Wirbelbrüche durch Osteoporose: Über 80 ist mehr als jeder Zweite betroffen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat gemeinsam mit der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) und 17 weiteren Organisationen erstmals die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie osteoporotischer thorakolumbaler Wirbelfrakturen“ erarbeitet. Das unter dem Register AWMF 187-063 geführte Regelwerk weist den Stand vom 15.04.2025 auf und besitzt eine Gültigkeit bis zum 14.04.2030. Das medizinische Dokument bündelt Empfehlungen von der ersten Diagnose über die Therapieabwägung bis hin zur Nachsorge, um die Versorgung von Patienten mit osteoporotisch bedingten Wirbelkörperbrüchen strukturiert zu vereinheitlichen.
Hohe Fallzahlen und typische Warnsignale
Nach Angaben der DGOU ereignen sich in Europa jährlich rund 400.000 Brüche von Rückenwirbeln. Die am häufigsten betroffene Lokalisation ist dabei der Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule.
Vor allem in der älteren Bevölkerung sind derartige Frakturen weit verbreitet: Bei den über 80-Jährigen ist mehr als jeder Zweite von osteoporotischen Wirbelfrakturen betroffen. Eine Abklärung hinsichtlich einer vorliegenden Osteoporose wird durch die DGOU ab einem Alter von 70 Jahren empfohlen.
Tückisch ist, dass die Verletzungen nicht selten unbemerkt bleiben. Die DGOU verweist auf spezifische Warnzeichen, die auf einen solchen Bruch hindeuten können. Dazu zählen plötzliche Rückenschmerzen ohne erkennbare Ursache sowie Schmerzen nach leichten Stürzen oder gewöhnlichen Alltagsbewegungen.
Ebenso gelten eine abnehmende Körpergröße, ein zunehmend gekrümmter Rücken und spürbare Einschränkungen der Beweglichkeit als Alarmsignale, die medizinisch untersucht werden sollten.
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Diagnostische Pfade und Behandlungsstrategien
Für die Diagnostik sieht die DGOU zunächst eine Röntgenuntersuchung vor. Je nach vorliegendem Befund schließen sich weiterführende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) an. Wurde ein Wirbelbruch diagnostiziert, soll die zugrundeliegende Knochengesundheit zudem über eine Knochendichtemessung überprüft werden.
Die Leitlinie bietet den behandelnden Ärzten eine Klassifikation sowie einen konkreten Algorithmus zur Abwägung zwischen konservativen und operativen Maßnahmen. Bei der konservativen Behandlung setzt die Fachgesellschaft auf Schmerzmittel, Physiotherapie, Bewegung und eine zügige Mobilisierung.
Sollte ein instabiler Bruch vorliegen oder halten die Beschwerden an, wird eine Operation erwogen, wobei nach DGOU-Angaben auch minimalinvasive Eingriffe infrage kommen. Prof. Uwe Maus von der DGOU-Sektion Osteologie hob diesbezüglich hervor, dass keineswegs jeder Wirbelbruch operiert werden müsse, jede Fraktur jedoch ernst genommen werden sollte.
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Zielsetzung und osteologische Basistherapie
DGOU-Präsident Prof. Frank Hildebrand betonte, dass das primäre Ziel der Leitlinie im Erhalt von Beweglichkeit und Selbstständigkeit der Betroffenen liege. Wird im Rahmen der Abklärung eine Osteoporose diagnostiziert, ist eine gezielte Begleittherapie erforderlich. Diese umfasst Medikamente gegen den Knochenabbau.
Prof. Wolfgang Böcker unterstrich, dass bei erkannter Osteoporose eine medikamentöse Therapie mit Bewegung, einer kalziumreichen Ernährung und Vitamin D kombiniert werden sollte.
Die neuen Standards und Versorgungsaspekte bilden zudem einen thematischen Baustein auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 20. bis 23.10.2026 in Berlin stattfindet.
