Work-Life-Balance: 83% der Arbeitnehmer stellen sie über Gehalt
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Erhebungen zum Arbeitsmarkt signalisieren eine deutliche Verschiebung in den Präferenzen von Arbeitnehmern. Laut dem Randstad Workmonitor gewinnt die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zunehmend an Bedeutung und steht bei den Prioritäten der Befragten nun an erster Stelle.
Mit einem Wert von 83 % wird die Work-Life-Balance erstmals häufiger als wichtigster Faktor genannt als das Gehalt, das eine Zustimmung von 82 % verzeichnete. Dieser Trend verdeutlicht, dass immaterielle Aspekte der Arbeitsplatzgestaltung in der Gunst der Beschäftigten gegenüber rein finanziellen Anreizen an Boden gewinnen.
Steigende mentale Belastung im Arbeitsumfeld
Flankierend zu diesen Priorisierungsänderungen geben aktuelle Daten aus der betrieblichen Praxis Aufschluss über die psychische Verfassung der Belegschaften.
In der Randstad-ifo-HR-Befragung für das zweite Quartal 2026 gaben 51 % der teilnehmenden Unternehmen an, eine gestiegene mentale Belastung bei ihren Mitarbeitenden zu beobachten. Im Gegensatz dazu meldeten lediglich 3 % der Betriebe eine abnehmende psychische Beanspruchung innerhalb ihrer Belegschaft.
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Die Ursachen für diesen Anstieg sind laut den Unternehmensangaben vielfältig. Als primärer Treiber wurde von 49 % der Firmen die Unsicherheit aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage identifiziert.
Zudem nannten 45 % der Betriebe interne Veränderungsprozesse als maßgeblichen Faktor für die psychische Belastung. Ein weiterer signifikanter Anteil der Unternehmen führt die Situation auf eine hohe Arbeitsmenge (37 %) sowie auf bestehende Personalengpässe (35 %) zurück.
Mittelständische Unternehmen besonders unter Druck
Bei der differenzierten Betrachtung nach Unternehmensgröße zeigen sich deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung der Arbeitsbelastung. Besonders betroffen sind mittlere Betriebe mit einer Belegschaft zwischen 250 und 499 Beschäftigten.
In diesem Segment meldeten 73 % der Unternehmen eine Zunahme der mentalen Belastung. Auch die Arbeitsauslastung wird hier besonders kritisch bewertet: 56 % dieser Betriebe gaben an, dass das Arbeitspensum gestiegen sei.
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In anderen Unternehmensgrößen stellt sich die Situation moderater, aber dennoch herausfordernd dar. Bei Firmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden beobachteten 57 % eine Zunahme der mentalen Belastung, während dieser Wert bei Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten bei 53 % lag. In kleineren Betrieben mit bis zu 49 Mitarbeitenden fiel der Anteil mit 38 % vergleichsweise am geringsten aus.
Struktur der Arbeitsauslastung im Branchenquerschnitt
Über alle Unternehmensgrößen hinweg zeigt die Randstad-ifo-HR-Befragung des zweiten Quartals 2026 ein gemischtes Bild hinsichtlich der tatsächlichen Arbeitsauslastung. Während 38 % der Unternehmen einen Anstieg des Arbeitspensums verzeichneten, blieb dieses bei 41 % der Betriebe unverändert. Ein Rückgang der Arbeitslast wurde lediglich von 21 % der befragten Firmen gemeldet.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die gestiegenen Anforderungen an die Work-Life-Balance in einem direkten Spannungsfeld zu den beobachteten Belastungen im Arbeitsalltag stehen. Während Beschäftigte verstärkt Autonomie und Ausgleich einfordern, sehen sich Unternehmen mit ökonomischen Unsicherheiten und personellen Engpässen konfrontiert, welche die psychische Stabilität der Belegschaften fordern.
