WHO, Ärztemangel

Weltweite Ärztemangel-Warnung: WHO sieht bis 2030 Lücke von 11,1 Millionen Kräften

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer globalen Versorgungslücke: Bis 2030 könnten weltweit 11,1 Millionen Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte fehlen. Besonders betroffen sind ärmere Länder, während reiche Staaten weiterhin Fachkräfte anwerben.

Jede vierte Ärztin/Arzt weltweit ist über 55 (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Jede vierte Ärztin/Arzt weltweit ist über 55 (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer weltweit drohenden Versorgungslücke: Bis 2030 könnten nach ihren Angaben 11,1 Millionen Ärztinnen, Ärzte, Hebammen, Apotheker und Pflegekräfte fehlen.

Deutlich mehr Beschäftigte – doch der Bedarf wächst schneller

Aktuell beziffert die WHO die Zahl der im Gesundheitsbereich tätigen Menschen weltweit auf gut 70 Millionen. In den vergangenen 20 Jahren ist die Dichte von Ärztinnen, Ärzten, Hebammen, Apothekern und Pflegekräften von 44,8 auf 67,9 Beschäftigte pro 10.000 Einwohner gestiegen.

Gleichzeitig steigt der medizinische Bedarf vieler Gesellschaften stark an, insbesondere wegen der alternden Bevölkerung und einer Zunahme chronischer Erkrankungen. Die WHO warnt, dass sich Wartezeiten verlängern und die schnelle Behandlung von Gesundheitsproblemen verzögert werden dürfte, wenn die prognostizierte Lücke nicht geschlossen wird.

Alternde Ärzteschaft verschärft den Engpass

Weltweit ist nach WHO-Angaben inzwischen rund ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte älter als 55 Jahre. In Ländern mit hohen Einkommen ist es sogar etwa jede dritte Ärztin beziehungsweise jeder dritte Arzt. Viele von ihnen werden in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen.

Aus Sicht der WHO ist diese Entwicklung besonders besorgniserregend, weil sie mit der alternden Gesamtbevölkerung zusammenfällt. Ohne Gegenmaßnahmen könnte dies dazu führen, dass in zahlreichen Gesundheitssystemen gleichzeitig mehr Behandlungen benötigt werden und weniger qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.

Große Unterschiede zwischen reichen und armen Regionen

Die WHO weist darauf hin, dass Afrika und die östliche Mittelmeerregion besonders stark vom Personalmangel betroffen sind. In manchen Ländern Afrikas kommt demnach nur eine Ärztin oder ein Arzt auf rund 26.000 Menschen.

In Ländern mit hohen Einkommen ist das Verhältnis deutlich günstiger: Dort versorgt im Durchschnitt eine Ärztin oder ein Arzt etwa 150 Menschen. Die Organisation sieht darin ein Zeichen für große globale Ungleichheit in der medizinischen Versorgung.

Ethik-Frage bei internationaler Anwerbung von Fachkräften

Als kritisch bewertet die WHO die intensive Anwerbung von Gesundheitsfachkräften aus Ländern mit ohnehin schwachen Gesundheitssystemen. Wenn Medizinerinnen, Mediziner und Pflegekräfte in großer Zahl in reichere Staaten wechseln, kann sich der Personalmangel in ihren Herkunftsländern weiter verschärfen.

Die WHO fordert nachdrücklich „ethische Lösungen“ bei der internationalen Rekrutierung. Die Anwerbung dürfe die Gesundheitssysteme in Staaten mit akutem Personalmangel nicht untergraben, betont Lisa Smyth, Sprecherin der WHO-Akademie im französischen Lyon.

Wachsende Versorgungslücke in einer alternden Weltbevölkerung

Die Warnung der WHO fügt sich in eine seit Jahren beobachtete Entwicklung: In vielen Staaten altert nicht nur die Gesamtbevölkerung, sondern zugleich das medizinische Personal. Steigende Fallzahlen bei chronischen Erkrankungen, ein höherer Pflegebedarf und komplexere Behandlungen treffen somit auf eine Belegschaft, in der ein erheblicher Teil kurz vor dem Ruhestand steht. Besonders kritisch ist dies, weil eine Vielzahl von Gesundheitssystemen schon heute unter langen Wartezeiten und Engpässen in der Grundversorgung leidet.

Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern

Die drastischen Unterschiede in der Ärztedichte zwischen Ländern mit hohen und niedrigen Einkommen deuten auf strukturelle Probleme hin. In wohlhabenden Staaten ermöglichen bessere Bezahlung, verlässliche Arbeitsbedingungen und attraktive Karrierewege eine höhere Personalausstattung. In vielen Ländern Afrikas und anderer Regionen mit niedrigen Einkommen fehlt hingegen Geld für Ausbildungskapazitäten, Infrastruktur und Gehälter. Hinzu kommt, dass Fachkräfte aus diesen Staaten oft in reichere Länder abwandern, wenn dort aktiv angeworben wird. Dadurch verschärft sich die Unterversorgung dort, wo der medizinische Bedarf ohnehin hoch ist.

Strategien gegen den Mangel und Bedeutung für Deutschland

International werden als Gegenmaßnahmen vor allem der Ausbau der Ausbildung, bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Bindung von Fachkräften diskutiert. Dazu gehören verlässliche Dienstpläne, weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum, um Überlastung zu verhindern und den Beruf attraktiver zu machen. Für Deutschland ist die Warnung besonders relevant: Auch hier geht eine große Generation von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften in den Ruhestand, während gleichzeitig der Bedarf deutlich steigt. Ohne zusätzliche Ausbildungskapazitäten, gezielte Digitalisierung zur Entlastung und eine ethisch verantwortbare Begrenzung von Abwerbungen aus Ländern mit starkem Mangel droht die Schere zwischen Bedarf und Angebot weiter aufzugehen.

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