Abwrackprämie lässt Autohändler in NRW aufatmen: Seit drei Wochen Kaufansturm - Kleinwagen aus deutscher Produktion gefragt
Vergrößern Abwrackprämie lässt Autohändler in NRW aufatmen | Bild: ©

Düsseldorf (ddp-nrw). Seit Wochen drängen sich in den Ausstellungshallen der nordrhein-westfälischen Autohäuser die Kunden. Die von der Bundesregierung beschlossene Umweltprämie hat einen regelrechten Kaufansturm ausgelöst. Die Autohändler erfahren einer ddp-Umfrage zufolge seit Einführung der sogenannten Abwrackprämie von 2500 Euro einen rasant steigenden Absatz von kleinen und sparsamen Autos. Vom Kundeninteresse unberührt bleiben dagegen Automodelle mit höherer Volumenklasse sowie das Oberklasse-Segment der Premiumhersteller.

Insbesondere mit Kleinwagen erzielte etwa das Autohaus Schönauen in Solingen laut Geschäftsführer Franz-Josef Schönauen im vergangenen Monat fast das doppelte Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In fünf Betrieben seien im Januar 2008 257 Fahrzeuge verkauft worden, im Januar dieses Jahres seien es 380 Fahrzeuge gewesen. Darunter seien Neu- wie auch Jahreswagen.

«Wir werden von den Kunden gefragt, wo die Autos produziert werden«, berichtet Schönauen. Der Hinweis, dass etwa der Opel Corsa in Eisenach, also in Deutschland produziert werde, habe mehrfach zur Kaufentscheidung beigetragen. Da sich der Verkauf überproportional entwickelt habe, sei sofort bei den Herstellern nachgeordert worden. Opel habe deshalb in einigen Werken die Kurzarbeit wieder zurückgefahren.

Auch im Autohaus Kronenberger in Düsseldorf haben sich die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat verdoppelt, sagt Geschäftsführer Stefan Kronenberger. Dass auch bei ihm die Kunden vor allem Kleinwagen kaufen, findet er nicht verwunderlich. Schließlich machten 2500 Euro Prämie bei einem 10 000 Euro teuren Wagen mehr aus als bei einem Gefährt für 50 000 Euro. «Die Abwrackprämie hat uns aus dem Tal der Tränen herausgebracht», betont er. Der sofort verfügbare Lagerbestand sei inzwischen leergekauft. Voraussichtliche Lieferzeiten bis April seien noch nicht bedenklich für Antragsteller, die die Prämie bis zum 31. Dezember 2009 beantragen können.

Im Autohaus Weiner GmbH & Co. KG in Bochum ist inzwischen gut ein Viertel des Jahresziels verkauft, wie Prokuristin Birgit Weiner berichtet. Verfünffacht hat sich der Autoverkauf im Vergleich zum Dezember 2008 im Autohaus Lenz GmbH & Co. KG. mit Hauptsitz in Bielefeld. «Bis 16.00 Uhr hatten wir heute elf Aufträge abgeschlossen. Unsere Hauptverkaufzeit beginnt aber erst ab 17.00 Uhr», sagt Kristina Aufderheide von der Geschäftsleitung. Bestimmte Modelle wie der Kia Picanto, Mazda 2 oder Mitsubishi Colt Motion seien bereits ausverkauft.

Das Kundeninteresse beschränke sich auf einen schmales Segment, ergänzt der Geschäftsführer des Autohauses Schulz GmbH & Co. KG. in Münster, Rainer Schulz. Die Prämie spreche eine Käuferschicht an, die bereit sei, Beträge zwischen 9000 und 16 000 Euro auszugeben. Im Oberklasse-Segment der Premiumhersteller wie Audi, BMW und Mercedes gehe die Wirkung der Umweltprämie deshalb gegen null. «Die Kunden wissen genau, was sie wollen und fragen gezielt nach bestimmten Modellen», sagt Schulz. Dies bestätigt auch der BMW-Händler Procar mit 14 Standorten in NRW, wo die Prämie gar nicht zu spüren ist.

»Wenn die Prämie wie beabsichtigt wirkt, werden wir 2009 auf das Niveau wie 2008 kommen, als die Welt noch in Ordnung war', wagt Markus Ludewig, Geschäftsführer bei der Autohandelsgruppe Gottfried Schultz GmbH & Co. KG als Prognose. Noch sei alles zu haben.

Nichtsdestotrotz verweist der Verband des Kfz-Gewerbes Nordrhein-Westfalen auf die nahezu ausgezehrten Lagerbestände des Kfz-Handels in NRW und fordert Planungssicherheit durch die Behörden. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle solle wegen des begrenzten Angebots verbindliche Förderzusagen bis zu einem konkreten Stichtag, etwa den 31. Oktober 2009, machen.

(ddp)