Gegründet hat es 1949 Rolf Bauer, der Vater der heutigen Inhaberin. Er hatte eigentlich Bandgeräte für den Rundfunk gebaut. Dann wurde ihm «die Maschinenbauerei zu langweilig», und er begann mit dem Aufnehmen, wie seine Tochter berichtet. Das Studio etablierte sich und hatte wegen des Gespürs des Gründers für technische Innovationen immer wieder die Nase vorn in Deutschland. «Technische Quantensprünge» etwa von Mono zu Stereo und später zur Mehrspurtechnik habe Bauer teils schon vor dem öffentlichen Rundfunk genutzt, schildert sein Schwiegersohn, der heutige Chef Reiner Oppelland. Neben ihm an der Wand erinnert ein altes Plattenschneidegerät aus den 40er Jahren, das leere Vinylscheiben in Tonträger verwandelte, an die Anfänge.

Musikgrößen wie Keith Jarett, TOTO-Schlagzeuger Simon Phillips und Udo Jürgens arbeiteten bereits mit den «Bauer Studios». An diesem warmen Septembertag schwitzt Alexander Eissele mit seiner Big Band im Aufnahmestudio. Es ist schon das vierte Mal, dass die Combo in Ludwigsburg aufnimmt, und Eissele ist inzwischen ein Freund des Tonmeisters geworden. «Es gibt in ganz Deutschland kein vergleichbares Studio», schwärmt Berufsmusiker Eissele. Hier übernehme das Studio «Mitverantwortung» und kenne keinen Dienstschluss. Manchmal wurde es 3.00 Uhr, bis die Big Band alle Aufnahmen im Kasten hatte.

Dazu muss man wohl so «berufsverrückt» sein, wie Eva Bauer-Oppelland sich selbst beschreibt. «Ich bin im Studio aufgewachsen», schildert sie in breitem Schwäbisch. Sie wollte nichts anderes machen. Während ihres Toningenieur-Studiums lernte sie ihren Mann Reiner kennen - einen Tonmeister. Heute haben die beiden eine 15-köpfige, junge Crew und allein deswegen Seltenheitswert in der Branche. In den meisten Studios machen ein, zwei Inhaber alles selbst. Doch die Konkurrenz ist hart geworden, seit jeder zu Hause am Computer aufnehmen kann. «Die Wertigkeit unserer Arbeit hat total abgenommen», klagt Bauer-Oppelland, die jedoch bereits Gegenstrategien ergriffen hat.

Sie und ihr Mann setzen auf eine Nische durch einen «Anspruch an die eigene Arbeit und den künstlerischen Inhalt». Sie arbeiten mit Leidenschaft gegen den Mainstream, gegen die «permanente Volksverdummung» und die «Verengung des musikalischen Angebots». Diese Nische sei heutzutage «fast die einzige Chance, zu überleben», sagt der 60-jährige Inhaber.

Außerdem geht das Paar ständig neue Wege. Filmmusik und Sprachaufnahmen wie Hörspiele gehören inzwischen ebenso zum Tagesgeschäft wie das Produzieren fremder CDs und DVDs. Außerdem haben sie mehrere Labels gegründet, etwa für Jazz, Pop und Blasmusik sowie einen eigenen Geschäftsbereich für Newcomer. Selbst sitzen die beiden inzwischen überwiegend am Schreibtisch - auch wenn Oppelland manchmal die Arbeit am Mischpult vermisst. Mit leuchtenden Augen berichtet er von seinen »Lehr- und Wanderjahren' als junger Tonmeister, in denen er als Erster Sting aufgenommen hat.

Die Faszination für den Beruf ist auch bei jungen Menschen ungebrochen. «Wir können baden in Bewerbungen für Praktika», erzählt Bauer-Opelland. Allerdings verwechseln ihrer Ansicht nach Viele Hobby mit Beruf und unterschätzen den «anspruchsvollen, anstrengenden und kreativen Job». Die vier Kinder der Bauer-Opellands, die von klein auf Einblick ins Tonstudio hatten, sind sich dessen bewusst. Sie haben sich alle andere Jobs gesucht.

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