YouTube startet Gesichtserkennung: Schutz vor Deepfakes ab sofort
28.05.2026 - 18:48:19 | boerse-global.deDie neue Funktion namens „Likeness Detection" soll Nutzer vor unbefugter Nutzung ihres Gesichts in Videos schützen. Gleichzeitig automatisiert die Plattform die Kennzeichnung von KI-Inhalten.
Biometrischer Check gegen Identitätsdiebstahl
Das System steht allen volljährigen Nutzern offen. Wer den Dienst nutzen will, muss ein Selfie-Video und ein amtliches Ausweisdokument hochladen. Daraus erstellt YouTube einen biometrischen Fingerabdruck des Gesichts.
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Dieser wird dann mit neuen Uploads abgeglichen. Erkennt das System eine Übereinstimmung, wird der Betroffene informiert. Der Nutzer kann dann die Löschung des Videos beantragen. Ganz automatisch läuft das aber nicht: YouTube behält sich vor, Löschanträge abzulehnen – etwa bei Satire oder überwiegendem öffentlichen Interesse.
Die sensiblen biometrischen Daten verwendet YouTube laut eigenen Angaben nur zur Identitätsprüfung. Sie werden an die Muttergesellschaft Google übermittelt. Mit diesem Dienst ist YouTube seinen Wettbewerbern TikTok, Meta und X voraus.
Automatische Labels für KI-Inhalte
Parallel zur Gesichtserkennung setzt YouTube auf stärkere Automatisierung bei der Kennzeichnung von KI-Inhalten. Die seit 2024 bestehende Offenlegungspflicht für Creator bleibt bestehen. Neu ist: Das System erkennt jetzt eigenständig signifikante fotorealistische KI-Modifikationen.
Die automatischen Labels erscheinen bei Horizontal-Videos direkt unter dem Player, bei Shorts als Overlay. Die Erkennung läuft über interne Signale, C2PA-Metadaten und digitale Wasserzeichen von Googles eigenen KI-Werkzeugen wie Veo oder Dream Screen.
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Labels, die auf C2PA-Daten oder Google-Tools basieren, sind permanent. In anderen Fällen können Creator die Kennzeichnung anfechten. Wichtig für YouTuber: Die Labels sollen weder die Reichweite im Empfehlungsalgorithmus noch die Werbemonetarisierung beeinflussen.
Warum der Druck steigt
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. KI-generierte Falschinformationen nehmen rasant zu. Eine Studie des brasilianischen Observatório Lupa zeigt: Zwischen 2024 und 2025 hat sich die Zahl solcher Inhalte fast verdreifacht. Standen 2024 noch Deepfakes von Prominenten für Betrugszwecke im Fokus, hatten 2025 bereits rund 45 Prozent der untersuchten KI-Inhalte eine politische Färbung.
Auch rechtlich wird der Druck größer. Der europäische AI Act schreibt die Kennzeichnung von KI-Inhalten vor. In Deutschland bieten das Kunsturhebergesetz und das Strafgesetzbuch Schutz gegen Deepfakes.
Parallel zum technischen Schutz durch Plattformen gewinnt die private Absicherung an Bedeutung. Cyberversicherungen übernehmen zunehmend die Kosten für Löschversuche und Schäden durch Identitätsmissbrauch – sofern eine konkrete Rechtsverletzung vorliegt. Ähnliche Schritte zur automatisierten Kennzeichnung plant übrigens auch Spotify.
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