WHO-Bewegungsempfehlung: Studie legt für Kinder rund 90 Minuten täglich nahe
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige körperliche Aktivität gilt als zentraler Faktor zur Förderung der physischen und psychischen Gesundheit. Die Leitfäden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definieren für unterschiedliche Lebensphasen spezifische Bewegungsumfänge, um Krankheitsrisiken zu mindern und die Lebensdauer zu verlängern.
Dennoch besteht weltweit ein deutliches Defizit: Schätzungen der WHO aus dem Jahr 2024 zufolge erreichten seinerzeit rund 31 Prozent der Erwachsenen und 80 Prozent der Jugendlichen die empfohlenen Aktivitätsniveaus nicht. Für Personen mit chronischen Beeinträchtigungen betont die Organisation zugleich, dass etwas Bewegung stets besser sei als vollständige Inaktivität.
Vorgaben für Kinder und neue Debatten in der Forschung
Für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 17 Jahren empfiehlt die WHO im Wochendurchschnitt täglich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung. An mindestens drei Tagen in der Woche sollten Aktivitäten stattfinden, welche die Muskeln und Knochen stärken.
Zudem wird geraten, lange Sitzzeiten vor Bildschirmen einzugrenzen. Eine allgemeingültige Grenze für Bildschirmzeiten formuliert die Organisation für diese Altersgruppe allerdings nicht; eine feste Begrenzung auf eine Stunde täglich gilt lediglich für jüngere Kinder.
Auch das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk hepa für Kinder und Jugendliche neben den gewöhnlichen Alltagsaktivitäten täglich mindestens eine Stunde Bewegung von mittlerer bis hoher Intensität.
Neuere wissenschaftliche Erhebungen regen jedoch Anpassungen dieser Schwellenwerte an. Eine im Fachjournal JAMA Pediatrics erschienene Übersichtsarbeit der Norwegischen Sporthochschule (NIH) unter Leitung von Studienautor Husøy untersuchte 14 internationale Längsschnittstudien mit fast 13.000 Kindern und Jugendlichen aus 16 Ländern. Dabei zeigte sich moderate bis intensive Aktivität zwar leicht positiv mit kardiovaskulären Markern wie Insulin, LDL-Cholesterin und Triglyceriden assoziiert, die Gesamtsitzzeit stand jedoch in keinem Zusammenhang mit einem verschlechterten Risikoprofil.
Da erst die aktivste Teilnehmergruppe mit durchschnittlich 92,8 Minuten Bewegung pro Tag eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen hohen Risikoscore aufwies, regte Husøy eine Orientierung bei etwa 90 Minuten täglich an. Studienautor Ekelund verwies zudem darauf, dass die WHO getrennte Empfehlungen für Sechs- bis Elf- oder Zwölfjährige sowie Jugendliche erwägen sollte.
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Anforderungen für Erwachsene und gezielte Sturzprävention im Alter
Für Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren sieht der WHO-Leitfaden wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate aerobe Bewegung vor, wie etwa zügiges Gehen oder leichtes Radfahren.
Alternativ werden 75 bis 150 Minuten intensive Betätigung wie Laufen oder Tennis empfohlen, jeweils kombiniert mit muskelkräftigendem Training an mindestens zwei Tagen pro Woche. Diese Einheiten senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten.
Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln legte dar, dass regelmäßiges Krafttraining das Fortschreiten oder einen Rückfall bei Genesenen je nach Tumorart um zehn bis 40 Prozent verringern könne. Hierbei spielen Muskel-Botenstoffe, sogenannte Myokine, eine zentrale Rolle, die das Wachstum und die Bewegung von Krebszellen verlangsamen können.
Für Personen ab 65 Jahren gilt dieselbe Ausdauerbasis, ergänzt durch Krafttraining an zwei Tagen sowie gezieltes Gleichgewichtstraining an mindestens drei Tagen pro Woche. Eine aktualisierte Cochrane-Analyse unter Beteiligung von Cynthia Swarnalatha von der University of Exeter untersuchte 110 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 48.919 Teilnehmenden ab 60 Jahren.
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Demnach schneiden aufwendige, personalisierte Sturzpräventionsprogramme kaum besser ab als einfachere Ansätze: Regelmäßiges strukturiertes Training, darunter Übungen zur Beinkraft und Balance wie Kniebeugen am Stuhl oder der Einbeinstand, erweise sich im häuslichen Umfeld als mindestens ebenso wirkungsvoll.
