Wechseljahre, Hormon-Bluttests

Wechseljahre: Warum Hormon-Bluttests laut Fachleuten oft in die Irre führen

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 22:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schwankende Hormonwerte erschweren die Diagnose; Fachleute fordern bessere Ausbildung und einen leichteren Zugang zu qualifizierter Beratung.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Behandlungsraum mit einer Untersuchungsliege in einer medizinischen Praxis. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute warnen zunehmend vor der unkritischen Bestimmung von Hormonwerten bei Frauen in den Wechseljahren. Die spanische Gynäkologin Alberta María Fabris wies darauf hin, dass entsprechende Blutuntersuchungen häufig zu Falschdiagnosen und erheblicher Verwirrung führten. Es komme immer wieder vor, dass Frauen aufgrund eines einzelnen Laborwerts eine Menopause bescheinigt werde, obwohl ihre Menstruation seit einem Jahr regulär auftrete.

Fabris bezog sich dabei auch auf den Experten Santiago Palacios, der solche Hormonanalysen als verfehlt einstufe, und forderte betroffene Frauen auf, gezielt speziell ausgebildete Ärzte aufzusuchen.

Diagnoseunsicherheiten durch schwankende Hormonspiegel

Die methodischen Probleme bei der Testung werden auch in Frankreich hervorgehoben. Die Gynäkologin Anna Gosset vom Universitätsklinikum CHU Toulouse erklärte Tests zur Feststellung einer Perimenopause für nutzlos, da die weiblichen Hormonwerte in dieser Lebensphase naturgemäß starken Schwankungen unterworfen seien.

Grundsätzlich sind Bluttests im Gesundheitssystem über unterschiedliche Anlaufstellen geregelt: Hausärzte veranlassen Basisuntersuchungen wie die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 oder stellen Überweisungen aus.

Fachärzte für Gynäkologie bestimmen zyklusabhängige Parameter wie Östrogen, Progesteron, LH, FSH und Prolaktin, während Endokrinologen komplexe Erkrankungen über Speziallabore, Ultraschall oder MRT abklären. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Laborkosten jedoch nur bei einem begründeten medizinischen Verdacht, während reine Wunschleistungen ohne Symptome selbst bezahlt werden müssen.

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Ausbildungsdefizite und Informationsmangel

Neben den methodischen Schwächen der Tests sehen Fachleute erhebliche Defizite im Medizinsystem. Nach Einschätzung der Gynäkologin Florence Trémollières werden Mediziner seit einer US-Studie, die die Hormontherapie seinerzeit diskreditierte, kaum noch fundiert zum Thema Menopause ausgebildet. Dies schlage sich in der Praxis nieder: Rund 28 Prozent der Frauen in den Wechseljahren beklagen, dass medizinisches Personal keine klaren Auskünfte erteile, insbesondere im Hinblick auf eine Hormonersatztherapie.

In Frankreich, wo mehr als 17 Millionen Frauen über 45 Jahren von der Menopause betroffen sind, stellte Ministerin Stéphanie Rist im Rahmen der ersten Assises de la ménopause in Paris rund zehn Zusagen für die Versorgung vor. Zudem verhandelt die französische Krankenversicherung Assurance maladie mit Hebammen über längere Konsultationen.

Richtlinien der Gesundheitsbehörde HAS zur Verordnung von Hormontherapien durch Hebammen werden für Mitte 2027 erwartet, eine landesweite Sensibilisierungskampagne soll im Januar anlaufen, gefolgt von Evaluationsergebnissen im Oktober 2027.

Studiendaten zur Belastung und alternative Präparate

Die gesundheitlichen Belastungen während des Übergangs sind wissenschaftlich belegt. Die Climatère-Studie des Hôpital Foch in Suresnes unter 4.140 Frauen ergab, dass ein Viertel der Teilnehmerinnen schwere Einschränkungen der Lebensqualität verzeichnet. Dabei gaben 34 Prozent der Frauen mit geringerem Bildungsgrad eine starke Symptomlast an, gegenüber 20 Prozent bei jenen mit höherem Bildungsgrad.

Zudem litten 27,3 Prozent der Teilnehmerinnen unter häufigen Schlafstörungen. Eine Untersuchung des CHU Toulouse aus dem Jahr 2022 an 5.000 Frauen im Alter von 50 bis 65 Jahren zeigte zudem, dass 87 Prozent der Frauen ohne Behandlung mindestens ein Menopause-Symptom aufweisen.

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Bei alternativen Therapien mahnen Mediziner zur Vorsicht: Für Phytoöstrogen-Präparate fehle eine ausreichende wissenschaftliche Evidenz, zudem seien sie bei hormonabhängigen Krebserkrankungen kontraindiziert.

Auch für Testosteron existiere keine solide Evidenz, abgesehen von der Behandlung eines hypoaktiven sexuellen Verlangens. Bei Testosteron-Überdosierungen drohten Risiken wie Akne, verstärkter Haarwuchs, Haarausfall sowie kardiovaskuläre Gefahren.

Initiativen für bessere Qualifikation und Kassenleistungen

Angesichts dieser Versorgungslücken forderte die Plattform Wechselweise.net anlässlich des vierten MenoDay am 18. Oktober 2026 in Wien umfassende Strukturreformen.

In Diskussionen mit Fachleuten wie Petra Stute und Johannes Huber verlangt die Initiative mehr praktische Ausbildung in der Wechseljahresmedizin, die Einrichtung von Hormonambulanzen an Medizinischen Universitäten sowie einen nachvollziehbaren Qualifikationsnachweis für Spezialisten.

Zudem müssten qualifizierte Hormonsprechstunden, die derzeit fast ausschließlich als Privatleistung angeboten werden, künftig als reguläre Kassenleistung anerkannt werden.

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