Zollgebühr, Euro

Zollgebühr ab Juli: Drei Euro gegen Schmuggelflut aus Asien

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 10:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Zollbehörden melden Rekordsicherstellungen bei illegalen Medikamenten. Neue EU-Zollgebühren und strengere Haftung für Online-Plattformen ab 2026.

Zoll-Rekorde und neue Regeln: Kampf gegen illegale Arzneimittelimporte
Hände eines Zollbeamten in blauen Handschuhen, die ein verdächtiges Paket mit Medikamenten darin auf einem Förderband inspizieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zollbehörden melden Rekordzahlen bei Sicherstellungen – insbesondere aus dem boomenden Onlinehandel mit Nicht-EU-Staaten.

Entscheidend fürs Strafmaß: BtMG oder AMG?

Die rechtliche Einordnung beschlagnahmter Substanzen ist knifflig. Entscheidend ist die Zusammensetzung: Reines Tilidin ohne Naloxon gilt als Betäubungsmittel – die illegale Einfuhr zieht ein Strafverfahren nach sich. Bei geringen Mengen kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen.

Anders sieht es bei Diazepam oder Tilidin-Kombinationen mit Naloxon aus. Sie fallen unter das Arzneimittelgesetz. Die unbefugte Bestellung wird meist als Ordnungswidrigkeit geahndet. Ein Fachanwalt für Strafrecht warnt: Bei gewerblicher Weitergabe oder gefälschten Rezepten drohen strafrechtliche Ermittlungen.

Die Folgen reichen bis zum Führerschein. Bei Betäubungsmitteln gilt oft Null-Toleranz. Bei Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz sehen die Gerichte differenzierter.

Zoll im Dauereinsatz: 985 Fälle in Vorpommern

Das Hauptzollamt Karlsruhe gewährte Mitte Juli Einblicke in die operative Arbeit. Parallel dazu belegen Zahlen aus Stralsund den hohen Kontrolldruck. Bis Ende Juni registrierte der Landkreis Vorpommern-Greifswald 985 illegale Einfuhren. Neben Tabak und Waffen standen Cannabis und Amphetamine im Fokus.

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Auch die organisierte Kriminalität gerät unter Druck. Am 12. Juli durchsuchten 120 Beamte in Hessen 25 Objekte. Die Ausbeute: Kokain, Amphetamine und Haschisch. Einen Tag zuvor zeigte eine internationale Kontrolle in Amsterdam-Noord ähnliche Muster – neben harten Drogen fanden die Ermittler große Mengen illegaler Medikamente.

Neue Zollgebühr: Schluss mit Steuerschlupflöchern?

Der rasante Anstieg der Paketflut hat einen klaren Treiber: den Onlinehandel aus Nicht-EU-Staaten. Seit dem 1. Juli gilt eine pauschale Zollgebühr von drei Euro pro Warengruppe für Sendungen unter 150 Euro Wert. Die EU will damit Steuerschlupflöcher stopfen, die Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress jahrelang nutzten.

Die Zahlen zeigen die Dimension: Im zweiten Quartal machten diese Anbieter bereits 5,3 Prozent des deutschen Onlinehandelsumsatzes aus – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch es geht nicht nur um Steuern. Stichproben belegen, dass zahlreiche importierte Waren die Grenzwerte der REACH-Verordnung massiv überschreiten. Phthalate, PFAS, Blei oder Cadmium – die Liste der gefundenen Schadstoffe ist lang. Experten fordern eine verstärkte Marktüberwachung. Ab März 2026 werden Plattformbetreiber zudem rechtlich als Importeure eingestuft und haften stärker.

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Gefälschte Rezepte und digitale Pannen

Der Schmuggel ist nicht das einzige Problem. In Nürnberg nahm die Polizei am 10. Juli einen Mann fest, der mit einem gefälschten Rezept das Beruhigungsmittel Tavor beziehen wollte. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten weitere gefälschte Dokumente.

Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens zeigt Schwachstellen. Mitte Juli berichteten Apothekenverbände von massiven Problemen bei der Abrechnung von E-Rezepten. Grund: fehlende oder ungültige Arztsignaturen wegen abgelaufener Zertifikate. Die Krankenkassen verweigern die Erstattung – für Apotheken ein wirtschaftliches Risiko.

Ein besonders schwerer Fall beschäftigt ab dem 16. Juli das Landgericht Kleve. Ein 30-Jähriger soll sich als Notfallsanitäter ausgegeben und Patienten mit falschen Medikamenten behandelt haben. In einem Fall führte das zum Tod des Patienten. Die Anklage lautet auf Totschlag und Urkundenfälschung.

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