Welttag der psychischen Gesundheit: 50,6 Prozent der Azubis belastet
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit am 10. Oktober 2026 fordern zahlreiche Initiativen und Verbände eine stärkere gesellschaftliche Teilhabe, den Abbau von Einsamkeit sowie eine erhöhte Sichtbarkeit seelischer Belastungen im Alltag und im Sport.
Verschiedene Organisationen weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen weite Teile der Bevölkerung betreffen und gezielte Gegenmaßnahmen auf kommunaler, schulischer und betrieblicher Ebene erfordern.
Zu den aktuellen Beispielen in der Bildungslandschaft zählt die Mittelschule SMS Wölbling, die als eine von 100 Schulen in Niederösterreich für ein kostenloses Unterstützungspaket der Fachstelle für Prävention Niederösterreich ausgewählt wurde. Die dort bereitgestellten Materialien sollen die Resilienz im Schulalltag stärken und beschließen den Aktionsmonat „Gelber September“.
Wachsende Belastungen im Schul- und Ausbildungsumfeld
Aktuelle Erhebungen belegen einen hohen Bedarf an präventiven Strukturen bei jungen Menschen. Laut dem Deutschen Schulbarometer 2025/26 nimmt die psychische Belastung unter Schülern erstmals seit der Pandemie wieder zu, wovon insbesondere junge Menschen aus einkommensschwachen Familien betroffen sind.
Zudem zeigte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2026 auf, dass Ängste, Sucht- oder Essstörungen sowie depressive Symptome bereits im Kindesalter verbreitet sind.
Nach der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sorgen sich 72 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen wegen Kriegen, 70 Prozent wegen Terrorismus und 57 Prozent wegen der Klimakrise. Das Präventionsradar der DAK wies zudem aus, dass 65 Prozent der Befragten häufige Erschöpfung und 33 Prozent Einsamkeit erleben.
Positive Effekte zeigen bestehende Förderprogramme: Eine Evaluation der Universität Leipzig zu Fachkräften für seelische Gesundheit an rund 80 Standorten und 125 Schulen ergab, dass 80 Prozent der Schulleitungen die Schülerakzeptanz hoch und über 80 Prozent die Qualifikation der Kräfte positiv bewerteten. Mehr als 80 Prozent sprachen sich für eine Fortsetzung und über 90 Prozent für eine flächendeckende Einführung aus.
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Auch beim Berufseinstieg zeigen sich erhebliche Belastungen. Laut dem DGB-Ausbildungsreport 2026 erleben 50,6 Prozent der befragten Auszubildenden psychische Herausforderungen. Als häufigste Belastungsfaktoren wurden Leistungs- und Zeitdruck mit 20,9 Prozent, Personalmangel mit 19,6 Prozent und Verantwortungsdruck mit 19,2 Prozent genannt.
Interventionen in Betrieben und im Sportbereich
Im betrieblichen Umfeld fordert die IBG Unternehmen auf, sich auf psychische Krisen vorzubereiten und geschulte Ansprechpersonen einzusetzen. Die Fachorganisation betont, dass psychische Erste Hilfe keine Therapie darstelle.
Als Handlungsorientierung dient das Prinzip aus Hinsehen, Zuhören und Weitervermitteln sowie eine Leitlinie zur Wiederherstellung von Sicherheit, Orientierung und Stabilisierung. Nach Angaben der IBG dauern psychisch bedingte Ausfälle durchschnittlich über 36 Tage pro Fall und bei Langzeitkrankenständen rund 68 Tage.
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Im sportlichen Kontext setzen sich Athleten Deutschland und die Initiative „Mehr als Muskeln“ dafür ein, seelische Gesundheit im Spitzensport sichtbar zu machen und Tabus abzubauen.
Léa Krüger, Vizepräsidentin und Mitgründerin von Athleten Deutschland, sprach sich für ein Umfeld aus, in dem Aktive offen über Belastungen sprechen können, sowie für eine gemeinsame Verantwortung bei Training, Ausbildung des Betreuungspersonals und sozialer Absicherung.
Auf regionaler Ebene bietet das Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg seit der Saison 2026/27 mit dem „Karli Kiosk“ ein ehrenamtliches Beratungsangebot für junge Männer an. Wie eine Erhebung des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2025 zeigt, erhielten fast 41 Prozent der Erwachsenen in Deutschland im Laufe ihres Lebens die Diagnose einer psychischen Erkrankung.
