Zuckerzufuhr bei Kindern: Studie zeigt doppelt so hohe Werte wie WHO empfiehlt
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Bundesregierung hat sich im August 2026 eine intensive Diskussion über die Ausweitung der Zuckersteuer entwickelt. Ein Eckpunktepapier aus dem Finanzministerium sieht vor, die bestehenden Regelungen auf ein deutlich breiteres Spektrum an Getränkeprodukten auszuweiten.
Die Pläne zielen darauf ab, nicht mehr nur klassische Erfrischungsgetränke zu belasten, sondern auch Produkte wie Fruchtnektar, Haferdrinks, Smoothies und getreidebasierte Getränke steuerlich zu erfassen. Auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke, Fertigkaffees sowie zuckerfreie Limonaden, sogenannte Zero-Getränke, sollen nach diesen Entwürfen künftig besteuert werden.
Staffelung der Steuersätze und finanzielle Ziele
Die geplanten Steuersätze orientieren sich am Zuckergehalt der jeweiligen Produkte. Für Getränke mit einem Anteil von 4,5 bis 7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sieht das Finanzministerium eine Abgabe von 26 Cent pro Liter vor. Steigt der Zuckergehalt auf 7 bis 10 Gramm, soll der Satz auf 32 Cent pro Liter klettern.
Produkte mit mehr als 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter würden mit 38 Cent pro Liter am stärksten belastet. Eine Besonderheit betrifft Süßstoffgetränke: Diese sollen unabhängig von ihrem Zuckergehalt pauschal mit 26 Cent pro Liter belegt werden.
Die fiskalischen Erwartungen an diese Maßnahme sind konkret beziffert. Für das Jahr 2027 kalkuliert die Bundesregierung mit Einnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro. Ab dem Jahr 2028 sollen die jährlichen Einnahmen bei 450 Millionen Euro liegen.
Zum Vergleich: Laut Schätzungen belaufen sich die aktuellen Einnahmen aus der Besteuerung von Erfrischungsgetränken bereits auf etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr. Während der Start der neuen Regelungen ursprünglich für das Jahr 2028 vorgesehen war, sehen die aktuellen Pläne aus dem August 2026 eine Vorziehung auf das Jahr 2027 vor.
Auswirkungen auf Verbraucherpreise und Kritik an der Umsetzung
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Die Einführung der Steuer hätte spürbare Auswirkungen auf die Ladenpreise. Berechnungen verdeutlichen dies an Beispielen: Ein 2-Liter-Eistee könnte von derzeit 2,10 Euro auf 2,72 Euro steigen, während der Preis für einen Liter Cola von 1,23 Euro auf 1,68 Euro anwachsen würde. Von der Steuer ausgenommen blieben nach aktuellem Stand lediglich reine Milch sowie Säfte aus 100 Prozent Fruchtanteil.
Kritik an dem Vorhaben kommt von verschiedenen Seiten. Verbände und Kommentatoren werfen der Regierung vor, die Steuer primär zum Schließen von Haushaltslöchern zu nutzen, statt die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu fördern. In diesem Zusammenhang fallen Begriffe wie „Mogelpackung“ oder „Etikettenschwindel“, da die Einnahmen direkt in den allgemeinen Bundeshaushalt fließen sollen.
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Ursprünglich war die Steuer zur Gegenfinanzierung des Gesundheitssystems angedacht gewesen. Innerhalb der SPD-Basis wird ebenfalls Unzufriedenheit über die Ausgestaltung laut, während Kritiker die Liste der betroffenen Produkte bereits als „Giftliste“ bezeichnen.
Politischer Widerstand und ernährungswissenschaftlicher Kontext
Innerhalb der Ministerien herrscht Uneinigkeit über den eingeschlagenen Weg. Das Agrarministerium hat einen Leitungsvorbehalt eingelegt und lehnt die aktuellen Entwürfe ab. Es warnt insbesondere vor einer Abweichung von den bestehenden Empfehlungen der EU-Kommission.
Auch in der Opposition formiert sich Widerstand. Unions-Sprecherin Borchardt erklärte die Ablehnung der Besteuerung von Zero-Getränken und wies auf interne Unstimmigkeiten innerhalb der Union hinsichtlich der geplanten Ausweitung hin.
Der Hintergrund dieser politischen Debatte wird durch aktuelle Daten zum Ernährungsverhalten gestützt. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie (KiESEL/EsKiMo II) zeigt, dass die Zufuhr von freien Zuckern bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 17 Jahren ab einem Alter von drei Jahren deutlich zu hoch ist.
Mit Werten zwischen 16,7 und 18,8 Prozent der Gesamtenergie liegt der Konsum signifikant über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die einen Wert von unter 10 Prozent vorsieht. Als Hauptquellen für diese Zuckerzufuhr identifizierten die Forscher neben Süßigkeiten vor allem Säfte und Softdrinks.
