Zucker und Antibiotika: Studie zeigt 24,1 Prozent weniger Darmvielfalt
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 23:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Fachjournal Nature datierte Untersuchung vom 30. September 2026 (doi: 10.1038/s41586-026-11077-3) deutet darauf hin, dass eine zuckerarme Ernährung während einer Antibiotika-Therapie dazu beitragen könnte, die Vielfalt der Darmbakterien besser zu bewahren.
Das Zusammenspiel von Breitbandantibiotika und hohem Zuckerkonsum kann das mikrobielle Gleichgewicht im Darm empfindlich stören und die Ausbreitung potenziell schädlicher Erreger begünstigen.
Deutlicher Rückgang der mikrobiellen Vielfalt
Grundlage der Untersuchung waren Daten des Memorial Sloan Kettering Cancer Center aus den Jahren 2017 bis 2022. Die Forscher analysierten 9.419 Mahlzeiten von 173 hospitalisierten Patienten mit Blutkrebserkrankungen, die vor einer Stammzelltransplantation standen. Für 158 dieser Patienten lagen zudem 1.009 Mikrobiom-Stuhlproben vor.
Die Auswertungen zeigten, dass während einer Behandlung mit Breitbandantibiotika pro 100 Gramm zusätzlich konsumierter Lebensmittel aus der Gruppe „Zucker, Süßigkeiten und gesüßte Getränke“ die mittlere ?-Diversität des Darmmikrobioms rechnerisch um 24,1 Prozent sank.
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Eine spezifische Makronährstoffanalyse wies für Zucker einen zusätzlichen Rückgang um 20,6 Prozent aus. Betrachteten die Forscher die Zuckeraufnahme in den 48 Stunden rund um die Antibiotikatherapie, ging die Vielfalt im Darm pro 100 Gramm Zucker um 21 Prozent zurück.
Darüber hinaus war ein überdurchschnittlicher Zuckerkonsum mit einem statistischen Risiko verbunden: Bei betroffenen Patienten stieg das Sterberisiko nach der Transplantation mit jedem zusätzlichen Tag einer Breitbandantibiotika-Gabe um 12 Prozent (Hazard Ratio 1,12; P=0,027). Bei Patienten mit geringer Zuckeraufnahme war dieser Zusammenhang mit einer Hazard Ratio von 1,07 (P=0,23) statistisch nicht signifikant.
Zunahme resistenter Keime im Labor
Neben dem Verlust an Diversität beobachteten die Wissenschaftler eine Zunahme des Erregers Enterococcus faecium. Parallel durchgeführte Versuche an Mäusen bestätigten dieses Phänomen.
Erhielten die Tiere eine Kombination aus dem Breitbandantibiotikum Biapenem und Saccharose, stieg die Menge an Enterokokken bis zum dritten Tag auf das 16,3-Fache (P=0,048) und erreichte bis zum sechsten Tag das 33,4-Fache (P=0,001) im Vergleich zu Kontrollen. Der zugesetzte Zucker verstärkte die durch das Medikament ausgelöste Erregerausbreitung massiv.
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Grenzen der Übertragbarkeit und weitere Forschung
Trotz der deutlichen Signale betonen Fachleute, dass die Ergebnisse im Kontext der spezifischen Kohorte betrachtet werden müssen. Die Untersuchung war nicht randomisiert und erfasste schwer erkrankte Krebspatienten unter intensiver stationärer Therapie. Die Resultate lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf gesunde Menschen oder ambulante Standardbehandlungen mit Antibiotika übertragen.
Zudem wurde eine direkte präventive Schutzwirkung einer gezielten Zuckerreduktion in der Studie selbst nicht intervenierend geprüft; entsprechende Formulierungen entstammten einer Pressemitteilung des City of Hope National Medical Center. Fachleute halten eine pauschale Empfehlung zum vollständigen Zuckerverzicht für verfrüht.
Sinnvoll bleibe nach bisherigen ernährungswissenschaftlichen Grundsätzen vor allem die Reduktion von freiem, zugesetztem Zucker, nicht aber das Streichen von Obst oder Milchprodukten. Ob eine gezielte diätetische Zuckerreduktion die klinischen Ergebnisse künftig tatsächlich verbessert, müssen randomisierte klinische Studien klären.
