Israel, Süden

Israel setzt sein schweres Bombardement im Gazastreifen fort.

02.12.2023 - 10:44:06

Israel bombardiert Süden des Gazastreifens. Im südlichen Teil, wohin die meisten Zivilisten geflohen sind, führt die Armee massive Schläge aus. Erneut wächst die Sorge um zivile Opfer.

  • Die israelische Armee hat nach der Feuerpause die Kämpfe im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas wieder aufgenommen. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Palästinenser begutachten die Schäden nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Gazastreifen. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

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Die israelische Armee hat nach der Feuerpause die Kämpfe im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas wieder aufgenommen. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaPalästinenser begutachten die Schäden nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Gazastreifen. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

Das israelische Militär hat sein Bombardement im südlichen Gazastreifen am zweiten Tag nach Auslaufen der Feuerpause verstärkt. Wie die Armee am Samstagmorgen mitteilte, hätten Kampfflugzeuge in der Nacht in der Gegend der Stadt Chan Junis mehr als 50 Ziele bombardiert. Terroristen und Infrastruktur der islamistischen Hamas seien zudem in der Gegend von Beit Lahia mit Panzern und gezielten Luftschlägen attackiert worden, hieß es weiter.

Schwere Kämpfe in Chan Junis

Israelische Marineeinheiten hätten ferner in der Nacht militärische Ziele der Hamas im Hafen von Chan Junis sowie in Deir al-Balah mit Präzisionsmunition angegriffen. Dabei sei Infrastruktur und Ausrüstung der Marine-Streitkräfte der Hamas getroffen worden. Israel hatte zuvor wochenlang die Bewohner des nördlichen Gazastreifens aufgefordert, zu ihrer Sicherheit in den südlichen Teil zu flüchten.

Israels Armee veröffentlichte zwar am Freitag eine Karte für die Zivilbevölkerung, die das Gebiet in nummerierte Zonen einteilt - «in Vorbereitung auf die nächste Phase des Krieges». Dies solle Bewohnern ermöglichen, «sich zu orientieren, die Anweisungen zu verstehen und sich bei Bedarf von bestimmten Orten aus in Sicherheit zu bringen». Die heftigen Angriffe des israelischen Militärs am Samstag bieten jedoch erneut Anlass zur Sorge über Opfer unter der Zivilbevölkerung.

US-Außenminister Antony Blinken hatte vergangene Woche Israels Führung mit deutlichen Worten aufgefordert, die Zivilisten im Gazastreifen zu schützen. Die zahlreichen Todesopfer in der Zivilbevölkerung und die Vertreibung in dem Ausmaß, wie man sie im nördlichen Gaza gesehen habe, dürfe sich im Süden nicht wiederholen, mahnte er nach einem Treffen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Auch Angriffe im Norden Gazas

Israels Streitkräfte nahmen den Angaben zufolge im Norden Gazas erneut am Boden und aus der Luft Ziele unter Beschuss. Dabei sei eine Terrorzelle, die die israelischen Truppen in einen Hinterhalt gelockt habe, bombardiert worden, hieß es am Samstag.

Zudem habe ein Kampfflugzeug eine Moschee, die dem Islamischen Dschihad als Kommandozentrale gedient habe, beschossen. Im Verlauf des vergangenen Tages habe man im gesamten Küstengebiet so mehr als 400 «Terrorziele» angegriffen, wie Israels Armee weiter bekannt gab. Sämtliche Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die Hamas hatte nach Ende der einwöchigen Kampfpause eigenen Angaben zufolge erstmals wieder Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs wurden israelischen Angaben zufolge rund 10.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen.

Israels Armee kämpft «so lange wie nötig»

Israels Armee hat sich nach Angaben eines Sprechers keine zeitliche Begrenzung für den Gaza-Krieg gesetzt. «Wir sind entschlossen, die Hamas so lange zu bekämpfen, wie es nötig ist», sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus in der Nacht zum Samstag. Er fügte hinzu: «Wir haben keine andere Wahl». Conricus bekräftige abermals das Kriegsziel seines Landes, die Terrororganisation vollends zu vernichten, damit sie künftig keine Gefahr mehr für Israel darstelle.

Der Sprecher reagierte damit auf Berichte, wonach Blinken bei seinen jüngsten Gesprächen in Israel von drei Wochen gesprochen habe, die Israel habe, den Krieg wie im bisherigen Umfang fortzuführen. Er sei sich nicht sicher, ob Israel die internationale Unterstützung haben würde, um länger mit der Intensität wie vor der Feuerpause weiterzukämpfen, wurde Blinken in israelischen Medien wiedergegeben.

Beschuss aus dem Libanon

Israel ist nach eigenen Angaben auch aus dem nördlichen Nachbarland Libanon beschossen worden. Die israelische Armee gab am Samstagmorgen bekannt, dass die eigene Artillerie in Reaktion darauf das Gebiet angegriffen habe, von wo aus die Geschosse Richtung Israel abgefeuert worden seien. Ein Kampfflugzeug habe das Ziel im Libanon getroffen. Zu möglichen Opfern gab es keine Angaben. Erst am Vortag hatte es an der Grenze zwischen den Ländern wieder Gefechte gegeben.

@ dpa.de