Zeichen für die Bullen, da Banktitel und zyklische Techtitel eine Rallye anführen sollten. Auch die sehr zyklischen Chipwerte zählen seit Wochen zu den „Underdogs" an der Nasdaq, was normalerweise kein gutes Zeichen ist.     Bekanntlich sind die Aktienmärkte bei weitem keine perfekten Konjunkturindikatoren, aber mit den meisten Forschungsinstituten können sie allemal mithalten. Da sich wichtige Indizes wie die konjunktursensible Nasdaq aktuell auf den Weg machen wichtige Widerstände zu knacken, lohnt es sich heute einen Blick auf die Wachstumswerte zu werfen. Wachstumswerte auf dem Sprung  bpindx Gut erkennt man im P & F Chart den seit einem Jahr anhaltenden Seitwärtstrend, der speziell den trendfolgenden Anlegern das Leben schwer macht. Etwa zwischen 1.700 und 2.050 Punkten schwankten die Kurse. Nun kommt zum wiederholten Male Bewegung in die Sache und die sieht mir gar nicht nach „Double Dip" aus. Denn sehr dynamisch übernahmen die Bullen Anfang September bei etwa 1.750 Punkten das Ruder in die Hand. Durch den Nachfrageüberschuss bildete sich eine lange positive X-Spalte und ein mehrfaches Kaufsignal. Dieses entsteht, wenn die aktuelle X-Spalte gleich mehrere vorhergehende X-Spalten übersteigt. Außerdem schoss die X-Säule gleich im ersten Anlauf über die seit April (Ziffer 4) etablierte fallende bärische Widerstandslinie, was als sehr bullish zu werten ist.  Das Kursziel dieser Formation liegt bei etwa 2.150 Punkten und damit außerhalb der langwierigen Seitwärtsbewegung. Natürlich werden diese Kursziele üblicherweise nicht sehr schnell erreicht und dienen eher als Orientierungshilfe. Aber immerhin sinkt mit einem derartig positiven Kursziel die Gefahr von einem Konjunktureinbruch sehr stark. Unterstützung erhält die Nasdaq auch von der nach wie vor nur leicht erhitzten Markttechnik und den gleitenden Durchschnitten. Kürzlich hat der Index das Kunststück geschafft sowohl die 50- als auch die noch wichtigere 200-Tage-Linie von unten zu durchstoßen. Falls dies in den kommenden Tagen so bleibt, wäre ein sehr gefährlicher Baisse-Indikator  vom Tisch.       An der Nasdaq rückt die offensive Mannschaft aufs Feld  Hier sehen Sie den von mir verfolgten Bullish Percent Indikator für die Nasdaq 100. Der Index zeigt keine Preisbewegung und keine subjektiven charttechnischen Formationen. Hier wird der Prozentsatz der objektiven Kaufsignale der Nasdaq 100 abgetragen.  Da sich die Investment-Angewohnheiten und der Herdentrieb der Anleger offenbar niemals ändern, zeigt der Indikator sehr gut, mit welchem Risiko man sich aktuell im Markt bewegt. Oberhalb von 70 Kaufsignalen der P & F Technik im Index bewegt man sich in der roten Zone, bei 30 beginnt der stark überverkaufte Bereich, in dem das Potential für positive Überraschungen deutlich zunimmt. Bemerkenswert ist bei diesem Index, dass er sich meist konträr zum Medienecho und den Einschätzungen der Analysten verhält. Momentan befinden wir uns bei 50, was bedeutet, dass die Hälfte der gehandelten Werte auf einem objektiven Kaufsignal stehen und der Markt weder überkauft noch überverkauft ist. Auch in dieser unspektakulären Ausprägung spiegelt sich der Seitwärtstrend wider. Seit einigen Tagen befinden sich aber trotzdem die Bullen wieder im Vorteil, da sich die für den Spaltenwechsel erforderliche Anzahl von sechs Prozent frischer Kaufsignale bildete und der Index in eine X-Spalte wechselte. Dies bedeutet, dass wieder Kapital in den Markt fließt und man als Anleger relativ offensiv agieren darf. Um in der Sprache des Sports zu sprechen, gehört jetzt die offensive Mannschaft aufs Feld,  und es ist an der Zeit, Mr. Market möglichst viele Punkte abzunehmen. In so fern korrespondieren an der Nasdaq 100 der innere und der äußere Markt, da beide Indizes auf einen recht freundlichen Herbst deuten.              Chipwerte bleiben im Abwärtstrend   Trotz des deutlichen Kaufsignals und der starken Verbesserung im inneren Markt der Nasdaq, konnten sich die die sehr zyklischen Chipwerte noch nicht aus ihrem Abwärtstrend lösen.     Nach der Gipfelbildung im April bei 400 Punkten bildete der Chipsektor ein sehr deutliches Verkaufssignal im Mai (Ziffer 5). Eine bärische Abwärtstrendgerade etablierte sich, die im Sommer mehrfach bestätigt wurde. Formal befindet sich der Sektor nach wie vor und objektiv auf „Verkauf", es bildete sich aber eine derartiger Angebotsüberschuss in den vergangenen Wochen, die einem Sell-Off stark ähnelt und „Low-Pole" genannt wird. Häufig ist danach der Markt bereinigt und auch diesmal könnte es so sein. Ich tippe darauf, dass der aktuelle (kurzfristige) Nachfrageüberschuss ein Kaufsignal bei 336 auslöst und die X-Spalte die vorhergehende übersteigt. Dies ist zwar meine subjektive Meinung, aber der innere Markt der Nasdaq und die weichende Volatilität aus den großen Indizes spricht dafür, dass sich auch die sehr wichtigen Chipwerte der freundlichen Tendenz nicht weiter entziehen und eine interessante Tradinggelegenheit darstellen könnten. Denn immerhin resultieren etwa 85 % der Kursbewegung einer Aktie aus dem Sektor und dem Gesamtmarkt. Deshalb sollten Sie das Eigenleben eines Sektors sehr genau untersuchen, bevor Sie in den Einzeltitel einer Branche investieren.   Volatilität weicht aus dem Markt   Ein wichtiger Indikator des inneren Marktes ist die Schwankung der Kurse an den Märkten, die Volatilität. Diese bezeichne ich auch gerne als Indikator der Angst und Nervosität, die beide derzeit im Markt nicht zu erkennen sind. Wie aus einem Luftballon zischt die Vola aus den Märkten, vor aus allem aus den führenden S & P 500. Dies begründet zwar zukünftiges Potential für steigende Unruhe, vorerst ist davon aber nichts zu erkennen. Von den Panik-Attacken des Mai, als im Zuge des Mini-Crash an der Wall Street die Vola auf fast 50 schoss, ist nichts übrig geblieben. Heute handelt die Vola in der Nähe ihres langjährigen Mittelwertes  bei etwa 22 und damit wenig auffällig. Die meist sehr zuverlässige Kurszielprojektion der P & Figure Technik deutet auf weiterhin ruhige Märkte ohne Turbulenzen - obwohl wir uns im statistisch „gefährlichen" September befinden.  Falls Sie sich für meine Analysen interessieren, beachten Sie bitte auch meinen kostenlosen Newsletter.  Nun aber wünsche ich Ihnen Erfolg mit Ihren Positionen.  Mit herzlichen Grüßen  Ihr Klaus Buhl klaus.buhl@libra-invest.de
@ ad-hoc-news.de | 12.09.10 12:14 Uhr