Zucker und Antibiotika: 100 Gramm senken die Vielfalt der Darmbakterien um 21 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerdauungsbeschwerden, anhaltende Erschöpfung oder plötzliche Heißhungerattacken können auf ein Ungleichgewicht im Magen-Darm-Trakt hindeuten. Ein aktueller Ratgeberbeitrag fasst sieben zentrale Warnsignale zusammen, die auf eine beeinträchtigte Darmflora hinweisen: Neben Blähungen, Verstopfung und Durchfall zählen dazu auch Hautprobleme, eine erhöhte Infektanfälligkeit, ausgeprägte Müdigkeit sowie ein starkes Verlangen nach Zucker.
Da der Darm von 10 bis 100 Billionen Bakterien besiedelt wird und rund 70 Prozent der Immunzellen im Verdauungstrakt verortet sind, wirken sich Dysbalancen rasch auf den gesamten Organismus aus. Zudem entsteht über 90 Prozent des Botenstoffs Serotonin im Mikrobiom.
Auslöser von Dysbalancen und die Rolle der Ernährung
Als bedeutendster Einzelfaktor für eine gestörte Darmflora gilt in der pharmazeutischen Beratung eine Behandlung mit Antibiotika. Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung vom 30. September 2026 an 173 Blutkrebspatienten mit allogener Stammzelltransplantation belegt diesen Einfluss: Rund 80 Prozent der Teilnehmenden erhielten mindestens ein Breitbandantibiotikum.
Bei 158 ausgewerteten Personen zeigte sich, dass eine hohe Zuckerzufuhr während der Antibiotikatherapie die Artenvielfalt der Darmbakterien weiter senkte. Zusätzliche 100 Gramm Zucker in den zwei Tagen vor einer Stuhlprobe waren im Schnitt mit einem weiteren Rückgang des Vielfaltsmaßes um rund 21 Prozent verbunden.
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Im ergänzenden Tiermodell führte die Kombination des Antibiotikums Biapenem mit zuckerreicher Kost an Tag drei zu einer etwa 16-fach und an Tag sechs zu einer etwa 33-fach höheren Belastung mit Enterokokken im Vergleich zu einer Ernährung ohne Zuckerzusatz.
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, maximal zehn Prozent der täglichen Gesamtenergie über freie Zucker aufzunehmen, was bei 2.000 Kilokalorien etwa 50 Gramm entspricht.
Zudem rät die DGE Erwachsenen ab 19 Jahren zu einer Aufnahme von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag – ein Richtwert, der in der Bevölkerung im Durchschnitt deutlich unterschritten wird.
Einfluss von Lebensstil und Industrialisierung
Über die Ernährung hinaus beeinflussen Umweltfaktoren die mikrobielle Zusammensetzung. Eine Doppelpublikation von Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in der Fachzeitschrift Cell verdeutlicht, dass ein industrialisierter Lebensstil zu homogeneren und artenärmeren Mikrobiomen führt.
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Menschen in Kiel wiesen dabei eine sehr ähnliche Zusammensetzung an Bakterienarten auf wie Personen im weit entfernten Kuala Lumpur. Mit dem Rückgang der Artenvielfalt verringerten sich funktionale Ausweichmöglichkeiten bakterieller Netzwerke, während gleichzeitig erhöhte Entzündungsmarker messbar waren.
Ein geschwächter Darm kann auch die Barrierefunktion beeinträchtigen: Wiederkehrende Durchfälle, Allergien oder eine geschwächte Abwehrkraft gelten als mögliche Folgen einer durchlässigen Schleimhaut.
Zur Unterstützung und Regeneration der Darmflora empfehlen Ernährungsexperten eine pflanzenbetonte Kost mit fermentierten Lebensmitteln und einer Vielfalt von rund 30 unterschiedlichen Pflanzenarten pro Woche.
Eine Regeneration benötigt Zeit: Ratgeber verweisen darauf, dass erste Verbesserungen des Wohlbefindens nach zwei bis drei Wochen auftreten können, während nachhaltige Effekte meist sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen.
