Tier, Früher

Das dunkle Tier ist wachgeküsst

Früher bedurfte es eines Prinzen, der die schlafende Schönheit wieder zum Leben erweckte. Heute lässt Licht Totgeglaubte erstahlen und sorgt für weltweites Aufsehen und Anerkennung.

Farben spielen eine große Rolle in unserer Wahrnehmung. Wissen wir ja alle. Sie lassen nicht nur uns Menschen in einem anderen Licht erscheinen – da kann jede Farbberaterin abendfüllende Vorträge halten. Schon unser großer Dichterfürst Wolfgang Goethe gab sich von 1791-1832 mit aller Inbrunst der Farbenlehre hin und schrieb sich auf 925 Seiten über die prachtvolle Welt der Farben seine Seele aus dem Leib. Der Anziehungskraft der Farbe Blau war Goethe besonders verfallen,  und poetisierte: „Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare, fast unaussprechliche Wirkung. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blau gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht."

Die Farbe Blau war die Symbolfarbe der Romantik.  Und auch Pablo Picasso huldigte der Farbe mit den Worten:  „Sie ist das Beste, was es in der Welt gibt. Sie ist die Farbe aller Farben. Die blaueste von allen blauen.“ Sei schlau, nimm Blau. Bei der spektakulären Lichtinstallation „Blue Port“ im Hamburger Hafen, die alle zwei Jahre hunderttausende Menschen in ihren Bann zieht,  zeigte sich selbst ein skandalumwittertes Bauwerk wie die Elbphilharmonie von seiner schönsten Seite und entlockte hingebungsvolle Ooooos und Aaaaaaaahs. Die Inszenierung des Hamburger Hafens mit blauem Licht ist ein „ganz großes Abenteuer“ und „bringt die Menschen zusammen“, schwärmt der renommierte Licht-Künstler Michael Batz.

BluePort: Die Landungsbrücken
BluePort: Die Landungsbrücken
Quelle: Philips

Da drängt sich doch die Frage auf: Wann wird endlich der BER, also seine derzeitigen Rudimente, blau illuminiert? Denn Licht kann nicht nur ins rechte Licht rücken, sondern auch aus dem Reich des Dunklen heben. Wie die Hamburger Speicherstadt. Das „dunkle Tier“ – so haben die Hamburger ihre historische Stadt in der Stadt  jahrelang genannt – steht seit diesem Sommer auf der UNESCO-Liste für schützenswerte Weltkulturdenkmäler. Wachgeküsst wurde die Schöne mit Licht. Ihre Erleuchtung startete 2001. Da duettierten der Lichtkünstler Batz und der Verein Licht-Kunst-Speicherstadt mit dem in Hamburg ansässigen Lichtweltmarktführer Philips – und realisierten zum ersten Mal die Beleuchtung des zwischen Elbe und Innenstadt gelegenen Lagerhauskomplexes. „Zunächst provisorisch“, erklärt Batz, der nicht nur Lichtkünstler ist, sondern vor allem auch ein Mann des Theaters. Und der kennt sich mit Inszenierung aus.  „Das war der Durchbruch für die Beleuchtung der Speicherstadt und zugleich der Durchbruch für die Idee von Licht im urbanen Raum“, sagt der Licht-Gestalter.

Strahlendes Juwel: Das Wasserschloss
Strahlendes Juwel: Das Wasserschloss
Quelle: Philips
Hamburger Speicherstadt: Der Westphalen Turm
Hamburger Speicherstadt: Der Westphalen Turm
Quelle: Philips

Licht sollte fortan nicht mehr nur funktional eingesetzt werden, um Städte zu erhellen, sondern vor allem auch die jeweiligen Besonderheiten des urbanen Raums berücksichtigen und betonen. „Mittlerweile ist ein Großteil der Speicherstadt-Beleuchtung auf LED umgestellt“, sagt Roger Karner, Geschäftsführer von  Philips. Bei der Umrüstung auf moderne LED-Systeme im urbanen Raum geht es längst nicht nur um energieeffiziente Lichtakzente, sondern auch darum, visuell den Blick auf Großereignisse und Aktionen zu lenken, Städte zu gestalten und zu beleben. Bei der Hamburger Speicherstadt ist es noch viel mehr:  eine Verbeugung vor einem einzigartigen Geschenk unserer Vorfahren an uns. Da darf Demut auch strahlen.

@ ad-hoc-news.de | 05.10.15 11:05 Uhr