Joe Biden, Benjamin Netanjahu

Mit Netanjahu habe er schlechte Erfahrungen gemacht und die Schiiten-Miliz Hisbollah sei «sehr schlau»: Trump sorgt mit seinen Aussagen zur Lage in Israel für Ärger.

12.10.2023 - 12:00:09

Trump kritisiert Netanjahu und nennt Hisbollah «schlau». Sein Konkurrent DeSantis reagiert prompt.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat mit Kritik am israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Bemerkungen zur Schiiten-Miliz Hisbollah für Empörung gesorgt.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in West Palm Beach (Florida) ging er am Mittwochabend (Ortszeit) auf den verheerenden Terrorangriff der Hamas in Israel ein und bezeichnete die mit den Islamisten verbündete Hisbollah im Libanon als «sehr schlau».

«Wissen Sie, die Hisbollah ist sehr schlau»

Diese hatte am Montag Raketen in Richtung Israel abgefeuert, worauf die israelische Armee mit Artilleriebeschuss reagierte. «Wissen Sie, die Hisbollah ist sehr schlau. Sie sind alle sehr schlau», sagte er.

Zu Netanjahu sagte Trump, er habe mit dem israelischen Regierungschef 2020 schlechte Erfahrungen gemacht. Er bezog sich dabei auf den Drohnenangriff, mit dem die USA damals den einflussreichen iranischen General Ghassem Soleimani im Nachbarland Irak getötet hatten. Laut Trump hatte Israel die USA dazu mit Geheimdienstinformationen versorgt, sich dann aber zurückgezogen.

«Ich werde nie vergessen, dass Bibi Netanjahu uns im Stich gelassen hat. Das war eine sehr schreckliche Sache», sagte Trump. Später habe Netanjahu dann versucht, den Erfolg für sich zu reklamieren. Dem Sender Fox News sagte Trump zudem am Mittwoch, Netanjahu und Israel seien auf den Angriff der Hamas nicht vorbereitet gewesen.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis, Trumps Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, kritisierte die Äußerungen des Ex-Präsidenten scharf. Es sei «absurd», dass jemand, der Präsident werden wolle, den US-Verbündeten und Freund Israel nun angreife und die Hisbollah als schlau bezeichne, schrieb er auf X (ehemals Twitter). Bidens Wahlkampflager warf Trump laut Medienberichten vor, gefährliche Falschinformationen zu verbreiten.

Trumps Sprecher Steven Cheung rechtfertige laut «Washington Post» dessen Worte. Er habe damit die Regierung von Präsident Joe Biden kritisieren wollen. US-Beamte hätten mit bestimmten Äußerungen die Hisbollah auf die Idee gebracht, Israel von Norden aus anzugreifen. Außerdem bedeute «schlau» nicht «gut».

Biden: Israel muss nach «Regeln des Krieges» handeln

Auch US-Präsident Joe Biden äußerte sich zu seinem Verhältnis zu Netanjahu. «Ich kenne Bibi seit über 40 Jahren und habe eine sehr offene Beziehung zu ihm, ich kenne ihn gut», sagte Biden am Mittwochnachmittag (Ortszeit) über Netanjahu, den er beim Spitznamen nannte. Es sei wirklich wichtig, dass Israel trotz all des Ärgers und des Frusts nach den Regeln des Krieges handele, so Biden in seiner Rede. «Und es gibt Regeln des Krieges», fügte er hinzu.

Der US-Präsident hatte US-Medien zufolge den israelischen Premier bereits in Gesprächen aufgefordert, die Zahl der zivilen Opfer in Gaza so gering wie möglich zu halten und nach dem Völkerrecht zu handeln. In einer Rede am Dienstag sagte Biden mit Blick auf Netanjahu: «Wir haben auch darüber gesprochen, dass Demokratien wie Israel und die Vereinigten Staaten stärker und sicherer sind, wenn wir nach rechtsstaatlichen Grundsätzen handeln.»

Biden sprach vor führenden Vertreterinnen und Vertretern jüdischer Gemeinden. Er richtete dabei auch eine Warnung an den Iran: «Wir haben es den Iranern klar gemacht: Seid vorsichtig.» Bei seiner Rede war der Demokrat sichtlich emotional. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Bilder von Terroristen, die Kinder enthaupten, sehen ... bestätigt bekommen würde», sagte der US-Präsident weiter. «Es geht nicht um Rache, es geht um Anstand, einfach nur um Anstand», betonte er.

Seine Regierung werde alles tun, um die von der Hamas verschleppten US-Amerikaner in Sicherheit zu bringen, versicherte der 80-Jährige außerdem. Über die Details könne er allerdings nicht sprechen.

Spezialisten des FBI sollen bei Geiselbefreiung helfen

Bei den Verhandlungen zur Freilassung der gefangen gehaltenen Geiseln bot die US-Regierung Israel umfangreiche Unterstützung an. «Hochqualifizierte Spezialisten für Geiselbefreiung und andere Experten» stünden bereit, um die israelischen Kollegen zu beraten, teilte das Justizministerium in Washington mit. Es handle sich unter anderem um Spezialisten der US-Bundespolizei FBI und forensische Analysten. Man arbeite hart daran, vermisste Amerikaner ausfindig zu machen und nach Hause zu bringen.

Nach US-Regierungsangaben wurden bei dem Großangriff der Hamas auch 27 US-Staatsangehörige getötet, 14 Amerikaner gelten weiter als vermisst. Unter den in den Gazastreifen verschleppten Geiseln sind den Angaben zufolge auch mehrere Amerikaner. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt.

Charterflüge für Landsleute

Um US-Staatsangehörigen bei der Ausreise aus Israel zu helfen, will die US-Regierung außerdem ab heute Charterflüge bereitstellen. Das Angebot richte sich an US-Bürger und unmittelbare Familienangehörige, die noch keine kommerzielle Verbindung buchen konnten und einen sicheren Weg aus Israel heraus suchten, hieß es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums. Man wolle das Angebot in den kommenden Tagen ausweiten und an den Bedarf anpassen.

Zum Umfang der Aktion wurden zunächst keine Angaben gemacht. Es werde davon ausgegangen, dass man die «sichere Ausreise von Tausenden von US-Bürgern pro Woche» ermöglichen werde, hieß es. US-Bürger müssten sich dafür online registrieren.

@ dpa.de