WHO, Ärztemangel

WHO warnt vor Millionenlücke bei Ärzten und Pflegekräften bis 2030

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die WHO warnt vor einer weltweiten Lücke von 11,1 Millionen Gesundheitsfachkräften bis 2030. Besonders betroffen sind laut Organisation Regionen mit ohnehin schwachen Gesundheitssystemen.

Jede vierte Ärztin/Arzt weltweit ist über 55 (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Jede vierte Ärztin/Arzt weltweit ist über 55 (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer weltweiten Lücke von 11,1 Millionen Ärztinnen, Ärzten, Hebammen, Apothekern und Pflegekräften bis 2030.

Personal altert, Nachwuchs fehlt

Nach Angaben der WHO arbeiten weltweit gut 70 Millionen Menschen im Gesundheitswesen. In den vergangenen 20 Jahren sei die Zahl der Fachkräfte pro 10.000 Menschen zwar deutlich gestiegen, zugleich altere das Personal aber rasch.

Ruhestand verschärft den Druck

Weltweit sei etwa ein Viertel der Ärzteschaft älter als 55 Jahre, in Ländern mit hohen Einkommen sogar jeder Dritte. Die WHO geht davon aus, dass viele von ihnen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen.

Risiko für die Versorgung

Die Organisation warnt, dass der demografische Wandel den Bedarf an medizinischer Versorgung zusätzlich erhöht. In der Folge dürften Wartezeiten länger werden und Behandlungen sich verzögern.

Afrika besonders betroffen

Besonders groß sei der Mangel in Afrika und in der östlichen Mittelmeerregion. Dort könne in manchen Ländern nur eine Ärztin oder ein Arzt auf 26.000 Menschen kommen, während das Verhältnis in wohlhabenderen Staaten deutlich günstiger sei.

Anwerbung aus dem Ausland

Auch die internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal sieht die WHO kritisch. Sie könne den Mangel in Herkunftsländern weiter verschärfen, weshalb die Organisation auf ethische Lösungen dringt.

Warum die Warnung politisch und praktisch relevant ist

Die WHO beschreibt mit der Lücke von 11,1 Millionen Fachkräften bis 2030 nicht nur ein Personalproblem, sondern ein strukturelles Risiko für die Versorgung in vielen Gesundheitssystemen. Wenn Ärztinnen, Ärzte, Hebammen, Apotheker und Pflegekräfte zugleich älter werden und in großer Zahl in den Ruhestand gehen, steigt der Druck auf Kliniken, Praxen und Pflegedienste deutlich.

Besonders sensibel ist die Lage dort, wo schon heute zu wenige Fachkräfte verfügbar sind. In solchen Regionen kann ein Engpass schneller zu längeren Wartezeiten, späteren Diagnosen und einer schwächeren Grundversorgung führen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das im Alltag vor allem: weniger Zeit pro Behandlung, größere Belastung für das verbleibende Personal und mehr Schwierigkeiten, freie Termine zu finden.

Folgen für reiche und arme Länder

Die WHO verweist zugleich auf ein globales Ungleichgewicht. Länder mit hohen Einkommen können zwar eher Personal anziehen, doch genau das kann den Mangel in ärmeren Staaten verschärfen. Damit verschiebt sich das Problem international, ohne dass es insgesamt kleiner wird.

Für die Gesundheitspolitik heißt das, dass Ausbildung, Bindung und faire internationale Rekrutierung zusammen gedacht werden müssen. Kurzfristige Anwerbung aus dem Ausland löst den Engpass nicht dauerhaft, wenn zugleich in den Herkunftsländern Personal fehlt. Für Leserinnen und Leser ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil sie künftige Versorgungsqualität, Erreichbarkeit medizinischer Hilfe und die Belastung des Gesundheitssystems unmittelbar berührt.

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