Wechseljahre: Neuer Wirkstoff lindert Angst und Hitzewallungen
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 10:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Östrogenabfall löst tiefgreifende Veränderungen im weiblichen Gehirn aus – mit Folgen für die psychische Gesundheit.
Graue Substanz schwindet: Was die Forschung zeigt
Eine großangelegte britische Studie mit Daten von rund 125.000 Frauen und 11.000 MRT-Aufnahmen belegt: Während der Menopause geht messbar graue Substanz verloren. Besonders betroffen sind der Hippocampus, der entorhinale Kortex und der anteriore cinguläre Kortex.
Genau diese Regionen werden frühzeitig von Alzheimer geschädigt, erklären Forschende der Universität Cambridge. Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann diesen Verlust nicht verhindern – auch wenn sie die Reaktionsgeschwindigkeit positiv beeinflussen kann. Das zeigt die Auswertung der UK Biobank-Daten.
Die Charité Berlin startete deshalb die dreijährige Studie „Mapping Perimenopause“ mit 300 Teilnehmerinnen. Ziel ist es, die Übergangsphase genauer zu durchleuchten.
Psychische Folgen: Ein riesiges Aufklärungsdefizit
Die psychischen Auswirkungen der Menopause werden massiv unterschätzt. Nur 28 Prozent der Frauen kennen den Zusammenhang zwischen den Wechseljahren und psychischen Erkrankungen. Dabei zeigen Studien ein deutliches Risiko.
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In der Perimenopause verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit für bipolare Störungen. Das Depressionsrisiko steigt um 30 Prozent. Trotzdem verschreiben Ärzte oft Antidepressiva, ohne vorher eine Hormontherapie zu prüfen.
Ein österreichischer Frauengesundheitsreport von 2026 mit 1.000 Befragten unterstreicht die Belastung: 57 Prozent der Frauen wachen morgens nicht erholt auf. 70 Prozent der 30- bis 44-Jährigen fühlen sich häufig erschöpft. Über die Hälfte gab an, sich bei ärztlichen Abklärungen nicht ernst genommen zu fühlen.
Neue Hoffnung: Wirkstoff lindert Angst und Depression
Auf der Jahrestagung der Endocrine Society 2026 sorgte die OPTION-VMS-Studie für Aufsehen. 656 Frauen zwischen 40 und 75 Jahren testeten den Wirkstoff Fezolinetant (Veozah). Dabei handelt es sich um einen Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten.
Das Ergebnis: Zwischen der vierten und zwölften Woche linderte das Präparat nicht nur Hitzewallungen signifikant. Auch Symptome von Angst und Depression verbesserten sich. Der genaue Mechanismus ist noch unklar. Experten vermuten eine verbesserte Schlafqualität oder die direkte Blockade der NK3-Rezeptoren.
Da die geistige Gesundheit in dieser Lebensphase besonders im Fokus steht, ist es wichtig, erste Anzeichen von Vergesslichkeit richtig einzuordnen. Ein kurzer, wissenschaftlich fundierter Selbsttest gibt Ihnen in nur zwei Minuten eine erste diskrete Einschätzung. Hier geht es zum kostenlosen 7-Fragen-Selbsttest
Klassische Hormonersatztherapien mit Östrogenen und Gestagenen bleiben laut Gynäkologen weiterhin wirksam gegen Hitzewallungen und depressive Verstimmungen.
Kaltwasserschwimmen gegen Hitzewallungen?
Neben Medikamenten rücken komplementäre Methoden in den Fokus. Eine Umfrage im Fachjournal Post Reproductive Health mit 1.114 Frauen untersuchte die Effekte von Kaltwasserschwimmen. 46,9 Prozent berichteten über eine Verbesserung ihrer Angstzustände. Rund 30 Prozent erlebten eine Linderung von Hitzewallungen.
Auch andere Maßnahmen werden diskutiert:
- Pflanzliche Präparate: Baldrian, Johanniskraut oder Traubensilberkerze können unterstützend wirken.
- Ernährung und Schlafhygiene: Experten raten zu weniger Koffein und scharfen Gewürzen. Die ideale Schlafzimmertemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad.
- Stoffwechselkontrolle: Eine frühe Menopause erhöht das Diabetesrisiko um 30 Prozent. 62 Prozent der Frauen mit Prädiabetes berichten über schlechtere Schlafqualität.
Die Umbenennung des Polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) in PMOS durch 56 Organisationen im Frühjahr 2026 zeigt: Die Wissenschaft beschäftigt sich zunehmend mit hormonell bedingten Stoffwechselstörungen. Diese gehen oft mit Insulinresistenz einher und können das Diabetesrisiko vervierfachen.
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