Wechseljahre, Arbeitsplatz

Wechseljahre am Arbeitsplatz: Jede dritte Frau berichtet von starken Belastungen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesstelle empfiehlt bessere medizinische Ausbildung, angepasste Arbeitsplätze und politischen Schutz für Frauen in den Wechseljahren.

Wechseljahre: Antidiskriminierungsstelle legt Empfehlungen für Arbeit und Medizin vor
Ein minimalistisch gestaltetes, modernes Büro mit ergonomischen Möbeln und Blick auf eine grüne Stadtlandschaft bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland befinden sich rund 11 Mio. Frauen in den Wechseljahren. Dennoch fehlt es im gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld häufig an ausreichender Aufklärung und Unterstützung. Grundsätzlich betreffen die Wechseljahre 50,7% der Bevölkerung.

Um bestehende Defizite anzugehen, hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstmals Handlungsempfehlungen für einen diskriminierungsfreien Umgang mit dieser Lebensphase vorgelegt. Das rund 30-seitige Papier trägt den Titel „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“ und kritisiert neben Wissenslücken und Mängeln in der medizinischen Versorgung vor allem das fehlende Verständnis am Arbeitsplatz.

Wachsende Relevanz für den deutschen Arbeitsmarkt

Erstellt wurden die Empfehlungen vom Gremium „Wechseljahre und Diskriminierung“ der Antidiskriminierungsstelle, das unter der Leitung von Miriam Stein und Franzi von Kempis steht. Beteiligt waren Fachleute aus den Bereichen Gynäkologie, Pflege, Zivilgesellschaft und Ökonomie.

Die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Wechseljahre keine Diskriminierungsjahre sein dürften, und sprach sich für eine ressortübergreifende Nationale Wechseljahres-Strategie aus. Diese solle Gesundheitsversorgung, Forschung, Bildung, die Arbeitswelt sowie den Diskriminierungsschutz koordinieren.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Themas nimmt zu: Laut dem Forderungskatalog stellen Frauen ab 50 Jahren die am schnellsten wachsende Altersgruppe unter den Erwerbstätigen in Deutschland dar. Statistisch beginnen die Wechseljahre im Alter von 51 bis 52 Jahren.

Daran schließen sich im Durchschnitt noch mindestens 15 Jahre Erwerbsleben an. Eine Auswertung der DAK verdeutlicht die beruflichen Konsequenzen: Jede dritte betroffene Frau berichtet von teils starken Belastungen am Arbeitsplatz, darunter eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, zusätzliche Fehltage sowie Arbeitsausfälle.

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Medizinische Versorgung und Arbeitsbedingungen im Fokus

Nach Angaben der Autorin Miriam Stein verspüren rund 85% der Betroffenen Symptome. Das Papier führt unter anderem Änderungen des Zyklus, Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen, Gereiztheit, Inkontinenz sowie Hitzewallungen an. Dennoch weisen Fachleute auf gravierende Versorgungslücken hin.

Mangler und das Papier der Antidiskriminierungsstelle bemängeln gleichermaßen, dass das Thema im Medizinstudium nur rudimentär behandelt werde und bislang keine eigene Abrechnungsziffer für die ärztliche Wechseljahresberatung existiere.

Zur Verbesserung der Situation empfiehlt die Antidiskriminierungsstelle, die Menopause fest im Medizinstudium und in der gynäkologischen Facharztausbildung zu verankern sowie eine eigenständige Abrechnungsziffer einzuführen.

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Auch die Arbeitsbedingungen müssten angepasst werden. Gefordert werden wechseljahresfreundliche Arbeitsplätze durch flexible Arbeitszeiten, angepasste Raumtemperaturen, verlässlichen Toilettenzugang und betriebsärztliche Beratung.

Gremiumsleiterin Miriam Stein wies zudem darauf hin, dass unpassende Arbeitskleidung für Polizistinnen, Pflegekräfte oder Verkäuferinnen eine Belastung darstelle, und nannte Frauenruheräume nach historischem Vorbild der DDR als mögliche Erleichterung.

Auf politischer Ebene fordert die Antidiskriminierungsstelle eine bundesweite Informationskampagne, verstärkte interdisziplinäre Forschung sowie die Prüfung einer Klarstellung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zum Schutz vor Benachteiligung.

Im Jahr 2026 stellten das unionsgeführte Gesundheitsministerium und das Forschungsministerium erstmals Fördermittel für einen entsprechenden Dialogprozess bereit, der sich zunächst auf medizinische Projekte konzentriert.

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