Zucker, Antibiotika

Zucker und Antibiotika: Studie zeigt 24,1 Prozent Verlust der Darmvielfalt

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei antibiotisch behandelten Krebspatienten ging höherer Zuckerkonsum mit geringerer Darmbakterienvielfalt und mehr Enterococcus faecium einher.
Sterile Laborausstattung in einer klinischen Umgebung mit Glasbehältern auf einer Edelstahloberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Eine zuckerreiche Ernährung kann während einer Behandlung mit Breitspektrum-Antibiotika das mikrobielle Gleichgewicht im Darm empfindlich stören. Laut einer in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie vom 30. September 2026 verstärkt ein hoher Zuckerkonsum unter antibiotischer Medikation die Dysbiose des Mikrobioms und begünstigt die Ausbreitung potenziell gefährlicher Keime wie Enterococcus faecium.

Die Untersuchung wurde gemeinsam von Forschenden der NYU Langone Health, des City of Hope sowie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center durchgeführt.

Deutlicher Rückgang der bakteriellen Vielfalt

Die wissenschaftliche Untersuchung stützt sich auf Daten von 173 hospitalisierten Krebspatienten, die sich einer allogenen hämatopoetischen Stammzellitransplantation unterzogen hatten.

Rund 80 Prozent beziehungsweise 138 dieser Patienten erhielten nach dem Auftreten von Fieber oder bei Infektionsverdacht Breitspektrum-Antibiotika. Im Rahmen der Analyse wurden 9.419 Mahlzeiten dokumentiert sowie über 1.000 Stuhlproben von 158 Patienten ausgewertet, wobei 1.009 Proben in die Hauptanalyse eingingen.

Die Auswertungen zeigten messbare Veränderungen der mikrobiellen Zusammensetzung: Pro zusätzliche 100 Gramm Zucker in den 48 Stunden vor der Behandlung sank die Alpha-Diversität des Darmmikrobioms um 21 Prozent.

Während der Gabe von Breitspektrum-Antibiotika war jede Zunahme um 100 Gramm süßer Lebensmittel pro Tag (bezogen auf das Trockengewicht) mit einem Diversitätsverlust von 24,1 Prozent verbunden. Eine nährstoffbasierte Modellierung ergab einen Rückgang um 20,6 Prozent pro zusätzliche 100 Gramm Zucker.

Fachleute weisen darauf hin, dass dieser rechnerische Verlust von rund 24 Prozent auf statistischen Gewichtsmodellen beruht und nicht eins zu eins mit dem Verzehr von 100 Gramm Gebäck gleichzusetzen ist. Bemerkenswert blieb, dass dieser Zusammenhang ausschließlich während der Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika auftrat, nicht jedoch außerhalb dieser Medikation.

Anzeige

Wer sich mit dem Einfluss der Ernährung befasst, sollte auch die Rolle von stillen Entzündungen im Körper kennen. Dieser kostenlose Selbsttest verrät, ob Ihr Körper heimlich unter Entzündungen leidet – und was Sie dagegen tun können. 12 stärkste Entzündungs-Killer entdecken

Vermehrung resistenter Erreger im Tiermodell

Neben dem Diversitätsschwund beobachteten die Forschenden eine gezielte Expansion von Enterococcus faecium, die nach dem Ende der Antibiotika-Gabe etwa acht Tage anhielt. Unter den sich vermehrenden Bakterien befanden sich auch Vancomycin-resistente Stämme, die schwere systemische Infektionen im Blutkreislauf verursachen und bei Knochenmarktransplantationen das Risiko einer lebensgefährlichen Graft-versus-Host-Reaktion erhöhen können.

Ergänzende Laborexperimente an Mäusen bestätigten dieses Zusammenspiel unter standardisierten Bedingungen. Bei einer kombinierten Gabe des Antibiotikums Biapenem und Saccharose stieg die Enterococcus-Population an Tag drei um das 16,3-Fache und an Tag sechs um das 33,4-Fache gegenüber einer alleinigen Antibiotika-Gabe an.

Die Beigabe von Saccharose verstärkte und verlängerte somit die medikamentös induzierte Erregerausbreitung. Bei den beobachteten Patienten mit überdurchschnittlichem Zuckerkonsum zeigte sich zudem ein um rund 12 Prozent erhöhtes Sterberisiko nach der Stammzelltransplantation; bei hohem Zuckerkonsum war jeder zusätzliche Tag einer Antibiotikatherapie mit einem um 12 Prozent gesteigerten Mortalitätsrisiko verbunden.

Anzeige

Was haben Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit gemeinsam? Die überraschende Antwort zur Rolle einer antientzündlichen Ernährung steckt in diesem kostenlosen Ratgeber, den bereits tausende Menschen heruntergeladen haben. Kostenlosen Ernährungs-Ratgeber jetzt sichern

Einordnung und Grenzen der Beobachtungsdaten

Studienleiter Dr. Marcel van den Brink vom City of Hope sprach sich dafür aus, während einer Antibiotika-Therapie auf Süßes zu verzichten. Co-Autor Jonas Schluter von NYU Langone verwies darauf, dass eine gezielte Reduktion von Zucker während und unmittelbar nach der Medikation Mikrobiom-Schäden verringern könnte, hierfür jedoch weiterführende klinische Studien erforderlich seien.

Die Autoren betonen zugleich die methodischen Grenzen: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist ein direkter Kausalzusammenhang formal nicht bewiesen, und der genaue biologische Mechanismus bleibt unklar.

Die Ergebnisse lassen sich zudem nicht auf gesunde Personen übertragen, die kurzzeitig Standardpräparate wie Penicillin einnehmen. Für gesunde Menschen besteht kein Anlass für eine generelle Zucker-Abstinenz; Patienten mit geschwächtem Immunsystem sollten wiederum vor der Einnahme probiotischer Mittel ärztlichen Rat einholen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70326370 |