Zucker und Antibiotika: 100 Gramm mehr gingen mit 21 Prozent weniger Darmvielfalt einher
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im September 2026 im Fachjournal Nature erschienene Untersuchung von Forschenden der NYU Langone Health, City of Hope und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center liefert neue Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Medikamenten.
Bei hospitalisierten Blutkrebspatienten, die sich einer Stammzelltransplantation unterzogen, ging ein höherer Zuckerkonsum während einer Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika mit einem verstärkten Verlust der bakteriellen Vielfalt im Darm einher. Zudem wurde eine vermehrte Ausbreitung potenziell krankheitserregender Bakterien festgestellt.
Rückgang der bakteriellen Vielfalt im Patientendarm
Als Datengrundlage der Forschungsarbeit dienten 9.419 erfasste Mahlzeiten von 173 Patienten, deren Transplantationen im Zeitraum von 2017 bis 2022 stattfanden. Ergänzend analysierten die Wissenschaftler 1.009 Stuhlproben von 158 Teilnehmern, wobei jeweils die Zuckeraufnahme der zwei Tage vor der Probennahme ausgewertet wurde.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen quantitativen Zusammenhang: Je 100 Gramm zusätzlichem Zucker in den 48 Stunden vor der Antibiotika-Gabe sank die mikrobielle Diversität um weitere 21 Prozent.
Eine detaillierte Nährstoffanalyse ergab einen durchschnittlichen Rückgang der Diversität von 20,6 Prozent je 100 Gramm gesteigerter Zufuhr; bei unterbrochener Antibiotika-Exposition lag dieser Wert bei 24,1 Prozent je 100 Gramm.
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Ohne den Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika ließ sich diese Assoziation in den Daten nicht in gleicher Weise beobachten. Eine Menge von 100 Gramm Zucker entspricht rund 25 Teelöffeln. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt täglich weniger als 6 Teelöffel freien Zucker.
Vermehrung problematischer Keime in Laborversuchen
Neben dem allgemeinen Verlust an Bakterienarten war die erhöhte Zuckeraufnahme mit einem Anstieg von Enterococcus faecium assoziiert. Diese Bakterienart ist in der klinischen Praxis dafür bekannt, schwer behandelbare Infektionen auszulösen.
Begleitende Mausversuche stützten die klinischen Beobachtungen. Bei den Tieren verstärkte und verlängerte die Gabe von Saccharose die Ausbreitung von Enterokokken deutlich: Wurden Antibiotika und Zucker kombiniert, vermehrten sich die Keime an Tag drei um das 16,3-Fache und an Tag sechs um das 33,4-Fache. Blieb die Antibiotikabehandlung aus, zeigte sich hingegen kein signifikanter Anstieg der Bakterienlast.
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Methodische Einordnung und klinische Relevanz
Die beteiligten Wissenschaftler regen an, dass Patienten während einer Behandlung mit Antibiotika den Konsum von Süßem reduzieren könnten. Seitens des Forschungsteams wies Dr. van den Brink darauf hin, dass es für den Nutzen von Probiotika in diesem Umfeld keine starken Belege gebe, eine Einschränkung des Zuckerkonsums jedoch ohne gesundheitliche Nachteile bleibe.
Gleichzeitig betonen die Forschenden die Grenzen der Arbeit. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, sind die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht vollständig geklärt. Ein direkter kausaler Nachweis sowie der konkrete klinische Nutzen einer gezielten Zuckerreduktion stehen weiterhin aus, weshalb bislang keine offiziellen Leitlinienempfehlungen ausgesprochen wurden.
Um die Ergebnisse abzusichern und zu prüfen, inwieweit sich die Erkenntnisse über schwer kranke Patientengruppen hinaus übertragen lassen, sind weitere klinische Untersuchungen erforderlich.
