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Zucker in den ersten 1.000 Tagen: Studie findet weniger Krebs im späteren Leben

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 21:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Historische Daten verbinden frühe Zuckerbegrenzung mit weniger Krebs- und Demenzfällen; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.
Frisches, unverarbeitetes Gemüse und Vollkornprodukte auf einem Holztisch, symbolisch für gesunde Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine reduzierte Zuckeraufnahme im frühen Lebensalter das Risiko für Krebserkrankungen im späteren Leben senken kann. Im Zentrum dieser Erkenntnisse stehen historische Daten zur britischen Zuckerrationierung zwischen 1942 und 1953, die Forschenden als natürliches Experiment dienen.

Die Auswertungen zeigen, dass die Ernährung in den ersten 1.000 Tagen von der Empfängnis an weitreichende Auswirkungen auf die langfristige Gesundheit und die biologische Alterung haben kann.

Historische Daten belegen geringere Krebsinzidenz

In einer im Fachjournal PNAS erschienenen Studie analysierten C. Zhu und W. Zhang Datensätze der UK Biobank von Personen, die während und nach der Nachkriegsrationierung geboren wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine längere phase der Zuckerrestriktion in den ersten 1.000 Tagen des Lebens mit einer deutlich verringerten Inzidenz mehrerer Krebsarten einhergeht. Demnach verringerte sich das Auftreten von Leberkrebs sowie intrahepatischen Cholangiokarzinomen um 69 Prozent und das von Prostatakrebs um 52 Prozent.

Bei Lungenkrebs lag der Rückgang bei 41 Prozent, bei Rektumkrebs bei rund 40 Prozent und bei Brustkrebs bei 36 Prozent. Eine Untersuchung an über 64.000 in Großbritannien zwischen 1951 und 1956 Geborenen bestätigte dieses Muster bei diesen fünf Krebsarten.

Die Forschenden stellten zudem fest, dass die Betroffenen längere Leukozyten-Telomere aufwiesen, was rechnerisch rund 2,2 Jahren weniger biologischer Alterung entspricht. Dabei erwies sich vor allem die postnatale Zuckerbegrenzung als ausschlaggebend, während eine rein intrauterine Exposition keinen signifikanten Effekt zeigte.

Zudem behielten die Personen aus der Rationierungsgruppe auch fünf Jahrzehnte später ein gesünderes Ernährungsverhalten mit weniger Zucker und höherer Vielfalt bei.

Langfristige Effekte auf Demenz und Stoffwechsel

Auch andere Forschungsteams nutzten die britische Nachkriegszeit für Kohortenanalysen. Eine Untersuchung von Zheng und Kollegen der HKUST, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Neurology, wertete die Daten von 64.737 Personen aus.

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Während der Rationierung galt für Erwachsene ein Grenzwert von maximal 40 Gramm Zucker pro Tag, während für Kinder unter zwei Jahren keine Zuteilung vorgesehen war. Nach dem Ende der Rationierung im Jahr 1953 verdoppelte sich der Pro-Kopf-Verbrauch binnen eines Jahres auf 80 Gramm pro Tag.

Die Auswertung ergab für Personen, die vor der Geburt und im ersten Lebensjahr rationiert aufwuchsen, ein um 21 Prozent geringeres Demenzrisiko (388 Fälle bei 15.025 Teilnehmenden).

Bei einer Rationierung bis zum zweiten Lebensjahr lag das Risiko um 23 Prozent niedriger (456 Fälle bei 15.256 Teilnehmenden), verglichen mit Personen, die erst nach Aufhebung der Maßnahmen geboren wurden (504 Fälle bei 23.774 Teilnehmenden).

Die Erkrankung im Durchschnitt 2,55 Jahre später auf. Die Forschenden weisen darauf hin, dass es sich hierbei um Assoziationen und nicht um nachgewiesene Kausalitäten handelt.

Frühere Arbeiten der University of Southern California zeigten bei einer Rationierung in den ersten 1.000 Tagen zudem ein um 35 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und 20 Prozent weniger Bluthochdruck. Eine Auswertung der University of Surrey ergab ein um 33 Prozent geringeres Angststörungsrisiko.

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Bedeutung von Süßgetränken und Ernährungsempfehlungen

Studien zum aktuellen Konsum verdeutlichen die Risiken freier Zucker. Laut einer Untersuchung im Journal Gastro Hep Advances an über 112.000 Personen verdreifacht ein Konsum von mehr als einem zuckergesüßten Getränk pro Tag das Magenkrebsrisiko im Vergleich zu seltenem Verzehr nahezu (16,3 versus 7,7 Fälle pro 100.000 Personenjahre).

Eine französische Untersuchung aus dem BMJ bezifferte den Risikoanstieg pro 100 Milliliter gezuckerter Getränke pro Tag auf 18 Prozent für Gesamtkrebs und 22 Prozent für Brustkrebs; bei reinem Fruchtsaft lag das Plus bei 12 Prozent.

US-Wissenschaftler warnen im Fachblatt des Berufsverbands für Ernährung und Diätetik, dass Kleinkinder große Zuckermengen über Fruchtsäfte und gesüßte Joghurts aufnehmen, und raten vom Konsum dieser Produkte unter zwei Jahren ab.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für diese Altersgruppe einen vollständigen Verzicht auf zuckergesüßte Getränke, die EU-Richtlinie sieht unter zwei Jahren weniger als 15 Gramm freien Zucker pro Tag vor.

In Deutschland, wo der durchschnittliche Verzehr bei 83 Gramm täglich liegt und fast 26 Gramm allein aus Softdrinks stammen, wird eine Zuckersteuer vorbereitet. Fachmediziner raten generell zu einer Reduktion stark verarbeiteter Produkte und verweisen auf die mediterrane Ernährung.

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