Zeitumstellung, Sommerzeit

Zeitumstellung: Dauerhafte Winterzeit wäre laut Studie gesünder

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass eine dauerhafte Standardzeit für den menschlichen Schlafrhythmus wahrscheinlich günstiger wäre als eine ganzjährige Sommerzeit. Entscheidend sei vor allem das Licht am Morgen.

  • Würde die halbjährliche Zeitumstellung abgeschafft, würden Umfragen zufolge viele Menschen eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen. - Bild: Elisa Schu/dpa
    Würde die halbjährliche Zeitumstellung abgeschafft, würden Umfragen zufolge viele Menschen eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen. - Bild: Elisa Schu/dpa
  • Ein prominenter Verfechter der dauerhaften Einführung der Sommerzeit ist US-Präsident Donald Trump. - Bild: Elisa Schu/dpa
    Ein prominenter Verfechter der dauerhaften Einführung der Sommerzeit ist US-Präsident Donald Trump. - Bild: Elisa Schu/dpa
Würde die halbjährliche Zeitumstellung abgeschafft, würden Umfragen zufolge viele Menschen eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen. - Bild: Elisa Schu/dpa Ein prominenter Verfechter der dauerhaften Einführung der Sommerzeit ist US-Präsident Donald Trump. - Bild: Elisa Schu/dpa

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass eine dauerhafte Standardzeit für Schlaf, innere Uhr und Stimmung wahrscheinlich gesünder wäre als eine ganzjährige Sommerzeit.

Morgenlicht entscheidend für den Rhythmus

Das Team um Raymond Lam von der University of British Columbia in Vancouver analysierte zahlreiche Studien. Anlass war die Prüfung einer möglichen Abschaffung der Zeitumstellung in mehreren Regionen Kanadas; auch in Deutschland und der Europäischen Union wird darüber seit Jahren diskutiert.

Die Forschenden erklären im „Canadian Medical Association Journal“, dass vor allem das Morgenlicht die innere Uhr mit dem 24-Stunden-Tag synchronisiere. Abendliches Licht verschiebe den Rhythmus dagegen nach hinten.

Sommerzeit bei Umfragen oft beliebter

In Befragungen spricht sich häufig eine Mehrheit für eine dauerhafte Sommerzeit aus. Viele Menschen schätzen es, wenn es nach Feierabend oder Schulschluss länger hell bleibt.

Mitautor Patrick Baylis verweist jedoch auf mögliche Nachteile einer späteren Sonnenzeit: weniger Schlaf, geringere Produktivität und schlechtere schulische Leistungen. Im Winter würden Wege zur Schule oder Arbeit sowie der Beginn der Haupttagesaktivität häufiger im Dunkeln liegen.

Belastung für Menschen mit Winterdepression

Eine permanente Sommerzeit könnte den Autoren zufolge besonders Menschen mit einer saisonal-affektiven Störung belasten. Schätzungen zufolge betrifft eine Winterdepression ein bis drei Prozent der Bevölkerung in Kanada; bei weiteren 15 Prozent treten demnach mildere saisonale Veränderungen von Stimmung, Schlaf, Appetit und Energie auf.

Große Fachgesellschaften für Schlafmedizin und Chronobiologie empfehlen bei einer Abschaffung der Zeitumstellung deshalb eine dauerhafte Standardzeit, die oft als Winterzeit bezeichnet wird.

Erfahrungen mit festen Uhrzeiten

Die Analyse verweist auf frühere Versuche in anderen Ländern. Die USA führten während der Energiekrise 1974 eine dauerhafte Sommerzeit ein, nahmen sie aber innerhalb eines Jahres wegen des Widerstands gegen dunkle Wintermorgen und Sorgen um Kinder auf dem Schulweg wieder zurück. Russland änderte eine 2011 eingeführte dauerhafte Sommerzeit 2014 erneut; auch Chile machte einen entsprechenden Schritt aus dem Jahr 2015 rückgängig.

US-Präsident Donald Trump gehört zu den prominenten Befürwortern einer dauerhaften Sommerzeit. Als Argument nannte er unter anderem, dass Golfer länger Tageslicht hätten.

Vorschlag für eine andere Umstellung

Jorge Mira von der Universität Santiago de Compostela und José María Martín-Olalla von der Universität Sevilla schlagen vor, die Zeitumstellung zeitlich zu verschieben. Das erste April-Wochenende sei für die Umstellung auf Sommerzeit aus physiologischer Sicht günstiger als der letzte Sonntag im März.

Auch das Ende der Sommerzeit könnte nach ihrer Einschätzung Anfang statt Ende Oktober erfolgen. Historische und aktuelle Beispiele zeigten, dass sich der Tagesrhythmus natürlicherweise am Sonnenaufgang orientiere: Im Sommer stünden Menschen deutlich früher auf als im Winter.

Morgenlicht als Taktgeber

Die Debatte über eine dauerhafte Uhrzeit betrifft mehr als die Frage, ob es nach Feierabend länger hell bleibt. Die ausgewertete Forschung ordnet den natürlichen Sonnenrhythmus als wichtigen Taktgeber der inneren Uhr ein. Besonders im Winter würde eine permanente Sommerzeit den Sonnenaufgang weiter nach hinten verschieben und damit den Beginn von Schule, Arbeit und anderen Aktivitäten stärker in die Dunkelheit verlagern.

Für Deutschland und die EU ist die Entscheidung zusätzlich eine Frage der Koordination. Eine einheitliche Regelung soll verhindern, dass Nachbarstaaten dauerhaft unterschiedliche Uhrzeiten verwenden. Die politische Diskussion stockt deshalb nicht nur wegen gesundheitlicher Bewertungen, sondern auch wegen der Frage, ob künftig dauerhaft die Standard- oder die Sommerzeit gelten soll.

Folgen für den Alltag

Für viele Menschen wäre eine dauerhafte Sommerzeit im Alltag zunächst attraktiv: Helle Abende erleichtern Freizeitaktivitäten, Einkäufe und Aufenthalte im Freien. Dem stehen mögliche Belastungen am Morgen gegenüber, vor allem für Kinder, Berufspendler und Menschen mit saisonalen Stimmungsschwankungen. Eine Abschaffung der Umstellung würde die zweimal jährlich auftretende Anpassung zwar vermeiden, aber die tägliche Verteilung des Tageslichts dauerhaft verändern.

Andere Länder zeigen, dass feste Uhrzeiten politisch nicht unumkehrbar sind. In den USA, Russland und Chile wurden dauerhafte Sommerzeit-Regelungen nach früheren Erfahrungen wieder verändert oder aufgegeben. Für Leser bleibt damit entscheidend: Nicht die längere Helligkeit am Abend allein bestimmt die gesundheitliche Bilanz, sondern die Frage, wie gut die feste Uhrzeit mit Sonnenaufgang, Schlafrhythmus und den täglichen Startzeiten zusammenpasst.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Merkur: „Abschaffung der Zeitumstellung? Neue Verordnung schafft in Österreich vorerst Klarheit“ (05.10.2026)

Der Bericht bestätige, dass Österreich die halbjährliche Umstellung mindestens bis 2031 beibehalte, und ordne die Entscheidung in die weiterhin ungelöste europäische Debatte ein. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel auf die politischen und organisatorischen Folgen sowie auf internationale Beispiele; die gesundheitlichen Risiken einer dauerhaften Sommerzeit würden ebenfalls hervorgehoben.

DER SPIEGEL: „Streit über Zeitumstellung: Trump wettert gegen republikanischen Senator – und veröffentlicht dessen Handynummer“ (04.10.2026)

Der Artikel bestätige Trumps Unterstützung für eine dauerhafte Sommerzeit und stelle den politischen Streit um den US-amerikanischen Gesetzesvorstoß in den Mittelpunkt. Er gebe außerdem die Gegenposition des Senators wieder, der vor dunklen Wintermorgen und dem Schulweg von Kindern warne; offen bleibe, ob der Senat dem Vorhaben zustimme.

Beide Berichte bestätigten, dass die Abschaffung der Zeitumstellung politisch umstritten sei. Der Merkur-Artikel betone die europäische Koordination und Österreichs Festlegung, während der SPIEGEL den US-Kongressstreit und die unterschiedlichen Bewertungen der dauerhaften Sommerzeit hervorhebe.

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