Wechseljahre: Östrogenverlust schädigt Gedächtnisstruktur im Gehirn
28.05.2026 - 06:09:58 | boerse-global.deNeue Studien zeigen, wie Östrogenverlust und veränderter Fettstoffwechsel das Gehirn und die Zellenergie beeinflussen.
Östrogenverlust schädigt die Gedächtnisstruktur
Eine Studie der Northwestern University liefert eine neue Erklärung für die hohe Alzheimer-Rate bei Frauen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse am 26. Mai in Aging Cell: Der Rückgang der Östrogenproduktion in den Wechseljahren schädigt die extrazelluläre Matrix im Hippocampus. In Mausversuchen führte dieser Prozess zu einer schwächeren Gewebestruktur – mit kognitiven Defiziten als Folge. Die Wissenschaftler schlagen vor, diese Matrix künftig als Therapieziel zu nutzen.
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Parallel dazu entdeckte ein Team der Oregon Health & Science University und der Universität Leipzig eine neue Population von Immunzellen im Gehirn. Die sogenannten HPAM-Zellen reichern sich um Amyloid-beta-Plaques an. Die Ergebnisse wurden im Mai in Nature Neuroscience veröffentlicht. Es handelt sich noch um Grundlagenforschung – doch sie eröffnet neue Perspektiven für die Alzheimer-Therapie.
Mitochondrien altern schneller nach der Menopause
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena veröffentlichte im Mai neue Ergebnisse zur mitochondrialen Alterung. Demnach sinkt mit zunehmendem Alter die Produktion von Phosphatidylcholin. Die Folge: Mitochondriale Membranen versteifen, die Energieverteilung im Körper gerät aus dem Gleichgewicht.
Daten der UK Biobank untermauern diese Beobachtungen. Personen mit Diabetes und Frauen nach der Menopause haben signifikant niedrigere Phosphatidylcholin-Werte. In Versuchen mit Fadenwürmern stabilisierte die Gabe von Cholin oder Phosphatidylcholin die Mitochondrien. Ein direkter Anti-Aging-Effekt beim Menschen ist aber noch nicht belegt.
Neue Leitlinien für Stoffwechselerkrankungen
Im Mai gab es wichtige Neuerungen in der Stoffwechselmedizin. Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) wurde offiziell in PMOS umbenannt – so berichtete der Lancet am 12. Mai.
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Auch bei Medikamenten gibt es Fortschritte. Die EMA empfiehlt die Zulassung von Semaglutid in Tablettenform (25 mg). In einer Phase-III-Studie erreichten Probanden damit über 64 Wochen einen Gewichtsverlust von über 13 Prozent. Noch beeindruckender: Der Wirkstoff Retatrutid von Eli Lilly zeigte in der TRIUMPH-1-Studie eine Gewichtsreduktion von bis zu 28,3 Prozent über 80 Wochen. Bayer wiederum erhielt in China die Zulassung für Finerenon zur Behandlung von Herzinsuffizienz.
Frauengesundheit: Wechseljahre differenziert betrachten
Zum Tag der Frauengesundheit am 28. Mai betonen Experten die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung der Wechseljahre. Dr. Julia Bartley vom Universitätsklinikum Leipzig weist darauf hin: Etwa 80 Prozent der Frauen leiden unter Beschwerden, 15 bis 30 Prozent haben schwere Symptome. Moderne Hormontherapien mit naturidentischen Präparaten könnten das Thromboserisiko senken und das Brustkrebsrisiko im Vergleich zu älteren Studien positiv beeinflussen.
Gute Nachrichten für MS-Patientinnen: Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft gab am 27. Mai bekannt, dass die Menopause den Krankheitsverlauf nicht grundsätzlich verschlechtert. Eine Metaanalyse mit über 109.000 Patienten bestätigte jedoch, dass Rauchen das MS-Risiko um fast 50 Prozent erhöht.
Lebensstil als wirksame Waffe
Neben Medikamenten spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Die ChronoFast-Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte Intervallfasten bei Frauen. Ergebnis: Ein frühes Essensfenster zwischen 8 und 16 Uhr führte zu einer signifikanten Abnahme schädlicher Lipidarten.
Auch Bewegung ist ein starker Faktor. Daten der UK Biobank belegen: Ein wöchentliches Training von 560 bis 610 Minuten senkt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um mehr als 30 Prozent. Und die Swedish Obese Subjects Study der Universität Göteborg zeigt langfristige Vorteile nach bariatrischen Operationen: Das allgemeine Krebsrisiko bei Frauen sank um 22 Prozent, das Risiko für frauenspezifische Tumore sogar um 40 Prozent.
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