Xylit, Studie

Xylit: Studie zeigt erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 22:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Charité-Analyse mit 17.710 Personen verknüpft hohe Xylit-Blutwerte mit Herz-Kreislauf-Ereignissen, beweist aber keine Ursache.

Xylit und Herzrisiko: Studie sieht Zusammenhang mit Infarkt
Eine medizinische Laborzentrifuge in einer sterilen Forschungseinrichtung mit bläulichem Umgebungslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Zuckerersatzstoff Xylit gilt seit Jahren als vermeintlich unbedenkliche Alternative zu Haushaltszucker und findet sich in Kaugummi, Eis und zahlreichen weiteren Produkten.

Eine Studie von Forschern der Charité Berlin um Dr. Marco Witkowski stellt diese Einschätzung nun infrage: Hohe Xylit-Werte im Blut sind demnach mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden. Als möglicher Mechanismus wird angeführt, dass Xylit die Gerinnungsfähigkeit der Blutplättchen verstärken und dadurch die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen kann.

Datenbasis aus zwei großen Kohorten

Die Analyse stützt sich auf Daten von 17.710 Teilnehmern aus zwei großen Kohortenstudien, der CLSA und der EPIC-Norfolk-Studie. In der CLSA-Kohorte, die über sechs Jahre nachverfolgt wurde, war das Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Ereignis im obersten Quartil der Xylit-Blutwerte um 57 Prozent höher als im untersten Quartil.

In der EPIC-Norfolk-Kohorte, die einen deutlich längeren Beobachtungszeitraum von 30 Jahren umfasst, lag der entsprechende Risikounterschied bei 18 Prozent. Die Forscher um Witkowski beschreiben zudem eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je höher die gemessenen Xylit-Werte im Blut, desto größer offenbar das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod.

Vorstellung beim ESC-Kongress

Die Ergebnisse wurden Ende August beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) vorgestellt und seither in mehreren Medien aufgegriffen. Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, aus der sich Kausalität nur schwer ableiten lässt. Das bedeutet: Die Daten zeigen einen statistischen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Blutwerten und kardiovaskulären Ereignissen, belegen aber nicht zweifelsfrei, dass Xylit selbst die Ursache dafür ist.

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Andere Faktoren, die sowohl mit erhöhten Xylit-Werten als auch mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung stehen könnten, lassen sich in solchen Studiendesigns nicht vollständig ausschließen.

Vorsicht für Risikogruppen empfohlen

Trotz der methodischen Einschränkungen raten Experten Risikopersonen vorerst zur Vorsicht im Umgang mit xylithaltigen Produkten. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass erhöhte Xylitol-Werte im Blut mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können und dass der Stoff in gängigen Alltagsprodukten wie Kaugummi und Speiseeis weit verbreitet ist.

Für Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhtem kardiovaskulärem Risiko könnte dies bedeuten, den Konsum entsprechender Produkte zumindest kritisch zu hinterfragen, bis weitere Forschung Klarheit über die genauen Zusammenhänge schafft.

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Einordnung

Die Ergebnisse der Charité-Forscher reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die Zuckeraustauschstoffe wie Xylit oder Erythrit kritisch beleuchten. Anders als bei klassischem Zucker, dessen gesundheitliche Risiken breit dokumentiert sind, war Xylit lange als weitgehend unbedenklich eingestuft worden.

Die neuen Daten aus CLSA und EPIC-Norfolk deuten nun darauf hin, dass auch dieser Süßstoff nicht ohne Weiteres als risikofrei gelten sollte – insbesondere für Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil. Weitere, insbesondere kontrollierte Studien werden nötig sein, um die beobachteten Zusammenhänge zu bestätigen und mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehungen genauer zu klären.

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