Wechseljahre: Frühe Menopause vor 45 erhöht Diabetesrisiko um rund 30 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:40 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren beeinflussen den weiblichen Körper weit über die bekannten typischen Symptome hinaus. Anlässlich des Weltmenopausentags fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine deutlich stärkere Berücksichtigung dieser Lebensphase in der Prävention sowie in der hausärztlichen, gynäkologischen und diabetologischen Versorgung.
Internationale Daten und Expertenberichte unterstreichen, dass die Wechseljahre mit signifikanten metabolischen und kardiovaskulären Veränderungen einhergehen, die frühzeitige diagnostische und therapeutische Weichenstellungen erfordern.
Erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen und Diabetes
Laut DDG-Präsidentin Prof. Julia Szendrödi belegen internationale Studien, dass Frauen mit einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes aufweisen. Die Fachgesellschaft erläutert, dass sinkende Östrogenspiegel das Entstehen einer Insulinresistenz, die Zunahme von Bauchfett sowie ungünstig veränderte Blutfettwerte begünstigen.
Um Folgeerkrankungen rechtzeitig abzuwenden, empfiehlt die DDG regelmäßige Kontrollen von Nüchternglukose beziehungsweise HbA1c-Wert, Blutdruck, Blutfetten, Körpergewicht, Taillenumfang und Leberwerten. Ergänzend rät die Fachgesellschaft Frauen zu einem zwei- bis dreimal wöchentlichen Muskeltraining.
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Medizinische Leitlinien anderer Organisationen weisen in dieselbe Richtung: Die US-amerikanische Preventive Services Task Force (USPSTF) rät zu Screenings auf Prädiabetes und Typ-2-Diabetes bei Personen zwischen 35 und 70 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas.
Hinsichtlich der kardiovaskulären Risiken empfiehlt die American Heart Association (AHA) bei normalen Werten mindestens jährliche Blutdruckkontrollen sowie risikobasierte Blutfettanalysen.
Umfassende biochemische Veränderungen im Körper
Welche tiefgreifenden Auswirkungen die hormonelle Umstellung mit sich bringt, verdeutlichte eine am Weizmann-Institut von Dr. Glen Pridham durchgeführte Analyse im Fachjournal Nature Medicine.
Bei der Auswertung von mehr einer Million Frauen zeigten sich bei 52 von 90 Laborparametern signifikante, sprunghafte Veränderungen rund um die letzte Menstruation, die überwiegend als gesundheitlich ungünstig bewertet wurden.
Forscher um Uri Alon stellten zudem fest, dass sich der AMH-Rückgang bereits etwa 15 Jahre, der Anstieg des follikelstimulierenden Hormons (FSH) rund 14 Jahre und der Abfall von Östradiol etwa 12 Jahre vor der Menopause beschleunigen – rund sieben Jahre früher als bisher angenommen. Das mittlere Menopausenalter lag in den zugrunde liegenden US-Daten bei 50 Jahren.
Während Prof. Petra Stute darauf hinwies, dass sich aus diesen Laboranalysen keine neuen direkten Therapieempfehlungen ableiten lassen, widerspricht die Deutsche Menopause-Gesellschaft (DMG) dem vereinfachenden Bild eines abrupten physiologischen Absturzes, sieht die bestehenden Risiken jedoch ebenfalls häufig unterschätzt.
Dr. Katrin Schaudig von der DMG hob hervor, dass die Perimenopause in der hausärztlichen und gynäkologischen Praxis nach wie vor zu selten erkannt werde.
Knochenschutz und differenzierte Therapieoptionen
Auch die Knochengesundheit rückt vermehrt in den Fokus. Die International Menopause Society empfiehlt ein systematisches Screening aller Frauen in der Peri- und frühen Menopause auf Knochenverlust und Frakturrisiken mittels Risikorechnern wie FRAX oder lokalen Systemen sowie bei Bedarf mittels DXA-Messung.
Die spanischen Organisationen FHOEMO und SEIOMM wiesen darauf hin, dass allein in Spanien über zwei Millionen Frauen zwischen 45 und 50 Jahren in der Perimenopause ihr Knochenrisiko evaluieren lassen sollten. Die USPSTF empfiehlt DXA-Screenings standardmäßig ab 65 Jahren und bei jüngeren postmenopausalen Frauen nur bei Vorliegen konkreter Risikofaktoren.
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Für die Behandlung stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung. Britische NICE-Richtlinien halten fest, dass die Perimenopause bei gesunden Frauen ab 45 Jahren rein klinisch ohne Hormonanalysen diagnostiziert werden soll; die Menopause ist nach zwölf blutungsfreien Monaten erreicht. Bei Beschwerden zwischen 40 und 45 Jahren oder bei Verdacht vor 40 Jahren bleibe die Bestimmung von FSH relevant.
Sofern keine Gegenanzeigen vorliegen, gelte eine menopausale Hormontherapie laut Experten wie Dr. Schaudig weiterhin als Standard. Eine Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Endokrinologie hält fest, dass eine Hormontherapie Knochenverlust verhindert, Frakturen reduziert und bei symptomfreien Frauen unter 60 Jahren individuell zum Knochenschutz erwogen werden kann.
Laut DMG werden in der Perimenopause grob 10 bis 30 Prozent der Patientinnen hormonell behandelt; bei einer Anwendungsdauer von zwei bis drei Jahren bestehe kein erhöhtes Brustkrebsrisiko.
Prof. Vanadin Seifert-Klauss vom Uniklinikum Rechts der Isar betont, dass eine Hormontherapie idealerweise vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach der Menopause begonnen werden sollte. Steroidhormone entfalten ihre Wirkung über 8 bis 12 Wochen. Zudem leiden rund 30 Prozent der Frauen in den Wechseljahren an Gelenkbeschwerden.
Bei Hitzewallungen stehen mit Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten inzwischen auch nicht-hormonelle Optionen bereit. Generell raten Fachmediziner wie Dr. Heidi Gößlinghoff zur Vorbeugung von Muskelabbau, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu regelmäßigem Kraft- und Ausdauertraining sowie einer adäquaten Versorgung mit Eiweiß, Kalzium und Vitamin D.
