Zuckerersatz Süvy: Nur 48 Kilokalorien und ein glykämischer Index unter 2
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:21 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Suche nach funktionellen Alternativen zu herkömmlichem Haushaltszucker gewinnt in der Lebensmitteltechnologie weiter an Bedeutung. Während klassischer weißer Zucker mit rund 400 Kilokalorien pro 100 Gramm zu Buche schlägt und den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen lässt, zielen aktuelle Entwicklungen auf eine deutliche Reduktion der physiologischen Auswirkungen ab. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl neuartige Ersatzstoffe als auch biochemische Modifikationen traditioneller Saccharose.
Sieben Jahre Forschung für kalorienreduzierten Zuckerersatz
Ein konkretes Beispiel für diesen Trend liefert das Produkt Süvy, das von den Laboratoires Innovi in Layrac bei Agen im französischen Département Lot-et-Garonne entwickelt wurde.
Wie aus einem Bericht von Mitte Oktober 2026 hervorgeht, liefert die Alternative lediglich rund 48 Kilokalorien pro 100 Gramm. Die Rezeptur basiert auf Erythritol aus Fruchtfermentation sowie Polydextrose. Durch diese Zusammensetzung liegt der glykämische Index des Produkts unter 2.
Die Entwicklung dieses Ersatzstoffs beanspruchte laut dem Bericht sieben Jahre Forschungsarbeit. Um die Produktion im industriellen Maßstab zu realisieren, investiert Innovi 15 Millionen Euro in ein neues Werk am Standort Layrac.
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Die Relevanz solcher Produkte für die Ernährungsmedizin ist hoch: Nach Angaben der Organisation federationdesdiabetiques.org leben in Frankreich mehr als 4 Millionen Menschen mit Diabetes.
Erhältlich ist das Produkt derzeit auf der offiziellen Website ab 6,10 Euro für 250 Gramm, was einem Kilopreis von 24,40 Euro entspricht. Zudem wird der Ersatzstoff seit Ende August in den Galeries Lafayette in Paris vertrieben.
Modifizierte Saccharose aus brasilianischer Forschung
Neben eigenständigen Ersatzstoffen verfolgt die Wissenschaft auch Ansätze, die Eigenschaften von Rohrzucker direkt zu verändern. Forschende des brasilianischen PBIS-Konsortiums, dem die Universität Unicamp, das Technologieinstitut Ital und die Universität USP angehören, entwickelten eine modifizierte Saccharose aus Zuckerrohr. Dabei wird der glykämische Index durch den Zusatz von Phenol-Extrakten gesenkt, die aus fehlerhaften grünen Kaffeebohnen sowie Erdnussschalen gewonnen werden, ohne dass sich der gewohnte Geschmack verändert.
Das PBIS-Konsortium umfasst neun Unternehmen und wird seit 2021 durch die Forschungsförderung Fapesp unterstützt, koordiniert von Dr. Juliana Macedo von der Unicamp. Durch ein Verfahren der Cokristallisation in der Saccharose-Matrix gelang es laut der Unicamp-Doktorandin Regiane de Brito Vieira, die Einlagerungskapazität um das 7,5-fache zu steigern.
Klinische Tests und geplante Verwertung
Die physiologische Wirkung dieser Entwicklung wurde in einer klinischen Studie mit 25 Freiwilligen über einen Zeitraum von sechs Tagen untersucht. Die Mischung aus Erdnuss- und Kaffee-Cokristallen senkte den glykämischen Index der Saccharose von einem mittleren auf ein niedriges Niveau.
Gemessen wurde dieser Effekt anhand des Blutzuckerverlaufs zwei Stunden nach dem Verzehr. Der genaue Kaloriengehalt des neuen Rohrzuckers ist bislang noch nicht abschließend geprüft worden, dürfte jedoch nach vorläufigen Annahmen dem von konventioneller Saccharose entsprechen.
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Die PBIS-Forscher haben das Produkt bereits in Lebensmitteln wie Milchschokolade sowie in grünem Tee mit Ananasnektar erprobt. Für die Kristallform, die sich vor allem an die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie richtet, wurde bereits ein Patentantrag beim brasilianischen Patentamt INPI eingereicht.
Gisele Anne Camargo vom PBIS stuft den technologischen Reifegrad aktuell bei TRL 5 bis 6 ein. Vorgesehen ist eine Markteinführung als lizenzierbares Technologiepaket, wobei die Mitgliedsunternehmen des PBIS ein entsprechendes Vorrecht besitzen. Als nächster wissenschaftlicher Schritt sind Untersuchungen der Auswirkungen auf das Mikrobiom gemeinsam mit der Universität Bologna geplant.
