Zähneknirschen: 44% leiden unter arbeitsbedingtem Stress
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zähneknirschen und Kieferverspannungen treten bei einem signifikanten Teil der erwachsenen Bevölkerung als direkte körperliche Reaktion auf Stress auf. Das Phänomen, in der Zahnmedizin als Bruxismus bezeichnet, betrifft nach Schätzungen etwa 10 bis 20 Prozent der Erwachsenen und vollzieht sich überwiegend nachts.
Die gesundheitlichen Auswirkungen reichen von mechanischen Zahnschäden über chronische Verspannungen bis hin zu Beeinträchtigungen der allgemeinen Schlafqualität.
Psychische Faktoren und die Rolle von chronischem Stress
Fachleute weisen auf eine enge Verbindung zwischen psychischen Belastungen und Kieferaktivitäten hin. Laut der klinischen Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Göschlberger steckt häufig chronischer Stress hinter dem Zähneknirschen.
Die Folgen für Betroffene sind spürbar: Schmerzen im Kiefergelenk, Ausstrahlungen in Kopf und Nacken sowie ein vermindertes Erholungsgefühl im Schlaf. Neben psychischem Druck können allerdings auch Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer, neurologische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente das Auftreten begünstigen.
Dass Belastungen im Alltag weit verbreitet sind, belegen arbeitsweltbezogene Erhebungen. Laut einer EU-Umfrage der OHS-Pulse ist der arbeitsbedingte Stress bei 44 Prozent der Befragten gestiegen.
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Zu den typischen Symptomen von Stresserkrankungen gehören neben Verspannungen, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen und Atemnot eben auch Zähneknirschen; langfristig drohen Burnout, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.
Die Psychologin Eva Asselmann hebt hervor, dass Stress insbesondere dann problematisch werde, wenn er über längere Zeit anhalte. Zudem bestätigt eine Übersichtsarbeit über 46 Studien aus den Jahren 2000 bis 2024 eine wechselseitige Beziehung zwischen Schlafstörungen und psychischen Belastungen.
Zahnmedizinische Folgen und Diagnose im Fokus
Die zahnmedizinischen Konsequenzen standen im Mittelpunkt der 61. Bodenseetagung der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Tübingen, die am 18. und 19. September in der Lindauer Inselhalle stattfand.
Unter der Leitung von Prof. Ralph G. Luthardt, Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Ulm, diskutierten Experten über die Diagnostik und Therapie des sogenannten Abrasionsgebisses. Als wesentliche Ursachen gelten neben Fehlbissen und Stress insbesondere das Knirschen.
Luthardt betonte, dass Bruxismus keineswegs auf die Nacht beschränkt sei. Er trete ebenso tagsüber auf, etwa bei konzentriertem Arbeiten, beim Autofahren oder in angespannten Alltagssituationen.
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Die Substanzschäden an den Zähnen sind gravierend: Sie reichen von feinen Rissen und Absplitterungen am Zahnschmelz über den Abtrag bis zum freiliegenden Zahnbein bis hin zu Defekten an Zahnhälsen. Zudem wirken Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein sowie Medikamente verstärkend; auch Begleitsymptome wie eine Schlafapnoe sollten Luthardt zufolge abgeklärt werden.
Multimodale Behandlungsansätze zur Entlastung
Zur Therapie des Bruxismus wird ein mehrgleisiges Vorgehen herangezogen. Auf zahnärztlicher Ebene kommen individuell angefertigte Aufbissschienen zum Einsatz, um das Gebiss zu schützen, begleitet vom Aufbau bereits verlorener Zahnsubstanz. Ergänzend können Wärmebehandlungen, zahnmedizinische Korrekturen und in bestimmten Fällen Botox eingesetzt werden.
Steht Stress als Auslöser im Vordergrund, greift eine multimodale Behandlung mit Entspannungsverfahren, Bewegung, Selbstfürsorge und therapeutischer Unterstützung. Für den Alltag empfiehlt Janina Rehbein (myWorld Germany) konkrete Maßnahmen zur Stressbewältigung: eine klare Trennung von Arbeits- und Freizeitbereich, stimmungsvolle Beleuchtung, regelmäßige Sporteinheiten, feste Koch- und Essenszeiten sowie geplante Bildschirmpausen.
