Zungenbrennen, Wechseljahren

Zungenbrennen: Etwa jede sechste Frau in oder nach den Wechseljahren betroffen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AOK-Daten zeigen mehr Schienenverordnungen in Schwaben; Fachleute betonen bei Kiefer- und Zungenbeschwerden differenzierte Behandlung.

Mehr Aufbissschienen in Bayern: Zähneknirschen und Zungenbrennen im Fokus
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Zahnarztpraxis mit Blick in einen herbstlichen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Zwei Entwicklungen aus dem Herbst 2026 werfen ein Schlaglicht darauf, wie eng Zahngesundheit, Stress und Prävention gerade bei älteren Menschen zusammenhängen: steigende Verordnungszahlen für Aufbissschienen in Bayern und Erkenntnisse zu Krankheitsbildern wie Zungenbrennen, die vor allem Frauen mittleren und höheren Alters betreffen. Fachleute ordnen die Trends unterschiedlich ein – zwischen medizinischer Notwendigkeit und kommerzieller Übertreibung.

Mehr Aufbissschienen, mehr Zähneknirschen

Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen vom 27. September 2026 verzeichnete die AOK Bayern im Regierungsbezirk Schwaben von Januar bis Juli 2026 einen Anstieg der Aufbissschienen-Verordnungen um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bayernweit lag der Zuwachs bei 6,1 Prozent. Die Zahlen deuten auf eine wachsende Zahl von Menschen hin, die unter Zähneknirschen oder Kieferverspannungen leiden.

Die Psychotherapeutin Hilde Urnauer von der Potsdamer Beratungsstelle „Seele und Zähne“ beschreibt laut dem Bericht die Verzweiflung vieler Betroffener als oft riesig. Einfache Aufbissschienen seien in den meisten Fällen ausreichend und wichtig – der zunehmende Trend zu teuren technischen Schienen sei ihrer Einschätzung nach häufig eher Geschäftemacherei als medizinische Notwendigkeit.

Eine differenziertere Sicht liefert die Zahnärztin und Osteopathin Dr. Michaela Brandner aus Berchtesgaden. Ihr zufolge weisen rund 80 Prozent der Patienten eine Myopathie auf, also eine Muskelerkrankung im Kieferbereich. Sie plädiert für eine interdisziplinäre Behandlung und verweist darauf, dass das Kiefergelenk als eine Art Ausgleichsgelenk für Fehlspannungen im gesamten Körper fungiere.

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Fachlich wird zwischen Wach- und Schlafbruxismus unterschieden. Während Wachbruxismus häufig mit bewusster oder unbewusster Anspannung tagsüber zusammenhängt, sollte Schlafbruxismus nach Einschätzung von Experten körperlich abgeklärt werden, da er auch auf andere gesundheitliche Zusammenhänge hinweisen kann.

Zungenbrennen: ein unterschätztes Leiden im Alter

Ein weiteres Thema, das besonders ältere Frauen betrifft, ist das sogenannte Zungenbrennen beziehungsweise die Glossodynie. Prof. Dr. Ina Nitschke von der Universität Leipzig, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin, erläuterte gegenüber der Frauenfinanzseite im September 2026, dass die Beschwerden vor allem die vorderen zwei Drittel der Zunge, die Zungenspitze und die Zungenränder betreffen.

Beim sogenannten Burning Mouth Syndrom weiten sich die Schmerzen zusätzlich auf Gaumen, Wangen und Mundschleimhaut aus. Der Schmerz könne täglich mehrere Stunden anhalten und sich im Tagesverlauf verstärken.

Besonders betroffen sind laut den Angaben Frauen mittleren und hohen Alters. Schätzungen zufolge leidet etwa jede sechste Frau in oder nach den Wechseljahren am Burning Mouth Syndrom, insgesamt sei etwa jeder 30. Erwachsene betroffen. Als mögliche Ursachen werden ein Mangel an Vitamin B12, Folsäure, Vitamin C oder Eisen genannt – Faktoren, die im höheren Lebensalter häufiger auftreten können.

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Zwischen Prävention und Übertherapie

Die beiden Entwicklungen verweisen auf ein größeres Spannungsfeld in der zahnmedizinischen Versorgung älterer Menschen: Einerseits nimmt die Zahl behandlungsbedürftiger Fälle – etwa durch Bruxismus oder chronische Mundschleimhautbeschwerden – erkennbar zu, wie die bayerischen AOK-Zahlen nahelegen. Andererseits mahnen Fachleute wie Urnauer davor, dass nicht jede Beschwerde eine teure technische Lösung erfordert.

Die Einschätzung von Dr. Brandner, wonach ein Großteil der Betroffenen eine muskuläre Komponente aufweist, legt nahe, dass eine rein zahnmedizinische Betrachtung oft zu kurz greift.

Interdisziplinäre Ansätze, die Zahnmedizin, Osteopathie und gegebenenfalls psychologische Beratung verbinden, könnten demnach helfen, sowohl die Ursachen von Kieferverspannungen als auch stressbedingte Beschwerden wie Zungenbrennen gezielter zu behandeln – insbesondere bei einer Patientengruppe, bei der körperliche und psychische Belastungen im Alter häufig zusammentreffen.

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de | wissenschaft | 70190208 |