Zuzahlungen, Euro

Zuzahlungen steigen auf 15 Euro: Apotheken fordern Entlastung vom Inkasso

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apotheken verlangen weniger Kassenaufgaben, strengere Versandhandelsregeln und mehr Präventionsarbeit angesichts neuer Sparvorgaben.

Deutscher Apothekertag: Forderungen nach Entlastung und Rx-Verbot
Innenansicht einer modernen Apotheke mit ordentlich sortierten Medikamentenregalen in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen des im September 2026 stattfindenden Deutschen Apothekertages (DAT) zeichnet sich eine deutliche Verschärfung der standespolitischen Forderungen ab. Im Zentrum der Debatte steht die Entlastung des pharmazeutischen Personals von administrativen Tätigkeiten, die über die eigentliche Gesundheitsversorgung hinausgehen. Insbesondere die Funktion der Apotheken als Einzugsstelle für Krankenkassenbeiträge wird zunehmend kritisch bewertet.

Administrative Belastung durch Inkasso-Tätigkeiten

Die deutschen Apotheken fordern eine grundlegende Befreiung von Aufgaben, die sie als versicherungsfremdes Inkasso-Geschäft definieren. Konkret geht es um das Eintreiben von Zuzahlungen sowie die Abwicklung von Herstellerrabatten für die gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

Datenerhebungen verdeutlichen die finanzielle Dimension dieser Tätigkeit: Im Jahr 2024 zogen die Apotheken insgesamt 2,6 Milliarden Euro an Zuzahlungen für die Kassen ein. Dies entspricht einem Durchschnittswert von 3,30 Euro pro abgegebener Arzneimittelpackung.

In entsprechenden Anträgen zum DAT wird vorgeschlagen, dass Krankenkassen diese Zuzahlungen künftig eigenständig einziehen und Herstellerrabatte direkt abrechnen sollen.

Ergänzend fordern Apothekerverbände eine angemessene Vergütung für den verbleibenden Aufwand beim Zuzahlungseinzug sowie eine Echtzeit-Prüfung der Zahlungsverpflichtungen über das E-Rezept. Eine entsprechende Anpassung des Sozialgesetzbuches (SGB V) wird als notwendiger Schritt zur rechtlichen Absicherung dieser Forderungen angesehen.

Wettbewerbsverzerrungen und Versandhandel

Ein wesentlicher Aspekt der aktuellen Diskussion ist der Wettbewerb mit dem Arzneimittel-Versandhandel. Apotheker kritisieren in offenen Briefen, dass ausländische Versandapotheken durch den Verzicht auf Zuzahlungen die geltende Preisbindung umgehen und sich so einen unfairen Marktvorteil verschaffen.

Die Vor-Ort-Apotheken dringen daher auf ein striktes Verbot des Zuzahlungserlasses für Versender, um die Gleichbehandlung im Markt sicherzustellen. Einige Anträge gehen so weit, ein grundsätzliches Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (Rx) zu fordern, sofern die Einhaltung der Preisregeln nicht flächendeckend garantiert werden kann.

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Gesetzlicher Rahmen und wirtschaftliche Auswirkungen

Die strukturellen Rahmenbedingungen haben sich durch das am 10. Juli 2026 vom Bundestag beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) massiv verändert. Das Gesetz sieht Einsparungen in Höhe von rund 18,8 Milliarden Euro bis zum Jahr 2027 vor. Für Versicherte bedeutet dies unter anderem steigende Zuzahlungen bei Medikamenten, die sich nun in einem Rahmen von 7,50 Euro bis 15 Euro bewegen.

Bereits seit dem 1. Juli 2026 ist zudem eine Apothekenreform in Kraft, die den Pharmazeuten erweiterte Befugnisse einräumt, etwa bei der Abgabe bestimmter Notfallmedikamente ohne vorheriges Rezept.

Während die Apothekerschaft diese Erweiterung als Aufwertung ihres Berufsstandes begrüßt, äußert die Ärzteschaft weiterhin Skepsis. Hintergrund dieser Reformbemühungen sind das anhaltende Apothekensterben sowie ein drohender Mangel in der hausärztlichen Versorgung.

Neue Rollen in der Prävention und Industriekritik

Parallel zu den wirtschaftlichen Forderungen positionieren sich die Apotheken verstärkt als Akteure der Primärprävention. Seit Juli 2026 sieht eine Präventionsoffensive des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vor, Apotheken stärker in Impfprogramme einzubinden, insbesondere bei Impfungen für Erwachsene ab 18 Jahren.

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Ein entsprechendes Konzeptpapier weist darauf hin, dass Volkskrankheiten jährliche Kosten von über 175 Milliarden Euro verursachen. Ein konkreter Gesetzesvorschlag zur weiteren Stärkung der Prävention wird für Anfang 2027 erwartet.

Aus der pharmazeutischen Industrie kommt derweil verhaltene Kritik an den aktuellen Sparmaßnahmen. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Kai Joachimsen, bezeichnete die Kritik am GKV-BStabG zwar als berechtigt, wertete es jedoch als positives Signal, dass das Ministerium über Änderungen am Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) diskutiere.

Auch Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, mahnte die negativen Folgen des Stabilitätsgesetzes an, begrüßte jedoch die Fortsetzung des Pharmadialogs, zu dem das Ministerium für den 3. September 2026 eingeladen hat. Kritisiert werden vor allem die zunehmende Komplexität bei Zulassungsverfahren und die Doppelbelastung durch neue EU-Regulierungen.

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