Wearables 2025: Studie zeigt 21% Fehler bei Kalorienberechnung
25.05.2026 - 13:16:38 | boerse-global.deSmartwatches und Fitnesstracker haben sich von Lifestyle-Accessoires zu ernstzunehmenden Gesundheitsinstrumenten entwickelt. Die Branche überschreitet zunehmend die Grenze zur klinisch validierten Medizintechnik.
Sensorik im Härtetest
Die Messgenauigkeit bleibt ein zentrales Thema. Eine Studie der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vom April 2025 untersuchte zehn marktführende Modelle bei 30 Probanden.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Die optische Herzfrequenzmessung lieferte bei vielen Modellen – besonders der Apple Watch – in stabilen Belastungssituationen gute Werte. Beim Schwimmen versagten viele Geräte jedoch komplett.
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Eine Untersuchung der Universität Dublin aus dem Winter 2024 bestätigt die Probleme. Die Herzfrequenzmessung weicht im Schnitt nur drei Prozent ab, die Berechnung des Kalorienverbrauchs dagegen zwischen 15 und 21 Prozent. Auch die Schlafanalyse ist ungenau: Wearables überschätzen die Schlafzeit und unterschätzen Wachphasen um durchschnittlich 22 Minuten pro Nacht.
Die Geräte können Trends zuverlässig abbilden – für punktgenaue medizinische Entscheidungen taugen sie noch nicht.
Marktverschiebung: Huawei überholt Apple
Der globale Wearable-Markt wuchs 2025 um 9,1 Prozent auf 611,5 Millionen ausgelieferte Einheiten. Dabei gab es eine Überraschung an der Spitze.
In den ersten beiden Quartalen 2025 übernahm Huawei die globale Marktführerschaft. Grund dafür war die starke Nachfrage in Asien und staatliche Subventionsprogramme in China. Apple holte sich im vierten Quartal mit 32 Prozent Marktanteil im Premiumsegment jedoch die Krone zurück.
Drei klare Produktpfade zeichnen sich ab:
Ökosystem-Geräte wie die Apple Watch Series 10 oder Samsung Galaxy Watch 8 setzen auf nahtlose Smartphone-Integration.
Spezialisierte Sportuhren von Garmin dominieren die Nische für Ausdauersportler. Die Fenix-8-Serie überzeugt mit Multiband-GPS und Akkulaufzeiten, die klassische Smartwatches weit hinter sich lassen.
Diskrete Wearables wie Smart Rings verzeichneten 2025 ein explosives Wachstum von fast 50 Prozent. Anbieter wie Oura und Samsung sprechen Nutzer an, die Gesundheitsmonitoring ohne Display-Ablenkung suchen.
Der Weg zum klinischen Instrument
Die aktuelle Gerätegeneration sammelt FDA-Zulassungen und CE-Zertifizierungen. Funktionen wie die Erkennung von Vorhofflimmern, Schlafapnoe-Screening und Blutsauerstoffmessung gehören inzwischen zum Standard der Oberklasse.
Samsung integrierte in der Galaxy-Watch-Serie bereits Blutdruckmessung und Schlafapnoe-Erkennung. Apple setzt mit der Series 11 verstärkt auf Bluthochdruck-Warnungen.
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Experten sehen den großen Vorteil in der kontinuierlichen Datenerfassung über Wochen und Monate. Sie kann für Mediziner wertvoller sein als eine einzelne Momentaufnahme in der Klinik.
Die größte Hürde bleibt die nicht-invasive Glukosemessung. Prototypen existieren, Analysten rechnen aber erst in zwei bis drei Jahren mit der kommerziellen Verfügbarkeit.
Künstliche Intelligenz als Game-Changer
Der entscheidende Fortschritt liegt 2026 weniger in neuer Hardware als in der algorithmischen Datenverarbeitung. On-Device-KI ermöglicht proaktive Gesundheitshinweise.
Moderne Systeme wie Garmins „Training Readiness“ oder Samsungs „Energy Score“ verknüpfen Schlafdaten, Stresslevel und körperliche Aktivität. Sie geben ganzheitliche Empfehlungen für den Tagesablauf und beugen Überlastungen vor.
Diese „Actionable Intelligence“ löst eines der größten Probleme früher Wearables: die Datenflut ohne konkreten Nutzwert.
Die Analyse zeigt jedoch eine wachsende Kluft zwischen den Plattformen. Apple und Samsung binden ihre Geräte strikt an die eigenen Betriebssysteme. Der Datenaustausch zwischen verschiedenen Gesundheitsökosystemen wird dadurch erschwert.
Ausblick: Die unsichtbare Revolution
Wearables verschwinden zunehmend in Kleidung (Smart Fabrics) oder als intelligente Kopfhörer (Hearables). Sie erfassen neue Datenpunkte wie Körperkerntemperatur oder Atemfrequenz direkt im Gehörgang.
Die Differenzierung der Hersteller wird künftig über die Qualität der medizinischen Erkenntnisse und die Zuverlässigkeit prädiktiver Analysen erfolgen. Die Herausforderung bleibt der Datenschutz bei gleichzeitiger Integration in staatliche Gesundheitssysteme – nur so lassen sich die Daten für Telemedizin nutzbar machen.
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