Willkommensbesuche: Aktive Terminvorschläge erreichen bis zu 90 Prozent
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der im Mai 2026 verabschiedeten Hannover Erklärung 2026 setzt das Gesunde Städte-Netzwerk einen bundesweiten Schwerpunkt auf gesundheitliche Chancengerechtigkeit. Das Grundsatzpapier betont, dass nachhaltige Prävention nicht allein auf das Verhalten einzelner Personen abzielen darf.
Um alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland zu erreichen, seien Initiativen zur Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz ebenso erforderlich wie die gezielte Verbesserung der alltäglichen Lebensverhältnisse vor Ort.
Lebenswelten im Fokus der Präventionsarbeit
Die Erklärung des Netzwerks rückt die kommunalen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt. Als Ansprechpartnerinnen fungieren Jana Bauer und Dr. Anette Christ beim Sekretariat des Netzwerks in Frankfurt am Main sowie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit in Köln.
Kommunen stehen vor der Aufgabe, gesundheitsfördernde Umgebungen zu schaffen, die soziale Hürden abbauen und niederschwelligen Zugang zu Bewegung, Beratung und gesellschaftlicher Teilhabe bieten.
Wie eine solche kommunale Infrastruktur in der Praxis ausgestaltet sein kann, veranschaulichte Ende September 2026 die Landeshauptstadt Düsseldorf. In einer vom Amt für Soziales und Jugend vorgestellten Broschüre wurden 196 lokale Einrichtungen und Angebote erfasst.
Die Erhebung für das Jahr 2025 belegt den hohen Stellenwert sozialer Treffpunkte: Acht Bürgerhäuser zählten 206.040 Besuche und Teilnahmen sowie 7.925 Raumvermietungen. In den Familien- und Stadtteiltreffs fielen 155.406 Besuche an, davon 60.238 durch Kinder und Jugendliche, bei insgesamt 86.695 Veranstaltungen und Kursen.
Die Senioreneinrichtungen verzeichneten 501.799 Teilnahmen, getragen von durchschnittlich 1.124 monatlich ehrenamtlich engagierten Bürgern. Ergänzt wird die Düsseldorfer Strategie durch eine Plattform für Gemeinschaftsräume und eine 2025 initiierte Kampagne gegen Einsamkeit.
Frühe Unterstützung und verlässliche Begleitung
Neben Begegnungsräumen spielt die frühzeitige Ansprache von Familien eine wesentliche Rolle für gerechte Gesundheitschancen. Eine Auswertung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen verdeutlicht das Potenzial strukturierter Willkommensbesuche, die inzwischen in rund 60 Prozent der befragten Kommunen fest eingerichtet sind.
Strukturierte Willkommensbesuche sind inzwischen in rund 60 Prozent der befragten Kommunen fest eingerichtet — und wo mit aktiven Terminvorschlägen gearbeitet wird, liegt die Beteiligungsquote bei bis zu 90 Prozent. Der kostenlose Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie den Erstkontakt aufsetzen, den Terminvorschlag formulieren und Eltern wirksam nachfassen. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Im Jahr 2024 wurden pro Kommune durchschnittlich 934 Familien kontaktiert und 518 tatsächlich besucht. Bei Modellen mit aktiven Terminvorschlägen lag die Beteiligungsquote bei bis zu 90 Prozent.
Die Rückmeldungen unterstreichen den Nutzen der direkten Ansprache: Mehr als 90 Prozent der befragten Eltern zeigten sich mit den Willkommensbesuchen zufrieden oder sehr zufrieden.
Zudem gaben 84,3 Prozent an, einen guten Überblick über Angebote und Anlaufstellen erhalten zu haben, während sich 82,5 Prozent darin bestärkt sahen, Unterstützung anzunehmen. Für 70,6 Prozent trugen die Besuche dazu bei, sich in der eigenen Kommune willkommen zu fühlen.
Sportvereine als Partner im Wohnumfeld
Zusätzlich zu Verwaltung und Jugendhilfe bilden Sportvereine und lokale Sportstätten ein tragendes Element gesundheitlicher Netzwerke. Im organisierten Sport kooperieren etwa die Österreichische Gesundheitskasse und der Österreichische Taekwondo Verband bei kostenlosen Schulungen für Vereine.
Die Initiative bildet feste Gesundheitsbeauftragte aus und vermittelt Seminare zu Ernährung, Gewaltprävention sowie interkulturellen Fragen. ÖGK-Obmann Andreas Huss bezeichnete Sportvereine als zentrale Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sich entwickeln und gemeinsam wachsen, während Verbandspräsident Alexander Hübl den offenen Zugang für alle Mitgliedsvereine hervorhob.
Mehr als 90 Prozent der befragten Eltern waren mit den Willkommensbesuchen zufrieden oder sehr zufrieden — doch viele Kommunen erreichen sozial benachteiligte Familien noch nicht verlässlich. Der Leitfaden bündelt die Nachfass-Checkliste und die Zufriedenheits-Auswertung, mit denen Sie Ihren Erstkontakt nachschärfen. Checkliste und Leitfaden jetzt sichern
Dass auch einfache lokale Angebote wirksam sind, zeigte sich im Dortmunder Stadtteil Nette. Dort bot der TV 1890 Mengede im Sommer kostenfreie Kurse im BEND-Sportpark an, unterstützt durch eine Spende des Wohnungsunternehmens Vonovia in Höhe von 700 Euro.
Simone Nemarnik vom Verein betonte die integrative Kraft des Sports, der Menschen auch unter schwierigen Bedingungen zusammenführe. Zusammengenommen zeigen diese Ansätze, dass die in der Hannover Erklärung formulierten Ziele vor allem durch die enge Verzahnung von kommunaler Verwaltung, zivilgesellschaftlichen Trägern und Sportvereinen erreichbar werden.
