Ausland, Blick über Rom

Italien nicht vor Staatsbankrott

24.03.2020 - 16:43:00

Star-Ökonom hält die italienischen Staatsschulden für fiskalisch tragbar.

Olivier Blanchard, Ökonomie-Professor am Massachusetts Institut of Technology (MIT) und von 2008 bis 2015 Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist der Überzeugung, dass der italienische Staatshaushalt mit der Hilfe von flankierenden Maßnahmen sanierbar ist. Entgegen der vor allem in Deutschland verbreiteten Ansicht über einen bevorstehenden Staatsbankrott in Italien, hält Blanchard die Verschuldung für tragbar und schlägt eine gemeinsame Aktion von Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischem Rat zur Stabilisierung Italiens vor. Das Ziel muss eine Niedrigzinspolitik für italienische Staatsanleihen sein, beschreibt der Ökonomieprofessor seinen Plan gegenüber dem „Handelsblatt“. Wenn es gelingt die Zinsen niedrig zu halten, ist Italien aus eigener Kraft in der Lage bei einem entsprechenden Reformprogramm aus der Schuldenfalle zu entkommen.
Um dies zu gewährleisten, rät Blanchard der EZB zum Ankauf von italienischen Staatsanleihen von ausländischen Investoren. Wenn die Staatskrise, verstärkt durch die ökonomischen Verwerfungen der Corona-Krise länger andauere, müsse der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) greifen. Die EU könne in einer konzertierten Aktion in Zusammenarbeit mit der EZB durch einen weiteren Ankauf von Staatsanleihen eine Zahlungsfähigkeit des italienischen Staates aufrechterhalten. Der Kauf der Anleihen durch die EZB solle an die Verwendung der Gelder in den Empfängerländern geknüpft werden. Das Geld sei für die akute Krisenbewältigung der Corona-Pandemie vorbehalten. Europa müsse ein vitales Interesse daran haben, Italien handlungsfähig zu belassen, betont der Ex-Chefökonom des IWF. Mit dieser engen Krisenbindung werde sowohl an das Empfängerland Italien, als auch an die Bundesregierung ein deutliches Signal gegeben. Bei Funktionieren der Krisenmechanismen, könne im Weiteren auf die Auflage von europäischen Krisenanleihen zur Corona-Bekämpfung verzichtet werden. Die derzeitigen makrowirtschaftlichen Probleme seien zum Teil hausgemacht. Wenn die Euro-Zone frühzeitig Euro-Anleihen gezeichnet und damit einen dynamischen Anleihemarkt aufgebaut hätte, wäre dies für die Bewältigung der Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie äußerst hilfreich. Der ehemalige Chefökonom bezieht sich dabei auf entsprechende Initiativen des IWF. Italien und die Euro-Zone könne diese Krise bewältigen, betont Blanchard im „Handelsblatt“.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, NeoMatrix

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